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09.12.2025
11:35 Uhr
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Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sorgt sich um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Die Bundesregierung manövriere das Land "an den Abgrund".

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hat vor einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland gewarnt. "Die Bundesregierung treibt eine Politik auf Kosten der kleinen Leute voran, die das Land an den Abgrund manövriert", sagte Grimm der Augsburger Allgemeinen . Das Rentenpaket der Bundesregierung sei ein fatales Signal. Es treibe die Beiträge zur Rentenversicherung in die Höhe und gehe zulasten der deutschen Wettbewerbsfähigkeit und Wachstumschancen. "Schon 2029 sind wir in einer Situation, in der allein die Sozialausgaben, Zinslasten und die Verteidigungsausgaben die gesamten prognostizierten Einnahmen des Staates aufbrauchen", sagte Grimm, die als Mitglied des Aufsichtsrats von Siemens Energy tätig ist. Der Wirtschaft sei klar, dass deutliche Steuererhöhungen in Deutschland drohten, weshalb viele Unternehmen Standortverlagerungen ins Ausland prüften. Dies werde insbesondere die Normalverdiener in Deutschland treffen, während hoch qualifizierte junge Fachkräfte ebenfalls ins Ausland abzuwandern drohten. Anschluss an technologischen Fortschritt verloren Um dies zu verhindern, seien harte Reformen nötig. Doch diese seien für die jetzige Koalition noch schwieriger als für frühere Bundesregierungen. "Im Vergleich zu heute hatte es Kanzler Gerhard Schröder zu Zeiten der Agenda 2010 leicht", sagte Grimm. "Er musste nur die Wirtschaft wettbewerbsfähig machen, die Produkte waren ja gut", sagte sie. Heute stehe man jedoch vor der schwierigen Aufgabe, sich bei der Umsetzung von technologischen Entwicklungen erst wieder an die Spitze zu setzen. Deutschland habe aufgrund seiner früheren industriellen Erfolge und politischer Bedenken zu wenig auf Innovation im Hochtechnologiebereich gesetzt. "Ob Gentechnik, künstliche Intelligenz oder Nukleartechnik, man hatte überall Vorbehalte", sagte Grimm. Inzwischen wachse jedoch in der Industrie die Konkurrenz aus China, das technologisch stark aufgeholt habe . "Wir müssen uns wieder an die Spitze von technologischen Entwicklungen setzen, müssten eigentlich vor die Welle kommen", sagte die Ökonomin. In einer früheren Version dieses Textes fehlte die Information, dass Veronika Grimm Mitglied des Aufsichtsrat der Siemens Energy AG ist. Diese ist nun ergänzt.