Zeit 01.12.2025
19:22 Uhr

Deutsch-polnische Regierungsbesprechungen: Polen dringt bei Merz auf rasche Entschädigung für Weltkriegsopfer


Der Umgang mit den Folgen der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg ist immer wieder Thema. Jetzt gibt die Bundesregierung in Berlin Raubkunst an Polen zurück.

Deutsch-polnische Regierungsbesprechungen: Polen dringt bei Merz auf rasche Entschädigung für Weltkriegsopfer
Die Bundesregierung hat bei den deutsch-polnischen Regierungskonsultationen Kulturgüter an Polen zurückgegeben, die während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg gestohlen wurden. In Berlin erklärten beide Regierungen , dass sich Deutschland und Polen bemühten, "das schmerzhafte Kapitel der Vergangenheit zu schließen". Deutschland übergab 73 Pergamente aus dem Zentralarchiv für historische Aufzeichnungen in Warschau und den "Kopf des hl. Jakobus d.Ä.", wie die Bundesregierung mitteilte. Beide Länder würden anerkennen, dass es eine "nie endende Verpflichtung zur Lösung der Frage der Rückgabe von Kulturgütern gibt, die unrechtmäßig aufgrund von Besatzung oder Krieg verbracht wurden". Deutschland werde von den Nationalsozialisten geraubte Kulturgüter, die sich in deutschen öffentlichen Institutionen befänden, zurückgeben. Tusk fordert Merz zu schnelleren Entschädigungen auf Polen drängte Deutschland zudem zu einer schnelleren Entschädigung der noch lebenden Opfer der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Die Zahl der Lebenden geht laut Polens Ministerpräsidenten Donald Tusk immer weiter zurück. Als der damalige Kanzler Olaf Scholz im Juli 2024 diese Unterstützung versprochen habe, hätte es nach Angaben der Stiftung für deutsch-polnische Aussöhnung noch 60.000 lebende Opfer gegeben, sagte der polnische Regierungschef. Mittlerweile seien es noch 50.000. "Wenn wir hier nicht bald eine eindeutige und schnelle Erklärung bekommen, erwäge ich, im kommenden Jahr die Entscheidung zu treffen, dass Polen diese Bedürfnisse aus eigenen Mitteln befriedigt." Bundeskanzler Friedrich Merz blieb bei dem Thema unkonkret und nannte keine Summen. "Bitte gehen Sie davon aus, dass auch die ja von mir geführte Bundesregierung sich ihrer historischen Verantwortung gegenüber unserem Nachbarn Polen sehr bewusst ist und wir Gespräche auch weiter miteinander führen", sagte Merz. Der Umgang mit den dramatischen Folgen der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg ist immer wieder ein Thema in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Es stehen immer noch polnische Reparationsforderungen in Billionenhöhe für die damals angerichteten Schäden im Raum. Diese wurden zuletzt im September von Polens Präsidenten Karol Nawrocki bei seinem Antrittsbesuch in Berlin erhoben und von Merz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zurückgewiesen. Deutschland und Polen wollen bei Rüstung enger zusammenarbeiten Abseits davon vereinbarten Deutschland und Polen eine engere Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie . Die Verteidigungsminister der beiden Länder sollen im kommenden Jahr ein Verteidigungsabkommen abschließen, heißt es in einer Erklärung der Regierungskonsultationen. Beide Regierungen wollen auch in allen Bereichen der Sicherheit zusammenarbeiten und gemeinsame Projekte identifizieren: in den Bereichen Weltraum, Cyber, Luft, Land und zur See. Zwischen den Armeen der beiden Länder gibt es bereits gemeinsame Einheiten und Übungen, die verstärkt werden sollen. Unter der europafreundlichen Regierung von Tusk haben sich die Beziehungen zum Beispiel zu der US-Regierung von Präsident Donald Trump verschlechtert, weshalb Warschau jetzt offener für europäische Rüstungskooperationen ist. Deutschland und Polen verabredeten laut der Erklärung auch eine engere Wirtschaftspolitik. Außerdem sind der Ausbau der Verkehrsverbindungen zwischen den Ländern sowie eine stärkere Kooperation in der Energiepolitik geplant.