Zeit 15.12.2025
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Ein Lichterfest in dunklen Zeiten


Die Elbvertiefung am Montag – mit den Preisträgern des Annemarie Dose Preises 2025, dem neuen HVV-Fahrplan und der Frage, warum Neubaumieten so teuer sind

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Ein Lichterfest in dunklen Zeiten
Liebe Leserin, lieber Leser, dies ist die letzte Elbvertiefungs-Woche vor unserer kleinen Winterpause – ich sage das lieber gleich, erfahrungsgemäß häufen sich sonst spätestens am 1. Januar die "Wo seid ihr??!?"-Mails bei uns. Am Donnerstag erinnern wir Sie noch einmal daran, bevor wir dann in die Ferien gehen. Eigentlich hätte ich mir gewünscht, dass wir die letzten Tage des Jahres mit harmloseren Meldungen füllen können – mit Charity-Aktionen, Kinderchören, Plätzchen backenden Bürgermeistern. Doch dann überlagerte eine Meldung alles andere. Sie betrifft zwar nicht Hamburg direkt, aber darüber hinwegzugehen würde sich falsch anfühlen. Am Bondi Beach in Sydney haben am Sonntag mindestens zwei Angreifer auf mehrere Menschen geschossen. Zum Beginn von Chanukka, dem jüdischen Lichterfest, hatten sich vor allem Familien an dem Strand versammelt. Es gab 16 Tote und mindestens 40 Verletzte, die Ermittler gehen von einem gezielt antisemitischen Angriff aus. Wer dahintersteht, ist bisher nicht klar, ein Bekennerschreiben oder dergleichen lag gestern Abend noch nicht vor. Diese Tat hat sich zwar viele Tausende Kilometer entfernt abgespielt, dennoch geht sie einem sehr nahe – wegen der Brutalität, der Willkür und, ja, weil Antisemitismus auch hier eine Realität ist. Auch in Hamburg hat sich die Bedrohungslage zuletzt verschärft, jüdisches Leben ist hier nur mit hohen Sicherheitsvorkehrungen möglich. Der scheidende Antisemitismusbeauftragte Stefan Hensel sagte erst im Oktober im Gespräch mit uns (Z+), er erhalte so viele Hassnachrichten, dass er sie kaum noch erfassen könne. Nun wird auch in Hamburg in den nächsten Tagen Chanukka gefeiert, unter anderem lädt die jüdische Gemeinde am 21. Dezember zu einem Fest an der Reesendammbrücke am Jungfernstieg ein – und bis dahin wird dort an jedem Abend ein Licht entzündet. Auch wenn die Nachrichten aus Sydney gerade schwer auszuhalten sind und vieles überschatten: Allen, die hier Chanukka begehen, wünsche ich sichere, friedliche Tage. Kommen Sie gut durch die Woche, Ihre Annika Lasarzik WAS HEUTE WICHTIG IST Der Hamburger Schauspieler Rolf Becker ist im Alter von 90 Jahren in einem Hospiz in Hamburg gestorben. Becker wurde durch Rollen im Theater, Film und Fernsehen bekannt – zuletzt als Rentner Otto in der ARD-Serie In aller Freundschaft. Neben seiner künstlerischen Arbeit engagierte er sich zeitlebens politisch und sozial, etwa für Geflüchtete und gegen das Vergessen der NS-Vergangenheit. Am Freitag ist der Annemarie Dose Preis 2025 verliehen worden, erstmals gemeinsam vom Verein MenscHHamburg und der Hamburger Tafel. Zwei Gruppenpreise gingen an das Projekt Hege Helping Hands, das Kinder aus Zuwandererfamilien beim Deutschlernen unterstützt, sowie an die Initiative Wir sind Wir – Inclusion in Sailing, die Segelerfahrungen für Kinder mit Behinderung ermöglicht. Einen Einzelpreis erhielt Svenja Weber vom Dialoghaus Hamburg für ihren außergewöhnlichen Einsatz in einer schwierigen Phase nach der Pandemie. Benannt ist der Preis nach Annemarie Dose, die 1994 die Hamburger Tafel gründete. Seit diesem Sonntag (14. Dezember) gilt der neue HVV-Fahrplan. Das Nachtbusnetz wurde neu zugeschnitten, mehrere Metrobuslinien fahren nun rund um die Uhr, und neue Angebote wie eine Expresslinie zum Osdorfer Born kommen hinzu. Im Regionalverkehr fallen wegen der Generalsanierung der Strecke Hamburg–Berlin über Monate Verbindungen aus, unter anderem der RE nach Schwerin und der RE83. Zudem erhöht der HVV im kommenden Jahr seine Tarife im Schnitt um 5,4 Prozent; das Deutschlandticket kostet ab 2026 monatlich 63 Euro. In aller Kürze • Hamburg testet derzeit am Heiligengeistfeld ein neues Ampelsystem, bei dem Busse und Einsatzfahrzeuge in Echtzeit Daten an die Signalanlagen senden, sodass Ampeln verlässlich früher auf Grün schalten können – das Projekt kostet rund 68 Millionen Euro und soll bis 2030 auf etwa 2.000 Busse und 600 Ampeln ausgeweitet werden • In der Innenstadt haben am Samstag Tausende Menschen für eine generelle Überprüfung rechtsextremer Parteien durch das Bundesverfassungsgericht demonstriert; die Initiative "Prüf" will künftig jeden zweiten Sonnabend bundesweit protestieren • Beim Hamburger BSW ist erneut ein Machtkampf eskaliert, denn Landeschef Konstantin Graf zu Eulenburg hat seinen Rücktritt erklärt und wirft der früheren Bundestagsabgeordneten Żaklin Nastić einen "destruktiven und zersetzenden" Einfluss auf den Landesverband vor AUS DER HAMBURG-AUSGABE "Hallo? Hallo? Ich höre dich nicht mehr!" Viele Menschen in Hamburg klagen über schlechten Handyempfang, uns erreichten mehr als 150 Beschwerden. Dies sind 23 Erfahrungsberichte aus dem Funkloch. Die Protokolle hat ZEIT-Redakteurin Viola Diem zusammengestellt; lesen Sie hier einen Auszug. Wandsbek "Als mir Freunde 2012 berichteten, dass es in Hamburg Funklöcher gebe, habe ich es nicht geglaubt. 2022 zog ich her und weiß nun, es stimmt. Sobald ich mit dem Handy in die Küche laufe, war es das mit dem Empfang. Ich kann zu Hause ausschließlich an einem bestimmten Punkt im Wohnzimmer telefonieren: auf dem Sofa. Allerdings sollte ich mich auch dort nicht allzu viel bewegen, was dazu führt, dass ich für viele Telefonate in derselben Position verharre. Inzwischen besitze ich ein Festnetztelefon, was meinen Radius in der Wohnung vergrößert." Theresa Hertrich Eimsbüttel "Wir haben in unserer Wohnung immer nur ein bis zwei Balken, telefonieren im Wohnzimmer ist schwierig, in der Küche geht’s. Bei der Arbeit, in einer Schule in Lurup, habe ich aber gar keinen Empfang." Anonym Barmbek-Nord "Durch diese verzweifelten Wanderungen durch meine Zweizimmerwohnung an der Alten Wöhr und Telefonate auf dem Balkon kennen meine Nachbarn vermutlich alle Details meiner Familien- und Freundeskreise." Sandra Herz Wellingsbüttel "Wir scherzen schon: Wellingsbüttel, das Ende der Welt! Der Empfang im Stadtteil ist gruselig. Telefonieren geht häufig nur unter freiem Himmel unter bestimmten ›Satellitenbahnen‹." Andreas Hackethal Ottensen "Wenn ich in meiner Wohnung mit dem Handy telefoniere, verstehen meine Gesprächspartner und ich nur einzelne Wörter oder Silben voneinander. Und das, obwohl ich den Funkmast sehen kann. Privatgespräche führe ich darum meist per WhatsApp." Mechthild Tammen Was unsere Leserinnen und Leser z. B. aus Hausbruch, Langenhorn oder Sülldorf berichtet haben , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de . DER SATZ "Jeder zusätzliche Tiefgaragenplatz, jeder Heizkörper, jeder Zentimeter Beton- oder Dämmschicht machen ein Wohnhaus ein bisschen teurer. Die Stellplatzpflicht verteuert den Neubau sogar um zehn Prozent." ZEIT-Redakteurin Caterina Lobenstein ist mit Christian Fröhlich – gelernter Maurer, studierter Ingenieur und Geschäftsführer eines mittelständischen Bauunternehmens – über eine Baustelle gelaufen, um zu verstehen, warum Neubaumieten so horrend sind. Das liegt auch daran, dass es die Deutschen gern übertreiben DAS KÖNNTE SIE INTERESSIEREN "Wie frei ist die Kunst?" lautet der Titel einer Veranstaltung der Akademie der Künste, bei der Sonja Anders (Intendantin des Thalia Theaters), Dramaturgin Sofie Boiten (Ödipus Exzellenz) und Marie Johannsen (Intendantin des Landestheaters Neuss) über die Lage der Kunstfreiheit diskutieren. Anlass ist unter anderem die Absage der Osnabrücker Inszenierung Ödipus Exzellenz – eine Entscheidung, bei der sich die Frage stellt, ob kirchlicher Druck eine Rolle spielte. Im Fokus stehen der Umgang mit politischen Anfeindungen und die Frage, wie sich Kunstfreiheit heute verteidigen lässt. Der Abend wird von Regisseur Helge Schmidt moderiert. "Wie frei ist die Kunst?", 16.12., 19 Uhr; Akademie der Künste, Klosterwall 23; Eintritt frei, um Anmeldung wird gebeten über info@fadk.de oder telefonisch 040/32 46 32 MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Zwei Frauen, beide weißhaarig, hören in der U1 Richtung Ohlsdorf aus dem Lautsprecher: "Achtung, eine wichtige Durchsage. In den U-Bahnen ist das ... (unverständliches Wort) ... verboten." – "Was bitte ist verboten? Das Vögeln?" – "Nein, das Betteln!" Gehört von: Lutz Rehkopf Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. 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