Zeit 22.01.2026
11:20 Uhr

Deutsche Bischofskonferenz: Wer folgt auf Bätzing?


Georg Bätzing gibt den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz ab. Was das für die katholische Kirche bedeutet – und wer das Amt übernehmen könnte.

Deutsche Bischofskonferenz: Wer folgt auf Bätzing?
Kommt jetzt der Kanzler-Kaplan? Kaum hat der glücklose Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK) Georg Bätzing am Montag angekündigt, auf eine zweite Amtszeit zu verzichten , richtet sich der Blick auf seine Nachfolge: Wird Bischof Udo Markus Bentz der neue erste Mann unter immer noch 20 Millionen Katholiken im Land – und damit der Bischof, zu dessen Gebiet das Sauerland gehört, die Heimat von Bundeskanzler Friedrich Merz, ebenfalls katholisch? Als der Kanzler vergangenes Jahr zur Amtseinführung des neuen Papstes Leo XIV. flog, zeigte das Gruppenfoto über den Dächern des Vatikans jedenfalls einen Mann in schönster Vertrautheit direkt neben Merz und dessen Ehefrau Charlotte: Im römischen Sonnenschein wirkte Heimatbischof Udo Markus Bentz wie der Hauskaplan von Familie Merz. Den Platz auf dem Dach des Campo Santo Teutonico, des traditionellen Stammplatzes der Deutschen innerhalb der Vatikanmauern, verdankte Bentz Merz’ persönlicher Einladung. Wie schon die anderen CDU-Vorsitzenden vor ihm legt der Kanzler Wert auf ein gutes Verhältnis zu den Kirchen, auch wenn sie heutzutage kaum mehr automatisch als Vorfeldorganisationen der Union durchgehen können. Bentz kennt sich mit Kirche und CDU gleichermaßen aus: Seine erste herausgehobene Stellung bekleidete er bereits ab 1998 als Privatsekretär des Mainzer Kardinals Karl Lehmann, eines engen Vertrauten des Pfälzer CDU-Kanzlers Helmut Kohl. An der Seite Lehmanns, der so lange wie keiner seiner Nachfolger der Bischofskonferenz vorstand, erhielt Bentz quasi ein Training on the Job. Nach Übungsjahren als Weihbischof in Mainz ab 2015 landete er 2024 auf dem Renommierposten eines Erzbischofs in Paderborn, einem der reichsten Bistümer europaweit. Prominentester Gast bei der Amtseinführung im Dom: Friedrich Merz. Udo Markus Bentz kommt keineswegs als einziger Nachfolger an der DBK-Spitze infrage, doch ihn zeichnet aus, was Georg Bätzing so schmerzhaft abging und was ihm womöglich die Freude auf eine zweite Amtszeit von sechs Jahren verdarb: ein Gespür für Macht und die Bereitschaft, ihre Nähe im Dienste seines Amtes auch zu suchen. Ein Cheflobbyist bei Kanzler und Kabinett zu sein, ist nicht die kleinste der Aufgaben, die ein Bischofskonferenz-Vorsitzender hat, in Zeiten des schrumpfenden Einflusses der katholischen wie evangelischen Kirchen zumal. So spielt sich der Dienst an der Spitze der deutschen Katholiken in einer Art Ellipse mit zwei Scheitelpunkten ab, die geografisch wie politisch gegensätzlich sind: Berlin und Rom, also neben dem Zentrum der Bundespolitik auch das Zentrum der Weltkirche, das durch den neuen, amerikanischen Papst Leo XIV. zusätzliches Gewicht erfährt. Bätzings Handicap bestand darin, dass er in keiner der beiden Metropolen gut vernetzt war und an beiden Orten wohl auch nicht gerne agiert hat. Er habe schnell Heimweh, meint jemand, der durchaus gut mit ihm zusammengearbeitet hat. Anders als viele Priester hatte Bätzing nie an einer Vatikan-Hochschule studiert, auch sonst blieb er im italienisch geprägten Kirchenstaat der Deutsche aus dem fernen Kleinbistum Limburg. Sein fehlendes Standing im Vatikan hat es dem Vorsitzenden unnötig schwer gemacht, dort sein Herzensprojekt voranzutreiben, eine stärkere Beteiligung von Laien an den Entscheidungsprozessen der Kirche. Dabei ist gerade für dieses zunächst innerdeutsch anmutende Thema die Einbindung Roms wichtig, wo man seit der Reformation vor 500 Jahren Alleingänge nördlich der Alpen immer mit der Sorge vor einer Spaltung der Una Sancta verfolgt, der einen heiligen römisch-katholischen Kirche. Der neue Papst bietet einem künftigen Konferenzvorsitzenden durchaus Chancen. Als relativ junger Pontifex hat Leo – gute Gesundheit vorausgesetzt – womöglich ein Pontifikat von zehn, fünfzehn oder gar zwanzig Jahren vor sich. Damit wird ihm mit einiger Wahrscheinlichkeit auch die Schlichterrolle im Zentralstreit des organisierten deutschen Katholizismus zukommen, bei der Frage also, wie viel Beteiligung und Entscheidungsmacht den einfachen Gläubigen in Zukunft zukommen soll. In einem mehrjährigen, mäandernden Aushandlungsprozess – dem sogenannten Synodalen Weg – versuchen seit 2019 Bischöfe und die Laienverbände des Zentralkomitees der deutschen Katholiken eine neue Beratungs- und womöglich Entscheidungsordnung zu definieren, neue Gremien inklusive. Weil das manchen konservativen Bischöfen zu weit geht, die ihren Alleinvertretungsanspruch für "all things catholic" gefährdet sehen, intervenieren und intrigieren sie immer wieder in Rom gegen den Synodalen Weg. Damit haben sie namentlich Georg Bätzing die Steuerung des Synodalen Wegs erschwert. Dass diese Riege der Dissidenten maßgeblich von zwei so kontroversen wie konservativen Gestalten vorangetrieben wird, macht die Lage auch für jeden künftigen Bischofskonferenz-Vorsitzenden nicht einfacher. Da ist zum einen der wegen Vertuschungsvorwürfen angeschlagene Kardinal von Köln, Rainer Maria Woelki, der bereits Papst Franziskus einmal seinen Rücktritt angeboten hat, den dieser aus rätselhaften Gründen bis zu seinem Tod weder angenommen noch förmlich abgelehnt hat. Darüber hinaus hat Woelki es vermocht, sich in Köln als dauerzänkischer Oberhirte mit weiten Teilen seiner eigenen Klientel zu überwerfen, vom Klerus über maßgebliche Teile der Laien bis zur führenden Qualitätszeitung am Bischofssitz, dem Kölner Stadt-Anzeiger . Den Rücken stärkt dem Kölner Kardinal der dynamische, manchmal charismatisch-fundamentalistisch anmutende Bischof des Provinzbistums Passau, Stefan Oster, dessen Karriere seit dem Tod des bayerischen Papstes Benedikt XVI. ins Stocken geraten ist. Von einer Mehrheit oder auch nur einem Vetoblock in der Bischofskonferenz scheinen die Dissidenten indes weit entfernt zu sein. Bätzings Verdienst war, dass er sich weder vom Intrigenstadel seiner bischöflichen Mitbrüder vom Kurs abbringen noch in Bann schlagen ließ von der oft nur rhetorischen Habacht-Warnung gegen jede innerkirchliche Demokratisierung, Rom werde sicher Bedenken haben.