Zeit 27.01.2026
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Eine Hamburgerin will jüdisches Leben sichtbar machen – per Drohne


Die Elbvertiefung am Dienstag – mit den Folgen des Nordsee-Gipfels, einem Urteil nach dem Messerangriff am Hauptbahnhof und Neuigkeiten im Fall Stefan Kuntz

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Eine Hamburgerin will jüdisches Leben sichtbar machen – per Drohne
Liebe Leserin, lieber Leser, seit knapp zweieinhalb Jahren arbeitet die Fotografin Valérie Wagner an ihrem Projekt Seite an Seite. Dafür hat sie in Hamburg immer wieder Menschen in Form eines Davidsterns gruppiert und aus der Luft mit einer Drohne aufnehmen lassen. Meine Kollegin Viola Diem hat vergangenes Jahr mit Wagner gesprochen, das Interview finden Sie hier (Z+) . Am Elbstrand hat Wagner fotografiert, da nahmen 24 Menschen Teil, dann auch in der HafenCity, vor der Kunsthalle, oben auf dem St.-Pauli-Bunker und vor dem Rathaus, wo 90 Menschen den Davidstern formten. Heute, am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, soll der vorerst letzte menschengemachte Stern auf dem Joseph-Carlebach-Platz fotografiert werden. Zum ersten Mal werden die Teilnehmer dabei Kerzen in der Hand halten. "Ich hoffe auf 200 Menschen", sagt Wagner. Sie wolle einen Raum bieten für alle, die sich engagieren wollen, und spreche auch die jüdische Community an. Mit der Stiftung Bornplatzsynagoge arbeitet sie beim heutigen Termin zusammen, im Anschluss gebe es eine Ansprache und ein Gebet. "Wir werden gegen 17 Uhr die Aufnahme machen, wenn es schon fast dunkel ist, aber noch einen Schimmer von Licht gibt." So kämen die Kerzen besonders gut zur Geltung. Es geht Wagner aber nicht nur um die Aktionen, sondern auch um die Veröffentlichung der Bilder selbst, "damit das Thema eine große Reichweite erhält". Die Bilder will sie ausstellen, am besten während der Hamburger Phototriennale ab Juni. Nur hat sie bisher noch keinen Ort gefunden. Mit zwei Anbietern von Bildschirmflächen, die in Hamburg etwa in U-Bahnhöfen und an Straßenkreuzungen zu sehen sind, steht sie im Austausch, hat aber noch keine Zusage. Und Wagner will zudem einen Ort finden, an dem die sechs Bilder in voller Größe, sechs mal acht Meter, nebeneinander gezeigt werden können. Doch solch große Freiflächen sind eher rar. Eine große Hamburger Privatbank habe nach interner Diskussion abgesagt – "aus Sorge vor antisemitischem Vandalismus, gewalttätigen Demos und schlechter Presse", sagt Wagner. Wagner will jetzt noch bei der Hauptkirche St. Petri anfragen und beim Thalia Theater. "Die Bilder gehören für mich in den öffentlichen Raum, weil es um die Sichtbarkeit von jüdischem Leben in Hamburg geht." Inzwischen sei ihr auch recht, wenn die Bilder zu einer anderen Zeit als der Phototriennale hingen. "Ich habe den Eindruck, dass es nach dem 7. Oktober zu wenig Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Deutschland gab", sagt sie. "Ich möchte mit meinen Mitteln als Fotografin eine Möglichkeit dafür schaffen." Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Yannick Ramsel WAS HEUTE WICHTIG IST Hamburg kann nach Ansicht von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) von den Beschlüssen des Nordsee-Gipfels direkt profitieren. Die meisten deutschen Offshore-Windenergie-Projekte würden schon jetzt von Hamburg aus gesteuert, sagte Tschentscher. Deutschland und die Anrainerstaaten der Nordsee hatten sich beim Gipfel geeinigt, den Ausbau von Windenergie-Anlagen vor den Küsten voranzutreiben. Vor allem die grenzüberschreitende Zusammenarbeit solle gestärkt werden, was den Ausbau effizienter machen und Kosten senken soll. In einer Erklärung heißt es, die Nordsee solle "zum weltgrößten Drehkreuz" für saubere Energie gemacht werden. Der BUND mahnte an, beim Offshore-Ausbau müssten der Meeresschutz und die Naturverträglichkeit Vorrang haben. Acht Monate nach dem Messerangriff im Hamburger Hauptbahnhof mit zahlreichen Verletzten muss die 40 Jahre alte Täterin dauerhaft in die Psychiatrie. Das hat das Hamburger Landgericht entschieden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Frau am 23. Mai auf einem Bahnsteig wahllos auf Reisende eingestochen hat. Während sechs Personen ausweichen konnten, erlitten 15 Menschen zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Die Frau sei laut Gericht wegen einer psychischen Erkrankung bei der Tat schuldunfähig gewesen. Sie stelle eine Gefahr dar und müsse auf Dauer in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. Die Aussage des ehemaligen HSV-Sportvorstands Stefan Kuntz, er sei über die gegen ihn erhobenen Vorwürfe weder informiert worden noch habe er die Gelegenheit erhalten, sie zu entkräften, bezeichnet der HSV-Aufsichtsrat in einem aktuellen Statement als "nachweislich unwahr". Am 2. Januar hatte der Bundesligist die Trennung von Kuntz verkündet, zunächst war die Rede von familiären Gründen. Später erklärte der Verein, es gebe Vorwürfe eines "schwerwiegenden Fehlverhaltens" von Kuntz. Stefan Kuntz weist die Anschuldigungen gegen sich zurück. In aller Kürze • Angesichts von Schneefall und Temperaturen um den Gefrierpunkt hat die Diakonie eine ganztägige Öffnung des Winternotprogramms gefordert – bei der aktuellen Wetterlage sei der Aufenthalt im Freien für die rund 3.800 obdachlosen Menschen in Hamburg mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden • Dennis Thering, Vorsitzender der CDU-Bürgerschaftsfraktion, hat die Forderung aus CDU-Reihen nach einer Einschränkung des Rechtsanspruchs auf Teilzeit kritisiert. Der Vorschlag gehe an der Lebensrealität vieler Menschen vorbei und schade dem Wirtschaftsstandort Deutschland • Der Schneefall hat gestern zu Verkehrsproblemen geführt: In und um Hamburg gab es etwa mehrere Unfälle, auf der A7 staute sich der Verkehr auf mehreren Kilometern, auf den S-Bahn-Linien S2 und S1 sowie im Fern- und Regionalverkehr kam es zu Ausfällen und Verspätungen AUS DER HAMBURG-AUSGABE Hier gibt’s nur gute Noten Einmal in der Woche schickt die Staatliche Jugendmusikschule einen umgebauten HVV-Bus nach Steilshoop. Darin können Jugendliche lernen, wie man einen Song schreibt – und noch sehr viel mehr. Lesen Sie hier einen Ausschnitt aus dem Artikel von ZEIT-Redakteur Martin Petersen. Kurz vor zwölf Uhr stehen Ebrar, April, Hagen, Thierno und Ibrahim ungeduldig vor der geschlossenen Bustür. Sie kommen direkt aus der Schule. Thierno klopft an – doch vergebens, sie sind zu früh. Eine Woche zuvor, erzählen die Elf- und Zwölfjährigen, haben sie die Musiklehrer kennengelernt und Rhythmusübungen gemacht. Heute soll es an die Instrumente gehen. "Hoffentlich!", sagt Ebrar. Vor dem grauen, nackten Beton des Einkaufzentrums Steilshoop wirkt der knallbunte Bus, neben dem sie stehen, wie ein Fremdkörper. Er ist beklebt mit dem Schriftzug "Jamliner", daneben spielt eine Comicfigur Gitarre. Jeden Donnerstag kommt er hierher und parkt am Straßenrand. Der Bus ist einer von zwei mobilen Band-Übungsräumen der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg. Musiklehrerinnen und -lehrer, die extra dafür einen Busführerschein gemacht haben, steuern mit ihnen zehn Stadtviertel an: Steilshoop, Neuwiedenthal, St. Pauli, Mümmelmannsberg, Kirchdorf-Süd, Jenfeld, Billstedt, Dulsberg, Harburg und den Osdorfer Born. Seit dem Jahr 2000 bekommen Schülerinnen und Schüler der beteiligten Schulen im Bus ein halbes Jahr lang Musikunterricht, eine Stunde pro Woche – während der Schulzeit. Vorkenntnisse müssen sie nicht mitbringen. In der Zeit schließen sich einige zu einer Band zusammen, schreiben einen Song, nehmen ihn auf – und vielleicht geht es damit dann sogar auf die Bühne. Ebrar, April, Hagen, Thierno und Ibrahim besuchen verschiedene Klassen im sechsten Jahrgang der Schule am See, einer Stadtteilschule in Steilshoop, die von der Vorschule bis zur 10. Klasse reicht. Warum machen sie mit? "Ich hab von Emma gehört, dass es Spaß bringt", sagt Ibrahim. "Weil ich gern singe!", erklärt Ebrar, "und meine Lehrerin hat gesagt, dass meine Stimme schön ist." Hagen möchte Schlagzeug spielen. "Außerdem will ich gern auf der Bühne stehen", sagt er. Das wollen die anderen auch. Wie eine Probe im Jamliner aussieht, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de . DER SATZ "Damals gab es die Haltung: Lasst uns lieber nicht darüber reden. Das sehen wir heute ganz anders: Gerade dass wir darüber reden, gehört zu unserer Identität." Der ehemalige Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Detlef Garbe, ist von der Rom und Cinti Union mit einem Menschenrechtspreis für sein Engagement im Bereich der Erinnerungskultur geehrt worden. Die ZEIT-Redakteure Hauke Friederichs und Marc Widmann führten 2022 ein Gespräch mit ihm, das wir zu diesem Anlass noch einmal zeigen . DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Die Freunde der Kammermusik stellen in der Reihe "Portraitkonzert" die musikalischen Geschwister Carolin & Jörg Widmann vor. Die beiden werden, begleitet von namenhaften Gästen, ein Programm vorstellen, das einen Bogen über zwei Jahrhunderte Musikgeschichte spannt. Wir verlosen fünfmal zwei Karten für das Konzert am Dienstag, 3. Februar, ab 20 Uhr im Großen Saal der Elbphilharmonie. Schreiben Sie uns bis morgen, 12 Uhr, eine E-Mail mit dem Betreff "Widmann" an hamburg@zeit.de. Die Gewinner werden von uns direkt benachrichtigt. Viel Glück! MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Durchsage des Zugführers in der U1, Haltestelle Stephansplatz: "Wenn ich angefahren bin, mache ich die Tür ganz bestimmt nicht mehr auf!" Gehört von Birgit Wagner Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .