Zeit 10.02.2026
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Die Stadt mit Kinderaugen sehen


Die Elbvertiefung am Dienstag – Mit einem gefährlichen Trend, einer Warnung für Busreisende und der Frage, ob Wohnungstausch in Hamburg funktioniert.

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Die Stadt mit Kinderaugen sehen
Liebe Leserin, lieber Leser, da war die Bushaltestelle neben der Sporthalle. Im Sommer das Freibad. Und natürlich die Eisdiele, vor der wir betont lässig unter großen Sonnenschirmen saßen und den vorbeiknatternden Autoposern nachschauten. Ich bin in einer Kleinstadt in NRW aufgewachsen. Für uns Teenager gab es nicht viele Orte, an denen wir gern Zeit verbrachten. Im Winter waren die Möglichkeiten noch übersichtlicher – wir trafen uns bei irgendwem zu Hause, schauten Filme, spielten Gitarre oder Die Sims. (Sie merken: Meine Jugend war wild.) Als junge Lokalreporterin saß ich dann einmal in einer Stadtratssitzung, in der ältere Herren darüber berieten, wie man die Innenstadt schöner gestalten könnte. Es ging um Blumenkübel, frisch getünchte Fassaden und neue Straßenlampen. Alles gut und wichtig, doch weiter reichten die Pläne nicht. Von Fahrradständern, öffentlichen Toiletten oder der Idee, dass eine Innenstadt nicht nur für zahlende Kundschaft da sein könnte, war keine Rede. Heute ist das etwas anders. In der Stadtplanung wird nicht mehr nur aus einer Richtung gedacht – es wird zumindest öfter versucht, unterschiedliche Stimmen anzuhören. Im Urbaneo, dem jungen Architekturzentrum in der HafenCity, dürfen jetzt Kinder und Jugendliche ihren Senf dazugeben: Auf einem großen Touchtable, der gestern eingeweiht wurde, markieren sie Lieblingsorte oder Ecken, die sie eher meiden, und tragen ein, was sich wo ändern müsste. In Workshops bauen Schülerinnen und Schüler außerdem mit Legosteinen ihre Traumstadt – und nähern sich spielerisch der Frage, wie sie mal leben wollen. Ab Herbst 2027 wird die Stadtentwicklungsbehörde alle Wünsche, Sorgen und Ideen in einem Bericht zusammenfassen und an die Bürgerschaft übergeben. Und was kommen da für Ideen? "Wenn Kinder und Jugendliche uns hier in der HafenCity besuchen, heißt es oft: Es ist so grau und steril hier!", erzählte mir Urbaneo-Geschäftsführerin Judith Rädlein. "Viele wünschten sich mehr Grün in der Stadt und Freiflächen, die man gestalten kann, weil sie von den Erwachsenen noch nicht zubetoniert wurden." Auffällig sei auch, dass die Kinder nicht nur für sich planten: Viele wünschten sich mehr Unterkünfte für Obdachlose. So ein Projekt hätte ich mir früher gewünscht. Wäre doch schön, wenn die Ideen der Kinder nicht in Schubladen verschwinden. Über das Urbaneo hat mein Kollege Oskar Piegsa letztes Jahr hier geschrieben . Ein Besuch lohnt auch für Erwachsene! Kommen Sie gut durch den Tag. Ihre Annika Lasarzik WAS HEUTE WICHTIG IST Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Ratspräsident António Costa werden am 6. März als Ehrengäste beim traditionellen Matthiae-Mahl im Hamburger Rathaus erwartet. Das Fest gilt als weltweit ältestes noch gefeiertes Mahl und geht auf das Jahr 1356 zurück. Das Matthiae-Mahl 2025 kostete laut einer Anfrage der CDU-Fraktion mehr als 205.000 Euro. Insgesamt gab der Hamburger Senat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr über 1,6 Millionen Euro für Reisen und Empfänge aus. Die teuerste Reise: rund 170.000 Euro für die Delegation des Ersten Bürgermeisters nach Kanada und in die Partnerstadt Chicago. In Hamburg kommt es immer öfter zu Fällen von "Trainsurfing". Dabei fahren Menschen außen an U- oder S-Bahnen mit – etwa auf Kupplungen, Trittbrettern oder Dächern. Das ist lebensgefährlich und strafbar. 2025 wurden 81 Fälle gezählt, im Jahr davor waren es 22, heißt es in einer Senatsantwort auf eine AfD-Anfrage. Wegen eines ganztägigen Warnstreik-Aufrufs der Gewerkschaft Ver.di rechnen die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) am Mittwoch mit Einschränkungen im Busverkehr. Betroffen seien vor allem Linien im Hamburger Westen sowie in den Kreisen Pinneberg und Segeberg, teilten die VHH mit. Die Hamburger Containerrederei Hapag-Lloyd hat 2025 deutlich weniger verdient: Der Gewinn sank um mehr als 60 Prozent auf rund eine Milliarde Euro. Zwar transportierte die Reederei acht Prozent mehr Container, doch niedrigere Frachtraten und Umwege wegen der Angriffe im Roten Meer belasteten das Ergebnis. AUS HAMBURG Er hat noch Hunger Trump sei Dank: Die Komponistin Olga Neuwirth und die Schriftstellerin Elfriede Jelinek haben eine neue Oper zubereitet. "Monster’s Paradise", zu sehen in der Staatsoper , ist schrill und bitterböse. Lesen Sie hier einen Auszug aus der Rezension von Christine Lemke-Matwey. Was für ein Finale! Zum Lachen und Weinen schön. Zum Schreien kitschig. Poetisch, rührselig, rätselhaft. Romantische Kammermusik auf der zeitgenössischen Opernbühne? Man möchte sich die Ohren zustopfen und sie gleichzeitig sperrangelweit aufsperren. Nur um die Pianistin Elisabeth Leonskaja Schubert spielen zu hören, vierhändig an der Seite ihrer Kollegin Alexandra Stychkina, den Beginn seiner f-Moll-Fantasie, der mit seinen Punktierungen auf so gespenstische Weise an eine Totenglocke erinnert. Olga Neuwirth, die Komponistin des Opernfinales, überträgt die Fantasie auf ein so kunstreich präpariertes wie krass verstimmtes Klavier. Verbeult klingt das, verhauen, wie unter einer riesigen Schuttlawine begraben. Den passenden Schuttlawinensound liefert das Orchester, mit kakofonischem Poltern und Wabern. Schubert bleibt trotzdem immer hörbar. Denn offenbar ist es gar nicht so leicht, große Musik aus dem Menschheitsgedächtnis zu tilgen, nur weil ein paar hirnlose, machtlüsterne, kriegsgeile Idioten gerade behaupten, in der Welt das Sagen zu haben. Von diesen Idioten handelt Neuwirths neue Oper Monster’s Paradise , ihre siebte. Von Monstern wie Trump und Putin. Und von der Rolle der Kunst, der Musik in solch "entgleister" Wirklichkeit. Damit siedelt sich die 57-jährige Österreicherin in der Tradition eines politischen Musiktheaters der Moderne irgendwo zwischen Luigi Nono, Hans Werner Henze und György Ligeti an. Und bekennt sich doch zum Eremitinnen-Dasein. Das Komponieren als widerständigen Akt und damit sich selbst hat Neuwirth früh in ihre Werke mit eingeschrieben, nach guter feministischer Tradition – zuletzt in ihrer Grand Opéra Orlando nach Virginia Woolf in Wien oder auch in American Lulu (Berlin, 2012). In Monster’s Paradise treibt sie dieses Prinzip nun auf die Spitze, indem sie sich und ihre Librettistin, die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, indirekt mit auf die Bühne bringt, und zwar in doppelter Ausfertigung. Warum sich die 79-jährige Jelinek noch einmal zum Schreiben eines Operntextes bewegen ließ und welche Probleme die Inszenierung an der Staatsoper hat, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung der Kritik auf zeit.de → Zum Artikel (Z+) SCHON GELESEN? Und warum nicht einfach tauschen? Etliche Menschen leben schließlich in zu großen Wohnungen – und ökologischer wäre es auch. In Berlin geht das . → Zum Artikel (Z+) DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Die Jahresausstellung an der Hochschule für bildende Künste findet am kommenden Wochenende statt. Studierende präsentieren ihre Arbeiten aus dem vergangenen Jahr – von Skulpturen und Installationen über Malerei, Fotografie, Video- und Soundarbeiten bis zu Performances. Auch Designentwürfe und Filme stehen auf dem Programm. HFBK Jahresausstellung, Eröffnungsfeier am Donnerstag, 12.2., 19–22 Uhr; 13.–15.2., täglich 14–20 Uhr; Lerchenfeld 2 + 2A und Finkenau 42 MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Unsere Enkel sind zum Frühstück da. Opa legt ein Stück Harzer Käse auf sein Brötchen, worauf der Sechsjährige kommentiert: "Wie können Kühe so ekligen Käse machen?" Gehört von Ulrike Lang Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. 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