Zeit 06.03.2026
06:48 Uhr

Deutsche Wirtschaft : Wirtschaftsverbände fordern von Bundesregierung mehr Mut bei Reformen


Aus Sicht der führenden deutschen Wirtschaftsverbände steht die deutsche Wirtschaft vor einem Kipppunkt. Es brauche deutlich mehr Mut und Veränderungen.

Deutsche Wirtschaft : Wirtschaftsverbände fordern von Bundesregierung mehr Mut bei Reformen
Führende deutsche Wirtschaftsverbände haben angesichts des fehlenden Wachstums in der Wirtschaft die Bundesregierung dazu aufgerufen, stärker auf Reformen zu setzen. In einer gemeinsamen Erklärung der Verbände BDA, BDI, DIHK und ZDH heißt es: "2026 muss zum Jahr der Reformen werden." Nach Ansicht der Verbände steht der Wirtschaftsstandort Deutschland so stark unter Druck wie selten zuvor in der Nachkriegsgeschichte. Aufgrund der jahrelangen Stagnation der Wirtschaft warnen sie deshalb vor einem Kipppunkt . In ihrer Erklärung nehmen sie die Bundesregierung in die Verantwortung: "Die deutsche Wirtschaft erwartet von der Politik deutlich mehr Mut zur Veränderung." Die Forderung kommt kurz vor einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz an diesem Freitag. Auf der Internationalen Handwerksmesse in München will Merz mit Vertretern der Spitzenverbände sprechen – darunter die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sowie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Steigende Belastungen für Betriebe Nach drei Jahren der wirtschaftlichen Stagnation wird auch für dieses Jahr kein Aufschwung in Deutschland erwartet. Damit haben den Verbänden zufolge die Belastungen für Betriebe und Beschäftigte "dramatisch zugenommen". Mit der Kanzlerschaft von Merz waren die Erwartungen unter den Wirtschaftsverbänden eigentlich gestiegen. Die Bundesregierung habe zwar in ihrem ersten Regierungsjahr wichtige Initiativen auf den Weg gebracht, um den Trend zu stoppen. "Die Maßnahmen reichen jedoch bei Weitem nicht aus, und viele Vorhaben stehen bislang nur als Ankündigung auf dem Papier", heißt es weiter. "Die wirtschaftliche Stimmung in Deutschland wird sich erst drehen, wenn es spürbare Veränderungen gibt, die bei den Unternehmen und Betrieben ankommen." Forderung nach Strukturreformen der Sozialsysteme Konkret fordern die Verbände eine Anhebung des Renteneintrittsalters – und dies noch in diesem Jahr. Außerdem wollen sie eine vorgezogene Senkung der Körperschaftsteuer sowie eine niedrigere Stromsteuer für alle Unternehmen und Verbraucher. Zudem kritisieren sie die Hürden der Bürokratie , die aus ihrer Sicht stärker abgebaut werden sollten. "Mit dem Tariftreuegesetz und dem Entgelttransparenzgesetz sind aktuell zwei Vorhaben auf dem Weg, die zu mehr Bürokratie für die Unternehmen führen werden", heißt es dazu im Verbandsbrief. Statt die ersten Schritte 2026 nur zu prüfen, solle mindestens die Hälfte des Ziels noch in diesem Jahr erreicht werden. Anfang des Jahres hatte Merz angekündigt, dass 2026 ein "Aufschwung- und Wachstumsjahr" werden solle. Die schwarz-rote Koalition hat dafür Kommissionen zu Reformen etwa in der Gesundheits- und Rentenpolitik eingesetzt. Zugleich zeichnen sich innerhalb der Koalition bereits Konflikte über die konkrete Ausgestaltung der Reformen ab.