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14.01.2026
10:28 Uhr
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In den Vorständen großer Unternehmen in Deutschland sind Frauen nach wie vor die Ausnahme. Das DIW sieht in der jüngsten Entwicklung ein Warnsignal.

Frauen sind in den Vorständen der größten deutschen Unternehmen weiterhin deutlich in der Minderheit. Lediglich rund 18,6 Prozent aller Vorstandsposten bei den 200 umsatzstärksten Unternehmen des Landes, ohne Berücksichtigung des Finanzsektors, waren im Herbst 2025 weiblich besetzt, zeigt das aktuelle Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Das waren 0,5 Prozentpunkte weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Nur im Finanzsektor, der in der Studie gesondert betrachtet wurde, stieg der Anteil. "In den 100 größten Banken ging es um gut einen Prozentpunkt auf knapp 22 Prozent nach oben", schreiben die Autorinnen und Autoren. "In den 60 größten Versicherungen stand nach einem Anstieg in ähnlicher Größenordnung unter dem Strich ein Frauenanteil in Vorständen von etwas mehr als 21 Prozent." Insgesamt habe sich das Wachstum beim Anteil von Frauen auf Vorstandsposten damit erstmals seit Jahren deutlich verlangsamt. In vielen Fällen sei dies aber nicht auf eine sinkende Zahl von Frauen in Vorständen zurückzuführen, sondern auf einen im Vergleich zum Vorjahr stärkeren Zuwachs männlicher Vorstandsmitglieder, schrieb das DIW. Das DIW-Managerinnen-Barometer ist die größte regelmäßige Auswertung zur Repräsentation von Frauen in Spitzengremien in Deutschland. In die aktuelle Analyse flossen Daten von mehr als 500 Unternehmen ein, darunter die 200 umsatzstärksten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors, die 160 Dax-Unternehmen sowie die 100 größten Banken, 60 Versicherungen und über 70 Unternehmen mit Bundesbeteiligung. Frauenanteil im Dax-Management wächst nicht "Noch ist unklar, ob wir es mit einer kurzfristigen Delle oder dem Beginn einer längeren Stagnation beim Frauenanteil in Spitzenpositionen zu tun haben", teilte Katharina Wrohlich, Leiterin der DIW-Forschungsgruppe Gender Economics, mit. "Klar ist aber: Die jüngste Entwicklung ist ein Warnsignal, dass Fortschritte bei der Gleichstellung in Führungspositionen kein Selbstläufer sind", sagte sie. Auch bei den Vorstandsvorsitzen der 200 größten Unternehmen stagnierte der Frauenanteil. Nur 7,3 Prozent aller Chefposten waren der Studie zufolge im vergangenen Jahr von Frauen besetzt. Es gab keine Veränderung im Vergleich zum Vorjahr. Betrachtet man die 40 Konzerne im deutschen Leitindex Dax allein, stagniert auch hier der Frauenanteil, zeigt eine Studie der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar) mit Stand 1. Januar 2026. Sowohl der Frauenanteil in den Aufsichtsräten (39,6 Prozent), als auch der in den Vorständen der Dax-Konzerne (25,3) blieb gegenüber dem Vorjahr fast unverändert. Mit Blick auf die vergangenen 20 Jahre zieht das DIW eine positive Bilanz. Seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2006 sei der Frauenanteil in den obersten Gremien von Unternehmen deutlich gestiegen. Damals habe der Anteil von Frauen in Vorständen bei lediglich 1 Prozent gelegen. Frauen in Führungspositionen können Stereotype abbauen Die Entwicklung der Frauenanteile in Führungspositione n ist nicht nur für die Zusammensetzung von Vorständen und Aufsichtsräten relevant, sondern sie wirkt darüber hinaus, wie eine weitere Studie im Rahmen des diesjährigen Managerinnen-Barometers zeigt. Untersucht wurde, wie Beschäftigte die Gerechtigkeit von Löhnen bewerten. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Gender-Gap: Die Befragten betrachteten im Durchschnitt niedrigere Löhne für Frauen als gerecht. Wurde innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren jedoch eine Frau anstelle eines Mannes ihre direkte Führungskraft am Arbeitsplatz, passten die Befragten ihre Einschätzungen an und die Gender-Gap in den als fair erachteten Löhnen sank, teilte das DIW mit. "Frauen in Führungsrollen können dazu beitragen, tief verankerte geschlechterstereotype Zuschreibungen aufzubrechen, indem sie etablierte Statusannahmen infrage stellen und als konkrete Vorbilder wirken", sagte Wrohlich. "Sie beeinflussen also nicht nur die Arbeit in den Gremien, sondern potenziell die Einstellungen und Erwartungen der gesamten Belegschaft."