Zeit 02.02.2026
11:18 Uhr

Dieselskandal: Zweiter Strafprozess gegen frühere Audi-Manager begonnen


Mehr als zehn‌ Jahre nach Bekanntwerden des Dieselskandals beginnt für vier frühere Audi-Manager die Hauptverhandlung. Ihnen wird unter anderem Betrug vorgeworfen.

Dieselskandal: Zweiter Strafprozess gegen frühere Audi-Manager begonnen
Vor dem Landgericht München hat ein zweiter Strafprozess gegen frühere Manager der Volkswagen-Tochter Audi ‍wegen des Dieselskandals begonnen. Angeklagt sind die früheren ​Entwicklungsvorstände Ulrich Hackenberg und Stefan Knirsch ‌sowie zwei weitere leitende Ingenieure. Der Skandal war erstmals im September 2015 öffentlich geworden. Bei dem Abgasbetrug ging es um millionenfache Manipulationen, mit denen die Einhaltung gesetzlicher ⁠Abgaswerte vorgegaukelt wurde. Die Staatsanwaltschaft wirft den vier Angeklagten Betrug ⁠durch Abgas-Manipulationen an Hunderttausenden Autos ​der Marken Audi, Porsche und Volkswagen vor. Damit hätten sie sich auch der Falschbeurkundung und ⁠der strafbaren Werbung schuldig gemacht. Die Angeklagten haben die Vorwürfe zurückgewiesen. Milliardenschaden durch manipulierte Abgaswerte Der frühere Audi-Chef Rupert Stadler und zwei Ingenieure waren 2023 in München nach Geständnissen wegen Betrugs zu Bewährungsstrafen und Geldauflagen verurteilt worden. Audi hatte als Konzerntochter die Dieselmotorenentwicklung verantwortet und spielte damit eine zentrale Rolle im Abgasskandal. 2015 gab Volkswagen unter Druck der US-Umweltbehörde EPA zu, Abgaswerte durch eine Software manipuliert zu haben, die Stickoxid-Grenzwerte nur auf dem Prüfstand einhielt, nicht aber im Straßenverkehr. Millionen Fahrzeuge in den USA und Europa waren betroffen, der Schaden für Kunden, Volkswagen und Aktionäre ging in die Milliarden . Nach wie vor laufen Verfahren vor mehreren Gerichten. Ein Strafprozess gegen den früheren VW-Chef Martin Winterkorn wurde aufgrund seines Gesundheitszustands vorläufig ausgesetzt . Münchner Justiz will Verfahren diesmal schneller führen Bei dem nun beginnenden Prozess gegen die vier ehemaligen Audi-Manager will die Münchner Justiz versuchen, die offenen Strafverfahren zu beschleunigen. Vor Prozessbeginn wurden zwei Anklagen gestrichen. Ein Teil der Betrugsvorwürfe wurde fallen gelassen und zwei Angeschuldigte kamen nach Geldauflagen oder Bewährungsstrafen frei. Die verbliebenen Anklagen gegen vier Ingenieure, darunter zwei ehemalige Vorstände, sollen zu Prozessbeginn verlesen werden und Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidiger wollen anschließend hinter verschlossenen Türen über mögliche Deals sprechen. Eine Einigung wird aber zunächst nicht erwartet, die Gespräche sollen möglicherweise am kommenden Montag noch fortgesetzt werden. Der Vorsitzende Richter Andreas Bayer hat 50 Verhandlungstermine bis Ende Oktober angesetzt, erste Zeugen sind ab 2. März geladen. Die Komplexität der Abgasreinigung und interner Unternehmensentscheidungen hatte frühere Verfahren stark verzögert, von den dort gewonnenen Erkenntnissen wollen die Juristen nun profitieren.