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07.03.2026
15:15 Uhr
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Beschimpfungen, Beleidigungen, Bedrohungen: Zwei Drittel der Bahnbeschäftigten fühlen sich laut einer Umfrage zunehmend unsicher. Viele überlegen deshalb zu kündigen.

Jeder dritte Beschäftigte der Deutschen Bahn überlegt, wegen der zunehmenden Gewalt im Arbeitsalltag zu kündigen. Das hat eine Umfrage im Auftrag der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) unter ihren Mitgliedern ergeben, über die das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) berichtet. Die Befragung wurde vom Institut Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen durchgeführt. An der Umfrage nahmen mehr als 4.000 Beschäftigte teil. Zwei Drittel von ihnen fühlen sich bei der Arbeit zunehmend unsicher, die Hälfte hat eigenen Angaben zufolge bereits einen körperlichen Übergriff erlebt. 85 Prozent der Beschäftigten mit Kundenkontakt erlitten demnach bereits Beschimpfungen, Beleidigungen oder Bedrohungen. Die Umfrage bestätigt einen langjährigen Trend: Zwischen 2014 und 2023 hat sich die Zahl der Körperverletzungen gegenüber Bahnpersonal von 1.500 auf über 3.000 pro Jahr mehr als verdoppelt. Einen vorläufigen Höhepunkt markierte Anfang Februar der Tod eines Zugbegleiters : Ein Fahrgast ohne gültiges Ticket hatte den 36-Jährigen in einem Regionalzug bei Kaiserslautern so schwer verletzt, dass er wenig später an einer Hirnblutung starb. "Bald könnten massenhaft Züge und Busse ausfallen" Der stellvertretende EVG-Vorsitzende Kristian Loroch warnte gegenüber dem RND, die Gewalt bringe "das ganze System ins Wanken". Einen so massiven Personalverlust könne kein Unternehmen kompensieren. Wenn Bahnunternehmen und Politik das Problem nicht in den Griff bekämen, könnten bald massenhaft Züge und Busse wegen Personalmangels ausfallen. Die Beschäftigten wünschen sich laut Umfrage vor allem mehr Doppelbesetzungen in Zügen und zusätzliches Sicherheitspersonal. 61 Prozent fordern die Anwesenheit der Bundespolizei bei risikoreichen Fahrten. Unter Busfahrern ist der Ruf nach mehr Sicherheit besonders ausgeprägt: Neun von zehn wünschen sich Notrufoptionen, mehr geschützte Bereiche und Videoüberwachung. Sieben-Punkte-Plan soll Sicherheit erhöhen Nach dem Tod des Zugbegleiters hatte die Deutsche Bahn Mitte Februar einen Sicherheitsgipfel mit Gewerkschaftern sowie Vertretern aus Politik und Behörden einberufen. Beschlossen wurden unter anderem die Einstellung von 200 zusätzlichen Mitarbeitenden bei der DB Sicherheit, eine verbesserte Schutzausrüstung sowie eine engere Zusammenarbeit mit der Bundespolizei. Für Personal im Kundenbetrieb soll es einen Notfallknopf und Deeskalationstrainings geben. Auch die Ministerpräsidentenkonferenz befasste sich in der vergangenen Woche mit dem Thema: Die Länderchefs sprachen sich für einen flächendeckenden Einsatz von Videokameras mit Tonaufzeichnung aus. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) warb zudem dafür , das Deutschlandticket mit einem Passbild zu versehen, um Ausweiskontrollen überflüssig zu machen. Diese sind häufig Anlass für Übergriffe. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sprach sich dafür aus, nur noch stichprobenartig von größeren Mitarbeiterteams kontrollieren zu lassen.