Zeit 09.12.2025
14:04 Uhr

EU-Lieferkettengesetz: Friedrich Merz bezeichnet abgeschwächtes Lieferkettengesetz als Erfolg


Bundeskanzler Merz hat den EU-Kompromiss beim Lieferkettengesetz begrüßt. Arbeitgeberpräsident Dulger sprach von einem "Meilenstein für den Bürokratieabbau".

EU-Lieferkettengesetz: Friedrich Merz bezeichnet abgeschwächtes Lieferkettengesetz als Erfolg
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und führende Wirtschaftsvertreter sehen die Einigung auf ein deutlich verwässertes EU-Lieferkettengesetz positiv. Das sei "ein großer Erfolg", sagte Merz. Arbeitgeberpräsident Dulger sprach sogar von einem "Meilenstein für den Bürokratieabbau". Europäische Regeln würden praxisnäher, es gebe weniger Berichtspflichten und der Mittelstand werde entlastet. Der Mittelstandsverbund, der Chemieverband VCI und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) begrüßten die Einigung ebenfalls. "Wichtig war uns, dass wir das für den ganz großen Teil der kleineren, der mittleren Unternehmen, auch der größeren, abschaffen. Für diese Unternehmen wird diese Richtlinie keine Rolle mehr spielen", lobte Merz den Kompromiss. Die Entwicklungsorganisation Misereor geht davon aus, dass in Deutschland nur noch rund 150 Konzerne betroffen sein werden. Die Initiative Lieferkettengesetz nannte die Einigung eine "massive Abschwächung". Von den Kernelementen, die das Gesetz zu einem wirksamen Schutz von Menschenrechten, Umwelt und Klima machen sollten , sei "nur noch wenig übrig". Kritik von SPD und Grünen Der SPD-Europaabgeordnete Tiemo Wölken sprach von einem schwarzen Tag für Europa. Menschenrechte und Klimaschutz seien "offenkundig nur noch billige Verhandlungsmasse". Ein Kompromiss mit den demokratischen Kräften des Parlaments "wäre möglich gewesen, scheiterte aber an der Erpressungstaktik der Konservativen". Die Grünen-Abgeordnete Cavazzini kritisierte den Kompromiss deutlich. "Die Konservativen im Europaparlament und die EU-Mitgliedsstaaten haben heute Nacht den letzten Nagel in den Sarg des EU-Lieferkettengesetzes geschlagen". Die CSU-Abgeordnete Angelika Niebler bezeichnet die Lösung dagegen als "größtes Entlastungspaket für Unternehmen, das es in der EU je gegeben hat". Keine Klagemöglichkeiten mehr, nur geringe Strafen In der Nacht zu Dienstag war im sogenannten Trilog aus EU-Kommission, Europäischem Parlament und EU-Mitgliedstaaten eine Einigung gefunden worden. Die EU-Unterhändler einigten sich darauf, dass die Regeln nur noch für die größten EU-Unternehmen gelten sollen, die mehr als 5.000 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von mehr als 1,5 Milliarden Euro haben. Ursprünglich waren als Grenze 1.000 Mitarbeiter und eine Umsatzschwelle von 450 Millionen Euro vorgesehen. Der Kompromiss sieht außerdem vor, die Strafen für die Nichteinhaltung auf drei Prozent des weltweiten Umsatzes der Unternehmen zu begrenzen. Zudem sollen Firmen, die gegen die Regeln verstoßen, auf EU-Ebene keiner zivilrechtlichen Haftung mehr unterliegen. Dadurch können Opfer von Menschenrechtsverstößen nicht mehr klagen . EU-Parlament muss noch zustimmen Umweltverbände und einzelne EU-Regierungen hatten vor einer Aufweichung gewarnt. Umgekehrt hatten die USA und Katar Druck gemacht, das Gesetz abzuschwächen. Die Einigung im Trilog ist noch nicht der endgültige Abschluss des Verfahrens. Das Europäische Parlament muss erneut zustimmen, was politischen Sprengstoff birgt. Denn im November hatte das Parlament seine Position zur abgeschwächten Variante nur mit einer Mehrheit aus Christdemokraten und rechten Parteien beschließen können . Normalerweise versuchen die Mitte-Fraktionen, eine Mehrheit zu organisieren. Allerdings wollte ein Teil der europäischen Sozialdemokraten nicht mitstimmen .