Zeit 04.06.2026
08:28 Uhr

Ehemaliger US-Präsident: Obama-Museum in Chicago steht kurz vor Eröffnung


In einem Betonturm im Süden Chicagos eröffnet am 19. Juni eine Ausstellung über Barack Obama. Gezeigt werden seine Laufbahn und wichtige Erfolge als US-Präsident.

Ehemaliger US-Präsident: Obama-Museum in Chicago steht kurz vor Eröffnung
Im Jackson Park in Chicago eröffnet bald ein neues Museum, das der Karriere des früheren US-Präsidenten Barack Obama gewidmet ist. Die in einem großen Betonturm untergebrachte Ausstellung zeigt Stationen aus dem Leben des US-Demokraten vor und nach seinem Aufstieg zum ersten Schwarzen Präsidenten der USA. Das interaktive Museum öffnet am 19. Juni und ist keine Präsidentenbibliothek im eigentlichen Sinn, wie sie viele seiner Vorgänger errichtet haben. Im Obama Presidential Center finden sich weder Bücherwände noch Archive voller Dokumente. Stattdessen thematisieren Infowände und Videos die Errungenschaften des 64-Jährigen – etwa die Gesundheitsversorgung Obamacare oder die Tötung des Al-Kaida-Terrorchefs Osama bin Laden. Besucherinnen können zudem durch ein nachgebautes Oval Office in Originalgröße gehen. Als Beispiel für Obamas diplomatische Bemühungen wird seine Rede aus dem Jahr 2013 vor dem Brandenburger Tor mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gezeigt. Niederlagen werden weniger thematisiert Fehltritte und umstrittene Praktiken aus der Amtszeit des Politikers, etwa das Abhören von Merkels Telefon, werden im Museum nicht gezeigt. Das Zögern Obamas mit einer Reaktion im Syrienkrieg nach einem Giftgaseinsatz in Damaskus wird so dargestellt, als ob der Verzicht auf einen Militärschlag allein am Kongress gelegen habe – dabei konnte sich Obama selbst nie dazu durchringen. Michael Strautmanis, Leiter Unternehmenskommunikation und Politik bei der Obama-Stiftung, sagte hingegen, dass seine Niederlagen thematisiert würden, etwa Obamas gescheiterte Versuche, die Waffengewalt im Land einzudämmen. Obama habe zwar die Richtung für das Museumskonzept vorgegeben und wolle Exponate prüfen, sagte Strautmanis. »Aber im Großen und Ganzen lässt er die Leute einfach ihre Arbeit machen.« Obama-Stiftung hofft auf wirtschaftliche Stärkung der Umgebung Auf dem rund 7,8 Hektar großen Campus finden sich neben dem Museum auch ein Forum, eine Mehrzweckhalle und ein Teil der öffentlichen Stadtbibliothek. Obama hat den Jackson Park als Standort bewusst ausgewählt: Seine Frau Michelle ist im Süden der Stadt aufgewachsen, das Paar hat dort geheiratet, die Töchter Malia und Sasha kamen in der Stadt zur Welt. Zudem unterrichtete Obama zwölf Jahre lang an der University of Chicago. In der South Side startete er seine politische Laufbahn, die ihn bis in das Amt als 44. Präsident der Vereinigten Staaten führte. Die Obama-Stiftung erhofft sich, dass der Campus der wirtschaftlichen Stärkung der strukturell schwachen Gegend mit hoher Kriminalitätsrate dient. Rund um den Jackson Park leben vor allem Afroamerikaner, viele davon unterhalb der Armutsgrenze. Zugleich befürchteten Bürger in den angrenzenden Vierteln, durch steigende Mieten verdrängt zu werden. Der Bau des Museums kostete nach Stiftungsangaben rund 850 Millionen US-Dollar (rund 730 Millionen Euro) und wurde über Spenden finanziert. Unter anderem unterstützten Amazon-Gründer Jeff Bezos sowie die Stiftung der Milliardäre Bill und Melinda Gates die gemeinnützige Organisation. Ursprünglich war die Fertigstellung laut der Chicago Tribune für 2020 oder 2021 geplant gewesen. Prüfungen durch Bundesbehörden und eine Klage von Park-Aktivisten verzögerten allerdings den Baubeginn um rund fünf Jahre. Mit dem Bau des Museums knüpft Obama an eine jahrzehntelange Tradition an: Seit Franklin Roosevelt ließen auch andere Präsidenten wie Harry Truman und George Bush Bibliotheken errichten. Alle früheren Stätten wurden nach Fertigstellung an die staatliche Archivbehörde Nara (National Archives and Records Administration) übergeben und von dieser organisiert. Die Nara bereitete auch die Watergate-Affäre rund um US-Präsident Richard Nixon in dessen Bibliothek für die Öffentlichkeit auf. Die Obama-Stiftung betreibt dagegen das Presidential Center selbst und lagert im Gegensatz zu früheren Präsidentenbibliotheken keine physischen Regierungsakten vor Ort, diese wurden digitalisiert. Kritiker sehen durch die Privatisierung die Gefahr für parteiische Einflussnahme bei der Kuratierung.