|
12.02.2026
06:00 Uhr
|
Die Elbvertiefung am Donnerstag – mit Sabotage-Verdacht bei Blohm+Voss, einem antisemitischen Vorfall in Harburg und der Frage, warum Erste Hilfe am Hund wichtig ist.

Liebe Leserin, lieber Leser, bei Recherchen hören wir immer wieder denselben Satz. Im Handwerksbetrieb, der dringend Auszubildende sucht. In der Kita, der Erzieherinnen fehlen. In Pflegeheimen, die wegen Personalmangels Stationen schließen. "Wir würden ja einstellen!", heißt es dann. "Aber die Bewerber sollten Deutsch können." Sprachkenntnisse sind eben kein Detail, sie sind gewissermaßen die Eintrittskarte, um in Hamburg richtig anzukommen und sich ein neues Zuhause aufzubauen. Genau darum geht es bei Integrationskursen: Wer hier leben will, lernt dort nicht nur Deutsch, sondern auch, wie man sich im Alltag und Behördendschungel zurechtfindet, wie der Rechtsstaat funktioniert. Nun hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge entschieden, 2026 keine neuen freiwilligen Zulassungen zu Integrationskursen mehr zu erteilen. Wer nicht von der Ausländerbehörde zu einem Kurs verpflichtet wurde, bekommt keinen Platz mehr oder muss selbst zahlen. Bundesweit betrifft das rund 130.000 Menschen, und zwar nicht nur solche mit unklarer Perspektive, sondern zum Beispiel auch Ukrainerinnen und Ukrainer mit Aufenthaltsstatus, EU-Bürger und Geduldete mit Arbeitserlaubnis. Begründet wird dieser Schritt mit Sparzwängen, der Bundeshaushalt stehe unter Druck. In Hamburg sorgt das für erhebliche Unruhe. Die Senatorinnen für Bildung, Wirtschaft und Soziales sprechen von einem "fatalen Signal" für die Integration. Bildungsträger wie die Volkshochschule fürchten finanzielle Einschnitte, mussten schon die ersten Kurse streichen. Und die Stadt steht vor der Frage, ob sie später Lücken stopfen muss, die der Bund jetzt reißt. Wer an der Sprache spart, riskiert, dass Menschen keine Arbeit finden und umso länger auf Unterstützung angewiesen sind. Gleichzeitig fehlen genau diese Arbeitskräfte in einer Stadt mit akutem Fachkräftemangel. Allein für das Erreichen des Klimaziels müssen in den nächsten Jahren viele Hamburger Gebäude saniert werden, schon jetzt fehlen Handwerker. Was der Bund da macht, ist Zahlenkosmetik: Die Rechnung verschwindet nicht – sie wird einfach weitergereicht. Kommen Sie gut durch den Tag. Ihre Annika Lasarzik WAS HEUTE WICHTIG IST In der Bürgerschaftssitzung hat Präsidentin Carola Veit den Tod der 18-jährigen Fatemeh (genannt "Asal") am U-Bahnhof Wandsbek-Markt als "heimtückischen Mord" verurteilt. "Und auch wenn der Täter sein schwächeres, weibliches Opfer wohl nicht kannte, war es ein Femizid", sagte sie. Veit warnte vor überzogenen Reaktionen und forderte eine Prüfung der Behördenabläufe. Unbekannte haben das Wort "Jude" in den Briefkasten einer jüdischen Familie in Harburg geritzt. Landesrabbiner Shlomo Bistritzky machte den Vorfall am Dienstag auf der Plattform X öffentlich und zeigte sich besorgt. Die Familie will anonym bleiben. Online äußerten viele Mitgefühl, zugleich gab es unter dem Beitrag auch antisemitische Kommentare. Die Hamburgische Bürgerschaft hat sich für eine gestaffelte Zuckerabgabe auf Soft- und Energydrinks ausgesprochen. Der Senat soll sich dafür im Bundesrat einsetzen. SPD, Grüne und CDU stimmten zu, Linke und AfD dagegen. Die Linke hält die Abgabe für sozial ungerecht, weil sie Menschen mit wenig Einkommen stärker belastet. Hamburg fördert den Ausbau der E-Taxi-Flotte mit weiteren 700.000 Euro. Taxiunternehmer erhalten beim Umstieg vom Verbrenner auf ein E-Auto 5.000 Euro, für Großraumtaxis 10.000 und für E-Inklusionstaxis mit Rollstuhloption 20.000 Euro, teilte die Verkehrsbehörde mit. Bereits seit Anfang 2025 sind in Hamburg nur noch E-Taxis neu zulassungsfähig. Die Polizei ist am Mittwoch zu einem Großeinsatz nach Billstedt ausgerückt. Eine Zeugin hatte nahe der Förderschule an der Steinfeldtstraße eine Person mit Schusswaffe gemeldet. Spezialkräfte durchsuchten das Gebäude und nahmen einen Jugendlichen fest. Bei ihm fanden die Beamten eine Spielzeugpistole. AUS HAMBURG Sie wirkten wie ehrliche Handwerker Sie sollen Bundeswehrschiffe beschädigt haben, nun sitzen sie in Haft: Zwei Werftarbeitern werden schwere Sabotageakte vorgeworfen. Steckt wirklich Russland dahinter? Lesen Sie hier einen Ausschnitt aus der Analyse von den ZEIT-Redakteuren Kai Biermann, Christoph Heinemann und Hauke Friederichs. Es war offenbar ganz leicht, die Korvette Köln auszuknipsen. Am 26. Juni 2025 liegt das 89 Meter lange Schiff der deutschen Marine auf der Werft Blohm+Voss im Hamburger Hafen, ein Donnerstagnachmittag, an Bord finden Schweißarbeiten statt. Gegen 15.30 Uhr aber, so wollen es die Ermittler rekonstruiert haben, schleichen zwei Arbeiter in das Innere der Korvette. In einem der Technikräume befinden sich die wichtigsten Schalttafeln der Köln. Die beiden Männer legen mutmaßlich einen der Hebel um, der Strom im gesamten Schiff fällt aus, auch für die Kühlanlagen. Bald darauf überhitzt ein Kondensator. Ein anderer Arbeiter bemerkt noch rechtzeitig, wie Rauch aus einem Ventilator quillt, bevor ein Feuer an Bord ausbricht. Die Täter können zunächst fliehen, aber es gibt Videoaufnahmen von Bord. In der vergangenen Woche nun wurden sie verhaftet: Marian L., ein 37 Jahre alter Rumäne, und Naïm M., ein 54 Jahre alter Grieche. Sie schweigen zu den Vorwürfen, aber sollen nicht nur diesen, sondern weitere Sabotageakte verübt haben, über acht Monate hinweg, trotz verstärkter Sicherheitsmaßnahmen. Bloß warum? Was die Hamburger Generalstaatsanwaltschaft den beiden Männern vorwirft, klingt wie aus einem Handbuch für Sabotageagenten: Im Januar 2025 etwa sollen Marian L. und Naïm M. bei Blohm+Voss rund 25 Kilogramm Strahlkies in den Motorblock der Korvette Emden geschüttet haben. Wenige Wochen später schraubten sie mutmaßlich den Tankdeckel der Augsburg ab, schlugen im Februar 2025 bereits einmal auf der Köln zu und drehten dort Schrauben lose. Später schnitten sie auch Frischwasserleitungen auf der Lübeck durch. Betroffen waren somit ausschließlich die neuen Korvetten der Bundeswehr. Fünf solcher Schiffe wurden seit 2022 gebaut, alle bei Blohm+Voss in Hamburg für den Einsatz bei der Marine gerüstet. Aber einzig die Karlsruhe blieb, soweit öffentlich bekannt, bislang von Sabotageakten verschont. Bereits im Februar 2025 deutete Vizeadmiral Jan Christian Kaack an, dass Russland hinter den Taten stecken könnte: "Man testet uns", das sei die schlüssigste Erklärung für die unheimliche Serie. Welche möglichen Motivationen für die Sabotage denkbar sind , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) SCHON GELESEN? Mund-zu-Hund-Beatmung Erste Hilfe am Hund, ist das echt wichtig? Ja, denn so ein Kurs nützt nicht nur dem Tier. ZEIT-Redakteur Mark Spörrle hat seine Gedanken dazu aufgeschrieben. → Zum Artikel (Z+) DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Im Rahmen der Ausstellung "Mythos Superhelden – Von Herakles zu Superman" im Archäologischen Museum Hamburg gibt es am kommenden Sonntag für Klein und Groß die Möglichkeit, Fasching zu feiern. Bei der "Superhelden–Faschingsaktion" werden Maskenbasteln und Schminken angeboten, Detektive können ein Heldenabzeichen errätseln, und der Zeichner Jens Natter porträtiert Ausstellungsbesucher humorvoll als Superhelden. "Superhelden–Faschingsaktion", 15.2., 12–16 Uhr; Archäologisches Museum Hamburg/Stadtmuseum Harburg, Museumsplatz 2; wer im Kostüm kommt, erhält ermäßigten Eintritt . Die Ausstellung mit Begleitprogramm läuft bis zum 26.4. MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Donnerstagabend in der S1 Richtung Blankenese. Die Bahn fährt an, volle Fahrt, bremst ab, wird etwas schneller, bremst wieder ab. Der Lokführer meldet sich: "Liebe Fahrgäste, der Zug vor uns trödelt etwas, und deswegen muss ich immer mal wieder bremsen. Ihr Lokführer ist nicht besoffen, es liegt einfach an der betrieblichen Situation." Gehört von Irini Tavridis Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .