Zeit 27.01.2026
07:36 Uhr

EU-Handel: Indien und EU einigen sich auf umfassendes Freihandelsabkommen


Die Rede ist vom "Deal aller Deals": Die EU und Indien festigen ihre wirtschaftliche Partnerschaft. Zölle sollen deutlich sinken, auch auf Autos.

EU-Handel: Indien und EU einigen sich auf umfassendes Freihandelsabkommen
Die EU ‌und Indien haben sich nach fast zwei Jahrzehnten Verhandlungen auf ein umfassendes Handelsabkommen geeinigt. "Europa und Indien schreiben heute Geschichte", gab EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf der Plattform X bekannt. "Wir haben den Deal aller Deals abgeschlossen", schrieb sie. Das Abkommen gilt als strategischer Schritt beider ⁠Seiten, um sich angesichts ​der angespannten Beziehungen zu den USA wirtschaftlich breiter aufzustellen. Der indische Ministerpräsident Narendra Modi bezeichnete die ⁠Einigung als "Mutter aller Deals". Sie eröffne den 1,4 Milliarden Menschen in Indien und der Bevölkerung Europas große Chancen. "Erst der Anfang" Das Handelsabkommen ebnet den Weg für die Öffnung des bislang stark abgeschotteten ​ indischen Marktes für Unternehmen aus der Europäischen Union. Modi und der Leyen wollen die Details im Laufe des Tages ⁠auf einem Gipfel in Neu-Delhi offiziell vorstellen. Von der Leyen teilte mit, das Abkommen sei "erst der Anfang". Sie schrieb: "Wir werden unsere strategische Partnerschaft weiter ausbauen und stärken." Zölle sollen deutlich sinken Nach EU-Angaben sollen fast alle indischen Zölle auf Produkte aus der EU sinken. Die Zölle auf Autos sollen etwa schrittweise auf zehn Prozent reduziert werden, wie die EU-Kommission mitteilte. Bislang liegen die Zölle für Autos im Wert von weniger als 40.000 Dollar bei 66 Prozent, für teurere Autos gilt ein Aufschlag von 110 Prozent. Zehn Jahre nach Inkrafttreten des Abkommens sollen zudem die Zölle auf Autoteile ganz wegfallen. Zudem sollen indische Zölle auf Wein von 150 auf 20 Prozent sinken, jene auf Pasta, Olivenöl und Schokolade komplett wegfallen. Auch für Pharmaprodukte, Chemikalien und Landwirtschaftsprodukte sind niedrigere Abgaben geplant. Umgekehrt könnte Indien mehr Stahl, Medikamente und Textilprodukte in die EU liefern. Das Abkommen soll zudem Patenthürden abschaffen. Indien ist mit rund 1,4 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Erde und dürfte Schätzungen zufolge in diesem Jahr zur viertgrößten Volkswirtschaft aufsteigen – die EU will sich einen Zugang zu diesem riesigen Exportmarkt sichern. Bereits jetzt ist die EU größter Handelspartner. Erst vor kurzem Mercosur-Abkommen unterzeichnet Einige Agrarprodukte wie Rind-, Schweine- und Hühnchenfleisch sowie Reis und Zucker sind nicht Teil des Abkommens. In Europa ist die Vereinbarung deshalb deutlich weniger umstritten als etwa das Handelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Erst Mitte Januar hatte die EU mit ihnen ein Handelsabkommen geschlossen. Nach einer Abstimmung im EU-Parlament soll das Abkommen nun jedoch vom Europäischen Gerichtshof geprüft werden, wodurch sich sein Inkrafttreten voraussichtlich verzögern wird. Die EU bemüht sich weltweit um alternative Handelspartner. Zuletzt hatte US-Präsident Donald Trump mit seiner Zollpolitik für Schwankungen am Weltmarkt und Probleme in der europäischen Exportwirtschaft gesorgt.