Zeit 15.01.2026
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Auf Olympia hofft man eher innerlich


Die Elbvertiefung am Mittwoch – mit dem nahenden Volksentscheid, einer neuen Debatte um die Elbphilharmonie-Plaza, und mit dem Regisseur Christoph Marthaler im Interview

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Auf Olympia hofft man eher innerlich
Liebe Leserin, lieber Leser, wir müssen ein bisschen leise sein, jedenfalls will der Senat noch keinen Lärm. In viereinhalb Monaten, am 31. Mai, stimmt Hamburg darüber ab, ob es sich um die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben will. Das ist, natürlich, eine große Sache, ich vermute: Wenigstens einmal haben sich Bürgermeister Peter Tschentscher und Innensenator Andy Grote (beide SPD) ausgemalt, wie das olympische Feuer im Volkspark entzündet wird, wie Jan Delay mit Udo Lindenberg dabei singt, "Wir machen das klar" und "Türlich, Türlich", während der Rivale Markus Söder in Bayern frustriert in eine Bratwurst beißt. Aber, psst, im Rathaus hört man auch: Nicht zu schrill, und nicht zu früh wolle man für diese Träume werben, übergroß vorgetragene Euphorie, so heißt es, könne beim Volksentscheid fatal wirken. Erst wenige Wochen vor dem Volksentscheid werde die Pro-Olympia-Kampagne deshalb in voller Fahrt sein. Womöglich ist das klug. Vor dem letzten Anlauf für die Spiele, vor fast genau zehn Jahren, sagten die Hamburgerinnen und Hamburger auch deshalb Nein, weil Politik und einige Medien schon die Ehrenrunde zu drehen schienen, bevor das Rennen gewonnen war. Auch diesmal ist die Lage allerdings knifflig. Bayern und Markus Söder etwa sehen sich nicht nur im Vorteil um die deutsche Olympia-Kandidatur, sondern sind es auch (Z+) . Um das aufzuholen, bräuchte der Senat ein klares Votum, aber es scheint eben alternativlos, siehe oben, nüchtern zu bleiben. Also argumentiert der Senat unter anderem: Wenn Hamburg die Spiele bekäme, flösse endlich mehr Geld des Bundes in die Stadt, etwa für einen neuen Hauptbahnho f . Reicht das, um zu überzeugen? Ich gebe zu, ich habe die olympischen Spiele 2024 in Paris wie ein Süchtiger verfolgt und war begeistert, aber während ich diesen Text schreibe, schwenke ich noch keine kleinen Hamburg-Olympia-Fähnchen. Die Gegner der Pläne, ein Bündnis mit dem Namen "NOlympia", beginnen bereits jetzt ihre Offensive. Meine Kollegin Annika Lasarzik war beim Auftakt einer Unterschriftensammlung dabei. Welche Punkte dieses Lager machen will und ob Sie das überzeugt, finden Sie heraus, wenn Sie etwas weiter nach unten scrollen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Christoph Heinemann WAS HEUTE WICHTIG IST Das Ziel von 10.000 neuen Wohnungen pro Jahr wird in Hamburg weiterhin verfehlt. Die Stadtentwicklungsbehörde teilte gestern mit: 6.734 Wohnungen seien 2025 genehmigt worden. Das sind 24 Wohnungen mehr als im vorigen Jahr. Die Stadtentwicklungssenatorin Karin Pein (SPD) betonte, der Negativtrend angesichts hoher Baukosten sei gestoppt. Der Zugang zur Plaza der Elbphilharmonie könnte künftig nun doch Eintritt kosten. "Das ist eine Diskussion, die wir gerade intensiv führen", sagte Kultursenator Carsten Brosda (SPD) im Interview mit NDR 90,3. Als Grund nannte er den Kostendruck. Das gesamte Geschäftsmodell der Elbphilharmonie sei seinerzeit darauf ausgerichtet gewesen, die Plaza zu bewirtschaften. Auch habe man nie garantiert, dass der Eintritt kostenlos bleibe. Hamburg treibt ein mögliches AfD-Verbotsverfahren voran. Die Bürgerschaft forderte den Senat mehrheitlich auf, sich für eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe einzusetzen, wenn die Einstufung der AfD als gesichert rechtsextrem gerichtlich bestätigt wird. Dem gemeinsamen Antrag der rot-grünen Koalition stimmten neben SPD und Grünen auch die Linken zu. In aller Kürze • Vier Mitarbeiter einer Bankfiliale Wandsbek sollen unberechtigt mehr als eine Million Euro von Kundenkonten ins Ausland transferiert haben. Den drei Männern und der Frau im Alter von 25 bis 41 Jahren wird vorgeworfen, zwischen Mai und August 2025 gewerbsmäßigen Computerbetrug begangen zu haben • Nach dem kurzfristig und wetterbedingt abgesagten Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen hat der HSV einen Teil des für das Spiel vorbereiteten Essens an Hilfseinrichtungen gespendet. Ob das kommende Spiel am Samstag im Volkspark stattfinden kann, ist noch unklar THEMA DES TAGES Ni cht dabei sein ist alles Hamburg hofft auf die Olympischen Spiele. Ganz Hamburg? Nein – jetzt haben die Olympia-Kritiker ihre Gegenkampagne gestartet. Lesen Sie hier einen Auszug aus der Reportage von ZEIT:Hamburg-Redakteurin Annika Lasarzik. Einen goldenen Schlüssel aus Pappe haben die Olympia-Gegner gebastelt, sie halten ihn auf ihrer Pressekonferenz vor die Kameras der Journalisten. Der Schlüssel soll ein Symbol des Widerstands sein – dessen Bedeutung man dann aber erst einmal erklären muss: "Mit der Olympia-Bewerbung übergibt Hamburg den Schlüssel für die Stadt an einen Eventveranstalter für Profisport", sagt Eckart Maudrich, Sprecher der Initiative NOlympia Hamburg. "Aber das machen wir nicht mit. Wir überlassen Hamburg nicht dem IOC!" Hamburg will sich erneut um die Austragung der Olympischen Spiele bewerben – für die Jahre 2036, 2040 oder 2044. Die Idee ist umstritten. Bereits 2015 scheiterte eine Olympia-Bewerbung der Stadt an einem Volksentscheid, bei dem sich eine knappe Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger gegen Spiele an der Elbe aussprach. Vor dem neuen Anlauf soll nun wieder abgestimmt werden: Für den 31. Mai ist ein Referendum geplant. Im Hamburger Senat gibt man sich zwar selbstbewusst, intern wächst jedoch die Nervosität. Nach der Niederlage beim Klimaentscheid fürchten mehrere Senatoren, dass ein weiteres verlorenes Referendum die politische Autorität des Senats insgesamt schwächen und die Stabilität der Regierung gefährden könnte. Nach der Erfahrung von 2015 will der Senat kein Risiko eingehen. 18 Millionen Euro investiert die Stadt in die Bewerbung, das Geld fließt in eine eigene Projektgruppe und eine groß angelegte Marketingkampagne. Angesichts solcher Summen wirkte der Auftakt der Gegenkampagne an diesem Dienstag recht unglamourös: Die NOlympia-Aktivisten haben in einen kleinen Raum im linken Kulturzentrum Centro Sociale im Schanzenviertel geladen. Die Wände sind mit Stickern beklebt, ein paar Stühle stehen im Raum, es gibt Kaffee aus der Thermoskanne. Was die Olympia-Gegner befürchten, und mit welcher Strategie sie ihre Kampagne aufstellen, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de . DER SATZ "Ich kann mir nicht vorstellen, dass etwas Gutes entstehen kann, wenn ich anfange, nervös herumzumosern." Christoph Marthaler ZEIT:Hamburg-Ressortleiter Florian Zinnecker sprach mit Regisseur Christoph Marthaler und seinem Dramaturgen Malte Ubenauf über die Welt im eigenen Kopf, Pilates und das Zusammenspiel von Ruhe und Unruhe. Das neue Stück "Die Unruhenden" (ab 15. Januar an der Hamburgischen Staatsoper) beschäftigt sich mit Gustav Mahler . DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN An den kommenden Wochenenden ist die Stiftung Historische Museen Hamburg zu Gast in der Millerntorwache. Mit dem Programm Artlovesyou Project lädt sie zu einem cineastischen Kiezrundgang durch St. Pauli ein: Kurzfilme eröffnen Blicke auf Reeperbahn, Hafen und Nachbarschaft. Nostalgische, schräge und nachdenkliche Episoden aus dem Archiv der Kurzfilm Agentur Hamburg zeigen ein vielschichtiges Bild des Stadtteils. Zu sehen ist das Programm jeweils freitags, samstags und sonntags. "Artlovesyou Project", bis 31.1.; Millerntorwache, Millerntorplatz; Fr+Sa 18–21 Uhr, So 17–20 Uhr; die Auflistung der Filme finden Sie hier MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Ein junger Mann telefoniert in der S-Bahn: "Alter, ich schwör, hier sind minus 8 Grad, ich bin in Atlantis!" Gehört von Katrin Ludwig Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .