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09.02.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Montag – mit einem Interview zum Eröffnungsfilm der Berlinale, einer Warnung der Umweltbehörde und neuen Plänen für Flüchtlingsunterkünfte

Liebe Leserin, lieber Leser, ich weiß: Die Welt hat andere Sorgen. Bitte sehen Sie mir nach, dass ich Ihnen trotzdem noch einmal mit dem Radfahren im Winter komme. Es gibt so selten Gelegenheit, dies Thema aufzugreifen. Wobei das Wort "Sorgen" in eine falsche Richtung führt. Die Eis- und Schneeberichterstattung dieser Tage hat einen sorgenvollen Ton angenommen, der wenig Raum für anderes lässt. Glätte, Verletzte, Streusalz, Räumpflichtmissachtung – natürlich gibt es das alles wirklich. Aber ein bisschen mehr hat ein Ausnahmewinter wie dieser schon zu bieten, finde ich. Letzte Woche habe ich endlich getan, wovor ich mich lange gedrückt hatte: Ich habe Spikesreifen auf die Felgen meines Alltagsrads gezogen. Die Arbeit ist lästig, und wirklich praktisch sind Spikes nicht. Die Straßen sind ja fast überall freigesalzen, da knattern sie unangenehm, kosten Kraft und nutzen sich ab. Aber natürlich können sie an einigen Stellen auch sehr nützlich sein, zum Beispiel auf den vereisten Nebenstraßen meines Wohnviertels. Vor allem aber verbinde ich mit Spikes durchaus vergnügliche Erinnerungen: Fahrten über zugefrorene Seen, Fahren im Wiegetritt durch ein schneeweißes Alstertal mit Kindern auf einem Schlitten hinter mir. Weniger vergnüglich, aber im Rückblick kurios: Einmal habe ich bei Glatteis allein durch meinen Anblick einen Fahrradunfall verursacht. Ein anderer Radfahrer sah mich und nahm irrtümlich an, wo ich problemlos fahren konnte, könne er es auch. Lange her. Vor vielen Jahren hatte meine Familie ein Winterrad, dessen Spikes nie herunterkamen. Dann wurde es Routine, im Winter Spikesreifen zu montieren. In der Fahrradwerkstatt in meiner Nachbarschaft gab es einen Vorrat Ersatzspikes, weil die sich gelegentlich lösten und niemand in so einem Fall gleich einen teuren neuen Reifen kaufen wollte. Inzwischen liegen in derselben Werkstatt ungenutzte Spikesmäntel auf dem Stapel alter Reifen, von dem alle sich bedienen können. Meine eigenen Spikesreifen waren dorthin gewandert, die einiger Nachbarn ebenfalls. Ein kleiner Hinweis darauf, wie wärmere Winter unseren Alltag verändern. Nun ist es ausnahmsweise kalt. Gestern war ich wieder im Alstertal unterwegs. Und, was soll ich sagen: Schön war es! Ihr Frank Drieschner PS: Ein Fisch-Logo zum Einstieg? Blaue Links im Text? Falls Sie sich heute etwas wundern: Die Elbvertiefung hat ein kleines Update bekommen. Statt wie bisher drei finden Sie zum Beispiel ab jetzt fünf kurze Meldungen, dafür entfällt der Bereich "In aller Kürze", und aus der Rubrik "Der Satz" wird "Schon gelesen?". Der Kern der Elbvertiefung aber bleibt natürlich, wie Sie ihn kennen. WAS HEUTE WICHTIG IST Hamburg baut 2026 mehr als 10.000 Unterkunftsplätze für Geflüchtete ab. Das berichtet der NDR mit Verweis auf eine Anfrage der Linksfraktion. Betroffen seien neben Hotelplätzen auch große Unterkünfte – etwa in Harburg und der City Nord. Der Senat begründet die Schließungen mit Sanierungsarbeiten, zugleich seien rund 800 neue Plätze geplant. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher wirft dem maritimen Koordinator der Bundesregierung, Christoph Ploß, vor, sich nicht entschlossen genug für mehr Bundesmittel für die Häfen einzusetzen. Der Bund zahlt bislang 38 Millionen Euro jährlich für alle Seehäfen, die Küstenländer fordern rund 500 Millionen. Die CDU weist die Kritik zurück. Am Freitagabend ist ein 24-Jähriger im Stadtteil Eißendorf von fünf maskierten Männern angegriffen und so schwer verletzt worden, dass er später starb. Er war zu Fuß unterwegs, als er im Bereich der Bushaltestelle Eißendorfer Straße/Mehringweg attackiert wurde. Die Mordkommission ermittelt, das Motiv ist laut Polizei unklar. Umweltbehörde und Polizei warnten erneut davor, Eisflächen auf Alster, Kanälen und Parkteichen zu betreten. Trotz Minusgraden seien die Eisdecken oft nur wenige Zentimeter dick und brüchig – es bestehe akute Einbruch- und Lebensgefahr. Eltern sollten Kinder sensibilisieren, auch Hunde seien fernzuhalten. Die Hamburger CDU-Fraktion will alle kinderärztlichen U-Untersuchungen bis zum sechsten Lebensjahr verpflichtend machen. Der Senat soll eine landesgesetzliche Regelung samt Einladungs- und Nachverfolgungssystem erarbeiten, heißt es in einem Antrag, den die Fraktion in die Bürgerschaft einbringen will. Ziel sei ein verbindlicherer Kinderschutz. AUS HAMBURG "Dieser Film war wie eine Therapie für mich" Die Regisseurin Shahrbanoo Sadat ist ein Ausnahmetalent: Im Alter von 20 Jahren drehte sie ihren ersten Kurzfilm, und nun wird ihr dritter Film "No Good Men" am 12. Februar die Berlinale eröffnen. Sadat lebt in Hamburg, ihr Film wurde teils hier gedreht und von der Moin!-Filmförderung finanziert. ZEIT-Autor Christoph Twickel hat sie zum Gespräch getroffen, lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview. DIE ZEIT: Frau Sadat, No Good Men ist die Geschichte einer jungen alleinerziehenden Mutter, die bei einem Fernsehsender in Kabul arbeitet. Wie viel von dem Film ist Ihre eigene Geschichte? Shahrbanoo Sadat: Alle meine Filme sind meine Geschichte. Ich habe aber auch einen Teil der Geschichte von Anwar Hashimi einfließen lassen, der die andere Hauptrolle spielt. Anwar war zehn Jahre lang Fernsehproduzent für Wirtschaftsnachrichten. Ich selbst habe von 2009 bis 2014 beim Fernsehen gearbeitet, unter anderem für eine Kochsendung. Mein damaliger Manager war der Meinung, dass Frauen und Kochen gut zusammenpassen. Ich hasse Kochen. Ich hasste diese Sendung, ich hasste den Koch, ich hasste den Moderator, ich hasste das ganze Konzept. Sie redeten so sexistisch, und es war einfach völlig irrelevant. Ich litt darunter. Aber ich musste ja meine Rechnungen bezahlen. Und für mich als junge Frau war es eine gute Gelegenheit, bei diesem sehr renommierten Fernsehsender zu arbeiten. Parallel dazu entwickelte ich meine eigenen Projekte. ZEIT: Haben Sie bereits damals Anwar Hashimi kennengelernt und beschlossen, eine fünfteilige Filmreihe zu drehen? Sadat: Wir haben uns tatsächlich im Café der Kantine des Senders getroffen, und dann erzählte er mir, dass er seine Lebensgeschichte aufschreiben möchte. Ich sagte: "Okay, machen wir einen Deal. Du schreibst von nun an jeden Tag acht Seiten und schickst sie mir per E-Mail, damit ich kontrollieren kann, dass du deine Arbeit machst." Am nächsten Tag waren acht Seiten in meinem Posteingang, und innerhalb eines Jahres hatten wir 800 Seiten gesammelt. Ich war sehr beeindruckt, weil er sehr ehrlich und authentisch über sein Leben berichtete. Er schrieb über die Geschichte Afghanistans, über Dinge, die ich nicht wusste, weil wir in unseren Schulen keinen Geschichtsunterricht hatten. Durch Anwars Text habe ich mich in Afghanistan verliebt und ihm gesagt: "Ich werde daraus fünf Filme machen." ZEIT: No Good Men spielt im April 2021, kurz bevor die Taliban erneut das Land übernehmen. Wie haben Sie diese Zeit erlebt? Sadat: Ich bin ein sehr verträumter Mensch, ich habe keinen Bezug zur Realität, ich habe meine eigene. Als ich am Drehbuch zu No Good Men schrieb, war ich in dieser rosaroten Welt, arbeitete an dieser romantischen Komödie und an dem ersten Kuss in der afghanischen Filmgeschichte. Und dann fuhr ich mit einem Journalisten, den ich während meiner Recherchen kennengelernt hatte, zum Präsidentenpalast und flog mit dem Hubschrauber des Verteidigungsministers zu den Kampfeinheiten. Der Journalist versuchte, den Menschen Hoffnung zu machen, er sagte: "Es wird Wahlen geben, auch wenn die Taliban kommen." Tatsächlich bereitete er schon mit seiner Familie die Flucht vor. "No Good Men" wurde unter anderem in Hamburg gedreht – denn hier fand Shahrbanoo Sadat eine Kulisse, die der Innenstadt von Kabul ähnelt. Wo genau das war, warum die Regisseurin Hamburg anfangs nicht mochte und wie es ihr heute hier ergeht, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de. → Zum Artikel (Z+) SCHON GELESEN? Die Baumschützer planen schon Sitzblockaden Im Stadtteil Wilhelmsburg will die Stadt zehn Hektar Wald abholzen, damit dort Wohnungen gebaut werden können. Ist das noch zeitgemäß? → Zum Artikel (Z+) DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Das Museum am Rothenbaum bietet neuerdings einmal im Monat Taschenlampenführungen für BesucherInnen ab fünf Jahren an. Nach Ende der regulären Öffnungszeiten erkunden die Teilnehmenden die Ausstellungsräume im Dunkeln und können die Exponate im Schein der Taschenlampe neu entdecken. Taschenlampenführung, 14.2., 18 Uhr, MARKK, Rothenbaumchaussee 64; Taschenlampen sind vor Ort erhältlich; eine Anmeldung ist online möglich MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Zwei Freundinnen im Gespräch: "Bei Schnee- und Eisglätte fährst du immer noch Fahrrad?! Wow!" – "Ja, und ich habe sogar Vorteile entdeckt. Es finden sich überall freie Plätze, um das Fahrrad anzuschließen – selbst direkt vor dem Sportcenter." – "Klar, das kann man feiern. Vorausgesetzt, man kommt heil an." Gehört von Monika Schleith Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .