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20.01.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Dienstag – mit flammenden Protesten gegen das iranische Regime, Schmierereien an Helmut Schmidts Grab und guten Absichten zur Mobilität der Zukunft

Liebe Leserin, lieber Leser, wenn Sie ein Instagram-Konto haben, dann erzähle ich Ihnen im Folgenden nichts Neues, andernfalls aber schon: Zurzeit sehen sich viele Menschen veranlasst, Fotos von sich aus dem Jahr 2016 zu teilen. Die meisten schreiben darunter einen kleinen Aufsatz darüber, wie ihr Leben damals aussah – was sie beschäftigte, womit sie ihre Zeit verbrachten, was gut lief und was nicht und, besonders interessant, was aus all diesen Dingen wurde. Viele Leute, das fällt auf, sahen vor zehn Jahren bemerkenswert frisch und ausgeschlafen aus, andererseits wirken fast alle heute viel mehr bei sich. Ich erinnere mich in Bezug auf 2016 vor allem an eine Frage, die langsam, sehr langsam in mein Bewusstsein sickerte und die sehr viel naiver klingt, als sie sich anfühlt: Wie kann es sein, dass in einer Welt, in der es als erstrebenswertes Ziel gilt, ein guter Mensch zu sein, so oft und immer öfter die Rüpel gewinnen? (Keine Ahnung, an wen Sie gedacht haben beim Lesen des Wortes "Rüpel", aber ja, klar, genau den meine ich.) Allzu häufig gewinnen die Rüpel aber nur, weil die Nicht-Rüpel sie gewinnen lassen, manchmal aus Freundlichkeit, bisweilen aus reiner Ignoranz. Allzu oft ist das Rüpeltum sogar systemimmanent. Als Teilnehmer des für seine Zügellosigkeit berühmten Hamburger Straßenverkehrs passiert es mir beispielsweise in ansteigender Häufigkeit, dass vor mir fahrende Fahrer urplötzlich den Warnblinker setzen, stehen bleiben und aussteigen, mitten in der Spur, um irgendwas zuzustellen, abzuholen, auszuladen, was weiß ich. Alle folgenden Fahrzeuge müssen sich nun auf eine andere, ebenfalls volle Spur bemühen, mitunter auch in den Gegenverkehr, und um das warnblinkende Fahrzeug herumquälen. Klar, das Warnblink-Parken mag verboten sein. Machen aber alle, geht nicht anders, jaja – das sind dann so die Ausreden. And the winner is… tja. Ich bin sicher, die für Verkehrsregeleinhaltungsüberwachung zuständige Innenbehörde arbeitet schon an einem wirksamen Hebel gegen die Macht des Stärkeren. Bis der greift, bleibt mir nur der Appell: Don’t be a Rüpel in a Rüpel world. Just don’t. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Florian Zinnecker Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de . WAS HEUTE WICHTIG IST Das Grab des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt und seiner Frau Loki auf dem Friedhof Ohlsdorf ist erneut mit Hakenkreuzen beschmiert worden. Bereits im Dezember 2023 hatte es eine ähnliche Tat an dem Grab der beiden gegeben. Die Hakenkreuze, die Beamte zwischenzeitlich mit gelber Farbe übersprühten, werden von Steinmetzen entfernt. Helmut Schmidt (SPD) war von 1974 bis 1982 Bundeskanzler. Er starb im November 2015, seine Ehefrau bereits 2010. Die Städte Berlin und Hamburg vertiefen ihre Zusammenarbeit bei Mobilitätsthemen. Die Hauptstadt soll der sogenannten Metropol-Modellregion Mobilität beitreten, die bislang nur zwischen dem Bund und der Hansestadt bestand. Das Projekt dient etwa der Entwicklung des autonomen Nahverkehrs und klimafreundlicher Mobilität, zudem soll der Austausch zwischen Bund, Ländern, der EU-Kommission sowie zwischen Wirtschaft und Wissenschaft vereinfacht werden. Im Prozess um die Entführung der Block-Kinder will das Landgericht Hamburg heute ein weiteres Mal den mutmaßlichen Chef der Kidnapper befragen. Es ist bereits der fünfte Verhandlungstag, an dem der 68-Jährige als Zeuge erscheint. Der Geschäftsführer eines israelischen Sicherheitsunternehmens soll die Entführung der beiden jüngsten Block-Kinder aus Dänemark in der Silvesternacht 2023/24 organisiert und durchgeführt haben. Er ist in dem Fall auch Beschuldigter und wurde bis vor einigen Wochen mit Haftbefehl gesucht. Für seine freiwillige Aussage sicherten ihm die Ermittlungsbehörden sicheres Geleit zu. In aller Kürze • Im Elbtunnel ist noch bis heute Abend um 18 Uhr je einer der drei Fahrstreifen beider Richtungen gesperrt . Grund dafür ist ein Warnstreik-Aufruf der Gewerkschaft Ver.di an alle Hamburger Landesbeschäftigten, zusätzlich wird die Betriebszentrale des Elbtunnels bestreikt • Nach dem Zusammenstoß einer Lok und eines Busses im Stadtteil Wilhelmsburg, bei dem eine 19-jährige Frau starb und sechs weitere Personen verletzt wurden, sucht die Polizei nun mit einem Aufruf nach Zeugen • Das Miniatur Wunderland soll noch in diesem Jahr seine erste Achterbahn bekommen. Eine realistische Geschwindigkeit zu erzeugen, sei dabei die größte Herausforderung gewesen, sagte Wunderland-Gründer Gerrit Braun THEMA DES TAGES Um das Regime zu treffen, brannte der Koran Weil sie an einer drastischen Protestaktion vor der Blauen Moschee in Hamburg teilnahmen, stehen zwei Exil-Iraner vor Gericht. Sie berufen sich auf die Meinungsfreiheit. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Gerichtsreport von Elke Spanner. Wie viele Menschen bereits bei den aktuellen Protesten gegen das Regime im Iran starben, kann niemand genau sagen. 5.000 Tote gibt es bisher nach Angaben des islamischen Regimes, 16.000 nach Aussagen der Opposition. Von Leichenbergen ist die Rede, von Hinrichtungen, von den sogenannten Revolutionsgarden, die plötzlich das Feuer auf friedliche Demonstrierende eröffnet haben sollen. Und während all das geschieht, sitzen die Iranerin Jasmin M. und der Iraner Reza K. am Montagmorgen in Hamburg vor Gericht. Sie ist 36 Jahre alt, er ist 75. Beide sind in Hamburg im Exil. Sie sind vor Jahren nach Deutschland geflohen, um ihr Leben zu retten, wie sie sagen. Ihren Protest gegen das totalitäre Mullah-Regime haben sie hier in Hamburg fortgesetzt. Das hat sie jetzt als Angeklagte vor das Amtsgericht Hamburg-St. Georg gebracht. Jasmin M. und Reza K. waren im August 2022 bei Protesten vor der sogenannten Blauen Moschee an der Außenalster dabei. Träger des Gotteshauses war das Islamische Zentrum Hamburg (IZH). Der Verfassungsschutz stufte es bereits seit Jahrzehnten als islamistisch ein, auch als Außenstelle des Regimes im Iran. IZH-Funktionäre sollen direkte Weisungen aus Teheran erhalten haben. Aus all diesen Gründen wurde das IZH später, im Juli 2024, verboten und die Moschee geschlossen. Genau das hatten die Demonstrierenden damals bei ihrer Aktion verlangt. Während in der Blauen Moschee rund 3.500 Gläubige beteten, protestierten rund 20 Iranerinnen und Iraner vor der Tür. Es gab mehrere Redebeiträge. Dabei rissen einzelne Demonstrierende Seiten aus einem Koran heraus und verbrannten sie. Jasmin M. und Reza K. sollen das nicht selbst getan haben, werden aber von der Staatsanwaltschaft für die Verbrennung mitverantwortlich gemacht. Angeklagt sind sie wegen des Paragrafen 166 im Strafgesetzbuch, der verkürzt gesagt die Gotteslästerung bestraft. Wer "Glaubensbekenntnisse beschimpft und dadurch den öffentlichen Frieden stört", dem drohen demnach bis zu drei Jahre Gefängnis. Ihre Anwälte schütteln über diesen Vorwurf den Kopf. "Das iranische Regime legitimiert mit dem Koran die Ermordung Tausender Gegner", sagt Rechtsanwalt Matthias Wisbar. "Und dieses diktatorische Regime wird jetzt durch die deutsche Justiz vor Kritik geschützt." Wie das Verfahren für die Angeklagten ausging, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de . DER SATZ "Glück hängt zu 20 Prozent von den Voraussetzungen ab, die dir bei Geburt mitgegeben werden, zu 30 Prozent kommt es auf deine Umgebung und die Menschen um dich herum an, und zu 50 Prozent auf das, was du tust oder lässt." ZEIT-Kulturkorrespondent Volker Weidermann machte sich in einer ZEIT-Titelgeschichte auf die Suche nach dem Glück – und ging die Sache mal anders an als üblich . DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Das 17. Märchenfest des Märchenforums Hamburg ist von der Ausstellung Katzen! im MARKK inspiriert. Märchen von Naschkatzen, Tigern und verliebten Katern erwachen zum Leben und werden an unterschiedlichen Orten im Museum erzählt. Die Besucher sind herzlich eingeladen, sich als Katzen zu kostümieren. Der Tänzer und Künstler Salah Zater präsentiert zwischen 12 und 16 Uhr eine interaktive wandelnde Katzen-Performance. Sonntag, 25. Januar, ab 10.30 Uhr; Museum am Rothenbaum, Rothenbaumchaussee 64 MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Mit einem meiner Schutzbefohlenen fahre ich mit der S21 Richtung Altona. Draußen ist alles voller Schnee. Ich möchte einen Witz machen und sage: "Es hat aber doll geschnitten." Darauf der Lütte (4): "Ja, Schneitwetter!" Gehört von Angela Wolter Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .