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18.12.2025
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Donnerstag – heute mit einer sehr teuren Flugreise, Neuigkeiten zur Elbbrücken-Sanierung und einem Blick auf ukrainische Weihnachten in Hamburg

Liebe Leserin, lieber Leser, heute wird es in Hamburg höchstens zehn Grad warm werden, der Himmel bleibt bewölkt, vielleicht beglückt uns noch ein leichter Nieselregen. Die nächsten Tage verhalten sich ähnlich grau, mit weihnachtlichem Schnee ist eher nicht zu rechnen, und weil diese Wetterverhältnisse für viele Anlass zur Gemütstrübung sind, möchte ich mit Ihnen heute einen Ausflug ins Warme machen. Zu Axel Möller. Möller lebt seit 20 Jahren auf der Insel Lombok in Indonesien. Er ist 74 Jahre alt und gebürtiger Lübecker, die meiste Zeit aber verbrachte er in Hamburg, hier war er Mitinhaber einer IT-Firma. Ich kenne ihn, weil er täglich diesen Newsletter liest und immer wieder schreibt oder schöne Bilder aus Lombok schickt. Bei ihm sagt der Wetterbericht heute: 30 Grad Celsius, vereinzelt leichter Regen, aber sonst sonnig. "Eine Jacke oder einen Pullover besitze ich gar nicht mehr – hier ist es einfach nie nötig", schreibt er. Möller lebt in einem Haus in den Bergen mit Blick auf die Meerenge "Lombok Strait" und schreibt: "Es gibt für mich nichts Schöneres, als zu sehen, wie die Sonnenstrahlen langsam das Meer überfluten, denn die Sonne geht hinter meinem Rücken auf, wenn ich nach Bali blicke." Wie es kam, dass er nun in Indonesien lebt, erzählt er so: Als seine Frau 1993 starb, war er vor allem für seine zwei Töchter da. 2001 wollte er ihnen die schönsten Orte der Welt zeigen, jene, die er selbst früher bereist hatte. So kamen sie nach Lombok, und Möller sagte zu seinen Töchtern: "Wenn ihr einmal groß seid, werde ich hier leben." Von da an überprüften sie jedes Jahr zu Weihnachten an einem roten Strich im Türrahmen, ob es schon so weit war. 2005 zog er um. Seine Töchter waren dann selbstständig, erzählt er, inzwischen haben sie selbst Kinder. Ab und an komme er zurück, etwa, um bei Umzügen zu helfen, aber viel mehr besuchten ihn seine Kinder und seine Enkelkinder inzwischen regelmäßig in Indonesien, über WhatsApp hielten sie ständig Kontakt. Hamburg hält Möller noch immer für die schönste Stadt der Welt. Und manchmal fehlt sie ihm auch – besonders das Schwarzbrot, mit dem er aufgewachsen ist. Aber zurück, sagt er, könnte er nicht. Er liebt die Menschen in Indonesien, ihre Freundlichkeit und ihren Mut, er liebt das Wandern mit seiner Hündin Zizzi durch die Berge. Er hat wieder geheiratet, mit seiner Frau zusammen organisiert er Fahrradevents. Indonesien ist sein Zuhause geworden. Hamburger Winter, sagt er, hat er immer mit Vorfreude auf schöne Tage überstanden. Er dachte dann an den Mai, "wenn das Licht zurückkehrt, die Bäume aufblühen und das Grau dem Grün weicht". Und noch einen Tipp für graue Tage hat er für uns: "Genießen Sie das Nichtstun – es gibt genug Ausreden, es zuzulassen." Ich wünsche Ihnen einen gemütlichen Tag! Ihre Maria Rossbauer WAS HEUTE WICHTIG IST Die Projektmanagementgesellschaft Deges hat die erste Ausschreibung für den Neubau der maroden Norderelbbrücke an der A1 gestartet. Um schneller handeln zu können, soll zunächst nördlich der bestehenden Brücke ein erstes neues Teilbauwerk entstehen, noch bevor das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen ist. Über diese neue Brücke soll der Verkehr später teilweise geführt werden, damit die alte Brücke abgerissen werden kann. Bis 2033/34 soll die neue Brücke komplett fertig sein. Die Hafenbehörde, die Polizei Hamburg und der Technologiekonzern Rheinmetall haben am Mittwoch eine Kooperation zur Drohnenabwehr im Hamburger Hafen vereinbart. Gemeinsam sollen Konzepte zur frühzeitigen Erkennung und Abwehr von Drohnen entwickelt und Erfahrungen ausgetauscht werden. Konkrete Beschaffungen oder Aufträge sind vorerst nicht vorgesehen. Hintergrund sind zunehmende Drohnenaktivitäten und die hohe sicherheitspolitische Bedeutung des Hafens. Die Hamburger Polizei hat eine neue Online-Kampagne gestartet, um junge Nachwuchskräfte zu gewinnen. Vorgestellt wurde die Kampagne unter dem Slogan "Mein Hamburg. Meine Polizei. Mein Beruf." gestern von Polizeipräsident Falk Schnabel. Zeitgleich demonstrierten vor dem Polizeipräsidium im Rahmen eines Aktionstages der Deutschen Polizeigewerkschaft mehr als 300 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes für höhere Einkommen und Zulagen. In aller Kürze • Zum Beginn der Weihnachtsferien rechnet der ADAC im Norden mit viel Verkehr und Staus, besonders an diesem Freitag sowie an mehreren Tagen bis zum Jahresende – unter anderem auf der A7, rund um den Hamburger Elbtunnel und auf den wichtigsten Strecken Richtung Nord- und Ostsee • Mehr als ein halbes Jahr nach dem tödlichen Brand im Hamburger Marienkrankenhaus hat das Landgericht Hamburg am Mittwoch entschieden, dass der als schuldunfähig geltende 73-jährige mutmaßliche Verursacher weiter in einer psychiatrischen Klinik bleiben muss – das Urteil ist noch nicht rechtskräftig THEMA DES TAGES Der Jet zurück kostete 150.000 Euro Ein Japaner hat auf einer Deutschland-Reise einen Schlaganfall. Monatelang liegt er in einer Hamburger Klinik, seine Betreuerin kämpfte für seine Rückkehr nach Hause. ZEIT-Autor Tom Kroll sprach mit ihr; lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview. Ein 88-jähriger Mann aus Japan reiste im April als Tourist nach Hamburg ein, allein. Dann erlitt er einen Schlaganfall und kam ins Krankenhaus. Dort fühlte sich lange niemand für ihn verantwortlich, der Mann hat kaum Angehörige – weshalb ein Gericht ihm eine Berufsbetreuerin zur Seite stellte: Anja Schoop. Seine Lage verschlechterte sich gravierend, am Ende blieb der Japaner acht Monate in Hamburg. Schoop ist wütend, dass alles so lange gedauert hat. Wir erreichen sie telefonisch. DIE ZEIT: Frau Schoop, wie geht es Ihrem Klienten? Anja Schoop: Sein Zustand hat sich über die Zeit verschlechtert. Durch den langen Aufenthalt im Krankenhaus hat er mehrmals eine Lungenentzündung bekommen. Er ist bettlägerig und bekommt Nahrung über eine Sonde verabreicht. Der Mann ist sehr freundlich und hat nie aufgegeben: Er sagte mir, er wolle unbedingt noch einmal sein Heimatland sehen, bevor er stirbt. ZEIT: Am Sonntag hat er mit einem teuren Ein-Personen-Spezialflug Hamburg verlassen. Ist er gut angekommen? Schoop: Ja, er hat den langen Flug gut überstanden und ist in einem stabilen Zustand im Zielkrankenhaus in Tokio angekommen. ZEIT: Wieso konnte der Mann nicht schon viel früher zurück? Schoop: Bevor ich darüber spreche, muss ich einmal ganz klar sagen: Das liegt auch an ihm selbst. Der Mann hatte seine Auslandskrankenversicherung nicht abgeschlossen. Ich rate jedem, der ins Ausland fliegt, es unbedingt zu tun. Denn dieser Fall zeigt, was passieren kann. Besonders ärgerlich war: Das Formular lag bei ihm in seiner Wohnung im Großraum Tokio auf dem Tisch, er hat es nur nie abgeschickt. Er hat auch kein Vermögen, um die teure Rückreise zu bezahlen, seine Angehörigen auch nicht. ZEIT: Die Kosten dafür trägt nun die Hamburger Sozialbehörde. Aber fangen wir ganz von vorne an. Wann kam er an? Schoop: Der Mann reiste im April als Tourist nach Hamburg ein. Er kam allein. Er hat kaum Verwandtschaft, nur eine Tochter, die in Australien lebt, und einen hoch betagten Cousin. Dass er allein kam, mag ungewöhnlich klingen, wegen seines hohen Alters. Aber der Mann war in seinem Leben viel unterwegs. Er arbeitete über 20 Jahre in New York bei einer Fluglinie. Hamburg hat er bereits als Tourist besucht. Er mag die Stadt gern und wollte noch einmal wiederkommen. Warum er ins Krankenhaus musste und wie es dann weiterging , lesen Sie in der ungekürzten Fassung auf zeit.de . DER SATZ "Vieles ist an den Feiertagen in Deutschland anders, als es die Geschwister aus der Ukraine kannten. Dort haben sie ihre Geschenke zum Beispiel immer erst am 31. Dezember bekommen, also an Silvester." Die Geschwister Zhenya, Vasyl, Tikhon, (in unserem Foto zu sehen) und Sima sind im Februar 2022 vor dem Krieg in der Ukraine nach Hamburg geflohen. In Deutschland feiern sie Weihnachten jetzt anders, sogar an einem anderen Tag. Ob sie sich hier zu Hause fühlen, beschreibt ZEIT-Redakteurin Anna-Elisa Jakob . DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Vom 19. bis zum 21. Dezember laden die Galerien im Galeriehaus Hamburg zum ARTvent ein. Die Gäste können an diesem Wochenende kleine Kunstwerke und Editionen entdecken. Die Mikiko Sato Gallery zeigt unter anderem Arbeiten von Yuki Yamamoto, Fotografien von Dirk Brömmel sind bei Kerstin Hengevoss-Dürkop zu sehen, Nanna Preußners und Carolyn Heinz zeigen bei "What makes you happy" Arbeiten von KünstlerInnen aus ihrem Programm. ARTvent, Galeriehaus, Klosterwall 13; 19.12. ab 18 Uhr, 20.+21.12. 13–18 Uhr MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Im Metronom von Hannover nach Hamburg. Umstieg in Uelzen. Die charmante Ansprache des Lokführers: "Alle Weiterreisenden nach Hamburg haben die Möglichkeit, sich den Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen genau anzusehen. Mit Café und viel Liebe zum Detail! Denn den Anschlusszug nach Hamburg erreichen wir leider nicht." Gehört von Karin Mieth Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. 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