Zeit 10.02.2026
11:10 Uhr

Dunkenfeldstudie zu Gewalt: Jeder Zweite hat als Minderjähriger körperliche Gewalt erfahren


In Deutschland ist die Hälfte der Menschen in der Kindheit von körperlicher Gewalt betroffen. Frauen erleben häufiger sexualisierte Gewalt – zeigen sie aber seltener an.

Dunkenfeldstudie zu Gewalt: Jeder Zweite hat als Minderjähriger körperliche Gewalt erfahren
Jeder zweite Mensch in Deutschland hat in der Kindheit oder Jugend körperliche Gewalt erfahren. Das zeigt eine repräsentative Studie der Bundesregierung. Demnach sind 51,7 Prozent der Männer als Minderjährige mindestens einmal geschlagen oder körperlich verletzt worden sowie 49,3 Prozent der Frauen. Von sexuellen Übergriffen in der Kindheit und Jugend waren demnach deutlich mehr Frauen (5 Prozent) betroffen als Männer (1,9 Prozent). Schläge in der Kindheit sind in Deutschland eigentlich durch das Bürgerliche Gesetzbuch ausdrücklich verboten. Die Bundesregierung hat eine Dunkelfeldstudie mit dem Titel "Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag" in Auftrag gegeben. Für diese wurden zwischen Juli 2023 und Januar 2025 bundesweit insgesamt 15.479 Menschen im Alter zwischen 16 und 85 Jahren befragt. Sie soll das Ausmaß von Gewalt in Deutschland erfassen, die nicht Gegenstand der jährlich veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) ist, da sie nicht angezeigt wurde. Die Studie wurde vom Bundeskriminalamt mit dem Bundesinnen- und dem Bundesfamilienministerium durchgeführt. Meistens sind Frauen Opfer von Gewalt – und die Täter zumeist Männer Der Studie zufolge werden Frauen deutlich häufiger Opfer sexualisierter Übergriffe als Männer. Den Angaben zufolge wurden 1,5 Prozent der Frauen und 0,2 Prozent der Männer in den vergangenen fünf Jahren Opfer einer Vergewaltigung. Täter sind laut Studie in den meisten Fällen Männer – gegenüber allen Geschlechtern. Während bei gegen Frauen gerichteten sexuellen Übergriffen die Täter zu 98,2 Prozent männlich sind, ist auch bei 33,7 Prozent der gegen Männer gerichteten sexuellen Übergriffe der Täter ein Mann. Frauen bringen der Studie zufolge sexualisierte Gewalt jedoch deutlich seltener zur Anzeige als Männer. Die Anzeigequote weiblicher Opfer liegt demnach bei drei Prozent. Männliche Opfer zeigen laut Studie in 14,5 Prozent der Fälle an. Sexuelle Belästigung in Form von unerwünschten Kussversuchen oder Berührungen sowie exhibitionistische Handlungen haben 14,5 Prozent der Frauen in den vergangenen fünf Jahren erlebt, zudem 4,6 Prozent der Männer. Während Männer derartige Formen von Belästigung oft durch Bekannte erleben (45,1 Prozent), sind es bei den Frauen häufiger Fremde (45,7 Prozent). Laut Studie haben 17,3 Prozent der Frauen und 18,8 Prozent der Männer solche unangenehmen Erlebnisse bereits einmal in ihrem Leben gehabt. Gewalt zumeist in der Partnerschaft Etwa 90 Prozent der körperlichen Gewalt ereignet sich laut der Studie innerhalb einer Partnerschaft. 8,4 Prozent der männlichen und 5,6 Prozent der weiblichen Betroffenen berichten zudem von körperlicher Gewalt nach Beendigung der Beziehung. Unterschiede gibt es auch bei der Art der Gewalt: Während betroffene Männer etwas häufiger als Frauen von einer leichten Ohrfeige berichten, geben Frauen häufiger als Männer an, getreten oder gestoßen worden zu sein. Den Ergebnissen zufolge erlebten zudem 23,8 Prozent der Frauen und 23,3 Prozent der Männer in den zurückliegenden fünf Jahren psychische Gewalt in Paarbeziehungen oder ehemaligen Paarbeziehungen. Schon einmal betroffen waren 48,7 Prozent der Frauen und 40,0 Prozent der Männer. Erfasst wurde hier emotionale, kontrollierende und ökonomische Gewalt. Menschen mit Migrationshintergrund sind den Angaben zufolge stärker von Gewalt durch Partner oder Ex-Partner betroffen als Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte. Unter den Menschen mit Migrationshintergrund haben demnach in den vergangenen fünf Jahren 7,6 Prozent der Frauen und 7,4 Prozent der Männer solche körperliche Gewalt erlebt. Von den Menschen ohne Migrationshintergrund waren 4,3 Prozent der Frauen und 5,6 Prozent der Männer betroffen.