Zeit 08.12.2025
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Ach, Sie geben auch häufig ungefragt Ratschläge?


Die Elbvertiefung am Montag – mit Demonstrationen gegen das neue Wehrpflichtgesetz, einem siegreichen HSV und den Erkenntnissen des Schriftstellers Saša Stanišić

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Ach, Sie geben auch häufig ungefragt Ratschläge?
Liebe Leserin, lieber Leser, einer meiner Kollegen macht sich hin und wieder darüber lustig, dass ich gern ungefragt Ratschläge gebe. Wobei "gern" nicht ganz stimmt, es ist mehr so eine Art Reflex, manche nennen es auch Tipp-Tourette. Erzählt der Kollege etwa, er war am Vortag mit seiner Tochter am Elbstrand Övelgönne, sage ich, Mensch, in Wittenbergen ist es auch schön, da kannst du, wenn du früh dran bist, gut auf dem Parkplatz beim ehemaligen Fährhaus dein Auto abstellen, Essen musst du aber mitbringen, weil weit und breit kein Café. Wusste der Kollege alles schon selbst, ein derartiger Tipp ist also überflüssig, ganz klar. Aber ich kann nichts dafür, er ploppt einfach so aus meinem Gehirn heraus. Der Rat stand quasi schon in meinem präfrontalen Cortex bereit und auf sein Stichwort "Elbstrand" hin ist er gesprungen. Der Kollege ist übrigens Florian Zinnecker. Heute aber ist der Tag, an dem ich mal eine Lanze für mich selbst und für alle tippreflexgeplagten Leidensgenossen brechen will: Auch ungefragte Ratschläge gehen nur an Menschen, die man schätzt, genau wie deren Schuhe und Töchter, weshalb man ihnen von Herzen einen weniger hundekackelastigen Tag an der Elbe wünscht. Ich finde also, man sollte derartige Empfehlungen als Zeichen der Hochachtung werten, Florian. Pardon, ich meinte natürlich: liebe Leserinnen und Leser. Und außerdem: Ich habe einfach unglaublich viele gute Tipps am Start. Öffnen Sie mal die Banane an dem Ende ohne Stängel, geht viel besser. Trocknen Sie sich direkt in der Dusche ab, das tropft das Bad nicht voll. Lassen Sie über ein altes Brötchen etwas Wasser laufen, legen Sie es auf den Toaster, rösten Sie einmal von jeder Seite – schmeckt wie frisch. Jutebeutel an die Wand genagelt ergeben schicke Stoffregale. Dies nur als Auswahl. Aber wie ist das eigentlich bei Ihnen so? Haben Sie Ratschläge im Kopf, die Sie schon immer einmal anderen Menschen mitgeben wollten? Dann schicken Sie sie mir doch, ich würde sie gern hören! Die Tipps können jeglicher Natur sein, ein paar Zeilen an hamburg@zeit.de , Betreff "Guter Rat", genügen. Wir würden die Tipps gern sammeln und Ihnen hier wieder zur Verfügung stellen. Denn ich bin sicher: Da haben wir alle was davon. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihre Maria Rossbauer Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de . WAS HEUTE WICHTIG IST Beim gestrigen Spiel des HSV gegen den SV Werder Bremen in der ersten Fußballbundesliga kam es vor dem Anpfiff im Volksparkstadion zu gewaltsamen Auseinandersetzungen unter den Fans (Z+) . Noch sei unklar, wer genau die Beteiligten waren, teilte die Polizei mit. Rund 400 Bundespolizisten hatten sich am Spieltag um eine strikte Trennung der verfeindeten Fanlager bemüht, das Spiel hatte laut Polizei eine "hohe Gefährdungseinschätzung", blieb bis auf diesen Vorfall aber weitestgehend friedlich. Der HSV gewann mit 3:2. Außerdem spielte der FC St. Pauli am Wochenende nach neun Niederlagen in Folge 1:1 beim 1. FC Köln. Im Schuljahr 2024/25 erreichten 84,3 Prozent der Hamburger Viertklässlerinnen und Viertklässler am Ende mindestens das Schwimmabzeichen Seepferdchen, teilte die Schulbehörde mit. Das sind 0,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Hamburgs Bildungssenatorin Ksenija Bekeris wertet das als gute Nachricht. Langfristig will der Senat erreichen, dass zum Ende der Grundschulzeit 95 Prozent aller Schülerinnen und Schüler das Seepferdchen schaffen. Wer einen Kartenführerschein besitzt, der zwischen 1999 und 2001 ausgestellt wurde, muss diesen bis zum 19. Januar 2026 in einen EU-Kartenführerschein umtauschen. Nach diesem Stichtag verliert das alte Dokument seine Gültigkeit, bei einer Verkehrskontrolle droht dann eine Geldstrafe von 10 Euro. Termine dafür gibt es beim Landesbetrieb Verkehr. Diese aber seien laut einer Sprecherin aktuell sehr stark nachgefragt. Um einen fristgerechten Umtausch zu schaffen, rät sie, jeden Tag online nach kurzfristig frei gewordenen Terminen zu schauen. In aller Kürze • Eine Million Gäste besuchten laut Veranstalter den Winterdom auf dem Heiligengeistfeld , ähnlich viele wie im Vorjahr. Der Winterdom endete gestern, der Frühlingsdom soll im kommenden Jahr vom 20. März bis zum 19. April stattfinden • Ein Fußgänger bei Schenefeld ist in der Nacht von einem Auto erfasst und lebensgefährlich verletzt worden. Nach Angaben der Polizei wollte der junge Mann die Straße überqueren, als ihn ein herannahendes Auto frontal erfasste. Zur Klärung des Unfallhergangs ermittelt nun die Polizei • Ab dem 1. Januar 2026 werden die Einzel- und Tageskarten im HVV im Schnitt um 5,4 Prozent teurer. Die Steigerungen wurden mit der Inflation begründet, diese lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im vergangenen November bei 2,3 Prozent THEMA DES TAGES "Nicht gleich erschossen werden" Landesweit demonstrierten am Freitag Schülerinnen und Schüler gegen das neue Wehrdienstgesetz, rund 5.000 waren es in Hamburg. ZEIT-Redakteurin Anna-Elisa Jakob hat sie gefragt: Warum wollt ihr nicht zur Armee? Lesen Sie hier einen Auszug aus ihrer Reportage: Freitagmorgen um zehn vor dem Hamburger Hauptbahnhof, ein Handy klingelt, ein Junge geht ran, auf dem Display ein Mädchenname mit Herz. Sie sucht ihn offenbar, der Junge sagt: "Ja, also, hier sind so Schilder: Nato-freie Zone. Siehst du?" Sieht sie nicht, er geht sie suchen. Es ist auch ganz schön viel los vor dem Bahnhof. Landesweit demonstrieren an diesem Vormittag Schülerinnen und Schüler gegen das geplante Wehrpflichtgesetz. Vor dem Hauptbahnhof in Hamburg stehen am Rand der Demo vier zierliche Mädchen in dicken Daunenjacken, Lotte, Feli, Ella und Juno. Sie gehen in die 8. Klasse einer Realschule. Juno hat den Schulstreik auf TikTok entdeckt. Ihre Eltern wüssten Bescheid, klar, die fänden das gut, die von Ella und Lotte seien sogar auch hier. Okay, und warum stehen sie als junge Mädchen hier? Ella sagt: "Also, die Politiker sagen immer, in der Demokratie entscheidet man selbst, aber das mit der Wehrpflicht ist ja wie in einer Diktatur." So sieht das Lotte auch, weil man bei einer Wehrpflicht eben nicht selbst entscheiden darf. Sie selbst sei ja nicht betroffen, aber: "Ich hab einen älteren Bruder, und für den bin ich hier. Der schreibt heute nämlich eine Arbeit." Was die Schülerinnen und Schüler vom Wehrdienstgesetz halten, und wie man ihrer Meinung nach besser Freiwillige für die Bundeswehr finden könnte, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung des Artikels auf zeit.de . DER SATZ " Schuhe sollen vor nassen Füßen schützen und sich schnell anziehen lassen. " In der Serie "Was ich gern früher gewusst hätte" des ZEITmagazins verraten jede Woche Prominente, was sie erst spät begriffen haben. In dieser Folge, die Sie auch auf zeit.de lesen können , gibt dies der Hamburger Schriftsteller Saša Stanišić preis. DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Die DJs Staas’n’Stoke laden heute Abend zum vorweihnachtlichen Vinylabend "ADVENTurous" ein. In der Jupibar im Gängeviertel legen sie "Jazz & Grooves from around the world and beyond" auf. "ADVENTurous", 8.12., ab 20 Uhr; Jupibar im Gängeviertel, Caffamacherreihe 3 MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK An der Supermarktkasse wartet ein Herr mit allen möglichen Köstlichkeiten bis hin zu verschiedenen Toilettenartikeln im überbordenden Einkaufswagen. Vermutlich könnte man eine fünfköpfige Familie damit 14 Tage über die Runden bringen. Die Dame hinter ihm fragt: "Na, noch mal kurz los, um ein Stück Butter zu holen?" Er sagt: "Ja, aber Milch sollte ich auch mitbringen." Gehört von Annemarie Stoltenberg Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .