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05.01.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Montag – mit Verzögerungen beim Hauptbahnhof-Umbau bis mindestens 2031, dem plötzlichen Abgang des HSV-Sportvorstands und andauerndem Winterwetter

Liebe Leserin, lieber Leser, während die Welt immer weiter aus den Fugen gerät und in Teilen Berlins der Strom ausfiel , war Hamburg in den vergangenen Tagen mit einer ganz anderen Frage beschäftigt: Wann hat es hier zuletzt so viel Schnee gegeben? Die Antwort lautet wieder mal: Kommt darauf an, wen man fragt – die Erinnerungen der Hamburgerinnen und Hamburger (zumal in verschiedenen Vierteln) unterscheiden sich, wie ich schnell festgestellt habe, nämlich fundamental. Ich bin mir nicht mal selbst einig, mir fällt als Erstes der Winter 2010 – oder war’s 2012? – ein, weil ich da hilflos in einer verschneiten Nebenstraße feststeckte (mit welchem Verkehrsmittel, sag ich nicht). Zu erwähnen wäre natürlich auch die große Gehsteigglätte aus dem Januar 2024, aber da war eher Eis als Schnee das Thema. Falls Sie sich in diesem Moment mit dem Gedanken ertappen: "Ha, 2010, 2024, das war ja gar nichts im Vergleich zu ..." – schreiben Sie mir an die unten stehende Adresse, ich zieh mich schon einmal warm an. Und behelfe mir einstweilen mit einem fröhlich-unscharfen "Das hab ich hier noch nie erlebt!" Mindestens bis zum Ende dieser Woche soll es in Hamburg winterlich-frostig bleiben, meldet der Deutsche Wetterdienst. Auch mit noch mehr Schneefall ist zu rechnen. Ich wünsche Ihnen ein gesundes, erfolgreiches und glückliches neues Jahr – und was immer Sie vorhaben: Kommen Sie gut durch! Ihr Florian Zinnecker Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de . WAS HEUTE WICHTIG IST Von Freitag an steht der unter dem Pseudonym "White Tiger" bekannt gewordene mutmaßliche Pädokriminelle in Hamburg vor Gericht. Der heute 21-Jährige soll der Kopf einer Gruppe von Cyberkriminellen gewesen sein, die aus sexueller Motivation heraus Kinder im Alter von 11 bis 15 Jahren im Internet zu Gewalt gegen sich selbst gezwungen haben. Ihm werden 204 Straftaten an mehr als 30 Kindern und Jugendlichen zur Last gelegt, darunter einen verübten und fünf versuchte Morde. Insgesamt sind bis Dezember 82 Verhandlungstermine anberaumt. Nach dem überraschenden Abschied von Sportvorstand Stefan Kuntz (rechts im Bild) beim Hamburger SV zeigt sich Trainer Merlin Polzin (l.) zuversichtlich, dass der Club gut mit der Situation umgehen werde. "Natürlich wird er fehlen", sagte Polzin, nachdem der Verein Kuntz’ Ausstieg mitgeteilt hatte. Aber der HSV sei für die Zukunft gut aufgestellt. Kuntz, 63, hatte zum 31. Dezember aus familiären Gründen um eine sofortige Beendigung seiner Tätigkeit gebeten. Unter seiner Führung war dem HSV die Rückkehr in die erste Fußball-Bundesliga gelungen. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. Zum 1. Januar haben alle Hamburger Gerichte und Staatsanwaltschaften die Papier-Akten abgeschafft und auf elektronische Datenverarbeitung umgestellt. Die E-Akte verändere die Arbeitsweise der Hamburger Justiz grundlegend und ermögliche einen noch stärkeren Einsatz von KI, erklärte Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne). Ferner könnten die Dokumente nun orts- und zeitunabhängig bearbeitet und ausgewertet werden. In aller Kürze • Von heute an sammelt die Stadtreinigung ausgediente Weihnachtsbäume ein • Der Senat will zum Jahreswechsel 2026/27 die Hundesteuer von 90 auf 120 Euro und die Zweitwohnungssteuer von acht auf zwölf Prozent der Jahresnettokaltmiete erhöhen, außerdem soll die Tourismustaxe um 25 Prozent steigen • Am Holzhafenufer in Moorfleet ist am Freitagabend eine Jacht gesunken . Aus dem Inneren des Bootes gelangte ein Wasser-Öl-Gemisch ins Hafenbecken, das Technische Hilfswerk bemühte sich, die Verunreinigung einzudämmen • Zwei mit einem GPS-Sender ausgestattete Störche aus Hamburg sind in Spanien aufgrund der Vogelgrippe verendet AUS DER HAMBURG-AUSGABE Können wir jetzt bitte anfangen? Neue Straßen, neue Brücken, neuer Hauptbahnhof: Der Senat will Hamburg fit machen, auch in der Hoffnung auf Olympische Spiele. Doch die Stadt hat mächtige Gegner. Allen voran die Bayern. Lesen Sie hier den Artikel der ZEIT-Redakteure Frank Drieschner, Christoph Heinemann und Annika Lasarzik. Anjes Tjarks steht auf den fleckigen Fliesen vor dem Hamburger Hauptbahnhof und spricht in eine Kamera, aber tja, etwas Neues über den Hauptbahnhof fällt dem grünen Verkehrssenator nicht ein. "Brechend voll, viel zu alt, viel zu eng, wir wissen’s alle." In diesen TikTok-Clip, gepostet am 11. November, sind Bilder vom Gedränge geschnitten: 540.000 Menschen nutzen den Bahnhof täglich, besser: Sie kämpfen sich durch. "Das kann so nicht bleiben", sagt Tjarks, schon deshalb, weil Hamburg im Jahr 2040 oder 2044 die Olympischen Spiele ausrichten will (Z+) . Bis dahin soll Hamburg fit gemacht werden. Schon heute lässt der Senat etliche Straßen, Wege, Schienen sowie S- und U-Bahnhöfe sanieren oder ganz neu errichten. Doch das soll nur der Anfang gewesen sein: Auf der Liste von Hamburgs Großvorhaben stehen nicht nur ein neuer Hauptbahnhof, sondern auch eine neue Köhlbrandbrücke im Hafen, neue Elbbrücken, ein neuer Fernbahnhof Diebsteich, eine längere S-Bahn-Linie 4, eine neue S-Bahn-Linie 6, die neue U-Bahn-Linie 5, eine Verlängerung der U4, eine neue Autobahn A26-Ost und, und, und. Soll all das rechtzeitig zu Olympia fertig werden – samt den benötigten Stadien –, brauche es einen "Bauturbo", sagt Verkehrssenator Anjes Tjarks im Video. "Top oder Flop?" Gute Frage. Denn nicht nur ist offen, ob die Hamburgerinnen und Hamburger Olympische Spiele in ihrer Stadt eigentlich wollen. Sondern auch, wie der große Umbau koordiniert werden soll – und ob er überhaupt stattfindet. Zuletzt gab es einige Rückschläge: Das Autobahnstück A26-Ost im Hafen wurde vorerst vom Bundesverwaltungsgericht gestoppt. Der neue Hauptbahnhof sowie andere Großprojekte stehen ebenfalls auf der Kippe. Hamburg wartet auf Zusagen aus Berlin zur Finanzierung, denn allein kann die Stadt sie nicht stemmen. Auch das Sondervermögen des Bundes über 500 Milliarden Euro für die Infrastruktur ändert daran wenig. Der Wettkampf mit anderen Bundesländern um die Mittel sei "aktuell ganz hart", heißt es im Rathaus – vor allem mit Bayern. Wie die Stadt in 15 Jahren aussehen könnte, falls die Umbauten doch gelingen , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de . DER SATZ "Ich finanziere das alles aus eigener Tasche. Für meine Show im vergangenen Jahr habe ich um die tausend Euro ausgegeben, und nach sechs Minuten war alles abgebrannt." Jacob Kaiser liebt Feuerwerk und investiert dafür jedes Jahr zu Silvester viel Zeit und Geld. Die Folgen für die Umwelt? Nicht der Rede wert, sagt er . DAS KÖNNTE SIE INTERESSIEREN Die beiden Publizisten Mathias Brodkorb ("Postkoloniale Mythen – auf den Spuren eines modischen Narrativs") und Dietmar Pieper ("Zucker, Schnaps und Nilpferdpeitsche. Wie hanseatische Kaufleute Deutschland zur Kolonialherrschaft trieben") diskutieren am Dienstag, 13. Januar, im Haus der Patriotischen Gesellschaft über die Rolle der Hamburger Kaufleute und Handelsunternehmen im Kolonialismus. Das Streitgespräch wird moderiert von Jana Werner. "Ein Thema – zwei Positionen: Deutscher Kolonialismus und postkoloniale Mythen", 13. Januar, 18 Uhr; Haus der Patriotischen Gesellschaft, Reimarus-Saal, Trostbrücke 6; Anmeldung bitte hier MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Zwei Jungs im 16er-Bus unterhalten sich über das Böllern. "Ich glaub, unsere Hühner würden Silvester am liebsten abhauen." – "Wo sollen die denn hin, nach Hennestrand?" Gehört von Barbara Maczijewski Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .