Zeit 19.11.2025
08:59 Uhr

Deutsche Wildtier Stiftung: Rothirsch ist das Tier des Jahres


Vor Hermelin und Goldschakal: Die Deutsche Wildtier Stiftung hat den Rothirsch zum Tier des Jahres 2026 gekürt. Verdrängt aus Wiese und Feld, lebt er heute oft im Wald.

Deutsche Wildtier Stiftung: Rothirsch ist das Tier des Jahres
Der Rothirsch ist zum Tier des Jahres 2026 gewählt worden. In einer öffentlichen Onlineabstimmung der Deutschen Wildtier Stiftung setzte sich die Art gegen Hermelin und Goldschakal durch. Der Rothirsch komme in Deutschland zwar zahlreich vor und sorge dabei auch für Konflikte mit Land - und Forstwirtschaft , sagte Andreas Kinser, Leiter Natur- und Artenschutz bei der Deutschen Wildtier Stiftung. Zugleich stehe die Art aber vor großen Herausforderungen. Der Rothirsch lebt in Deutschland auf rund einem Viertel der Landesfläche, etwa 220.000 Tiere sind es insgesamt. Als Bewohner halb offener Landschaften bevorzugt er Wiesen und Felder mit einzelnen Gehölzen. Weil er dort zunehmend bejagt und verdrängt wird, weicht er häufig in Wälder aus, wo er täglich große Mengen Pflanzen frisst und so die Vegetation verändert. Die Tiere schaffen in diesen Rückzugsräumen kleine Lichtungen, die neuen Pflanzen und Insekten Lebensraum bieten. Ihr jährlich erneuertes Geweih dient Eichhörnchen und anderen Nagetieren als mineralstoffreiche Nahrung. Zudem verbreiten wandernde Hirsche Samen über weite Strecken und sorgen damit für ökologische Vernetzung. Stiftung fordert bessere Verbindung der Lebensräume Diese Wanderungen werden jedoch zunehmend durch Straßen, Bahntrassen oder künstlich begrenzte Lebensräume blockiert. In Baden-Württemberg etwa dürfen Rothirsche nur vier Prozent der Landesfläche besiedeln, auf dem Rest müssen sie laut Gesetz nahezu vollständig abgeschossen werden. Fachleute warnen, dass isolierte Populationen genetische Vielfalt verlieren. Populationsgenetiker sprechen bereits vom Beginn eines Aussterbeprozesses. Die Stiftung fordert, Lebensräume besser miteinander zu verbinden. "Das schaffen wir unter anderem, indem mehr Grünbrücken über Autobahnen gebaut werden und wandernde Tiere grundsätzlich nicht gejagt werden dürfen", sagte Kinser. Zwischen weit auseinanderliegenden Vorkommen müssten sich zudem kleine Populationen ansiedeln dürfen, "die als Trittsteine zur Vernetzung dienen". Nur wenn man dem Rothirsch wieder mehr Raum gebe, könne es gelingen, die Art langfristig in Deutschland zu erhalten. Mit der jährlichen Wahl des Tieres des Jahres setzt die Stiftung die langjährige Arbeit der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild fort. Bei der Wahl zum Tier des Jahres 2026 konnten neben Spenderinnen und Spendern erstmals auch alle Interessierten online abstimmen. Für den Rothirsch richtete die Stiftung zudem eine eigene Website ein, auf der sie über die Art informiert.