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13.01.2026
17:22 Uhr
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Der Reformvorschlag der SPD in Sachen Erbschaftsteuer stößt bei der Union und in der Wirtschaft auf Ablehnung. Unterstützung kommt von den Linken und Sozialverbänden.

Die Union bleibt bei ihrer ablehnenden Haltung zu den Erbschaftsteuerplänen der SPD . "Es geht darum, den Standort zu stärken", sagte Unions-Fraktionschef Jens Spahn in Berlin. Dies mache die Debatte über die Erbschaftsteuer nicht. "Sie wird zum falschen Zeitpunkt geführt." In Deutschland sehe man gerade erste Anzeichen von Wachstum. "Wir haben möglicherweise, wenn wir jetzt alles richtig machen, die Talsohle erreicht und kommen in einen Pfad des Wachstums", sagte Spahn vor der ersten Sitzung der Unionsfraktion in diesem Jahr. Eine solche Phase sollte man nicht mit zusätzlicher Verunsicherung belasten. "Genau das passiert durch eine solche Erbschaftsteuer-Debatte jetzt und zu diesem Zeitpunkt." Zuvor hatte schon der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Steffen Bilger, gesagt: "Für uns ist ganz klar: keine Steuererhöhungen. Steuererhöhungen wären schlecht, würden der Wirtschaft schaden und Wachstum behindern." Spahn und Bilger forderten, man solle erst einmal das für dieses Jahr erwartete Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaftsteuer abwarten. Wirtschaft übt Kritik, Linke und VdK für Reformpläne Auch von Wirtschaftsverbänden kam Kritik . "Finger weg vom Betriebsvermögen", forderte Handwerkspräsident Jörg Dittrich. Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Verbands Die Familienunternehmer, sagte: "Statt Betriebe zu entlasten und Investitionen zu fördern, droht die Partei in ihrem Konzeptpapier, den Unternehmen weitere Liquidität zu entziehen und Nachfolgen zu erschweren." Die Linke befürwortete die SPD-Pläne hingegen. "Die Erbschaftsteuer in ihrer jetzigen Form ist eine der ungerechtesten Steuern im Land", sagte Linksfraktionschefin Heidi Reichinnek. Drei Viertel der Milliardäre hätten ihr Vermögen ererbt. Doch gerade für große Vermögen gebe es Ausnahmen, die abgeschafft werden müssten. Einheitliche Regeln für alle Erbschaften wären das Minimum, meinte Reichinnek. Unterstützung erhielten die Sozialdemokraten außerdem vom Sozialverband VdK. Die Beteiligung von Erben großer Vermögen am Sozialstaat sei ein richtiger Schritt, um "die Finanzierung des Gemeinwesens gerechter zu gestalten und dauerhaft zu sichern", sagte Präsidentin Verena Bentele. Die Initiative der Sozialdemokraten sei ein wichtiger Impuls für die anstehende steuerpolitische Debatte. Der Steuerexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Stefan Bach, lobte die Vorschläge größtenteils. "Wenn man die Freibeträge auf eine Million Euro erhöht, halbiert sich die Zahl der Steuerpflichtigen und der Bürokratieaufwand sinkt damit kräftig. Zugleich sollen diese Freibeträge lebenslang gelten und sich nicht alle zehn Jahre erneuern wie bisher, was gerade viele Hochvermögende nutzen, um die Erbschaftsteuer zu umgehen ." Kleine und mittlere Unternehmen bis zu fünf Millionen Euro zusätzlich zu entlasten, sei sinnvoll. "Auf jeden Fall sollte man die Belastung bei Firmenübertragungen langfristig stunden und verrenten, damit sie aus dem Ertrag abgezahlt werden kann und die Unternehmen nicht in ihrer Existenz gefährdet sind." SPD plant Lebensfreibetrag und neue Regeln für Unternehmen Die SPD-Bundestagsfraktion hatte zuvor ein Konzept vorgelegt , wie eine Reform der umstrittenen Erbschaftsteuer aussehen könnte. Die Sozialdemokraten schlagen vor, Erben großer Vermögen höher zu besteuern. Ein genauer Steuersatz wurde nicht genannt. Der SPD-Plan sieht einen sogenannten Lebensfreibetrag von rund einer Million Euro vor. Davon sollen 900.000 Euro innerhalb der Familie steuerfrei vererbt werden können. Weitere 100.000 Euro sollen bei Schenkungen und Vererbungen von anderen Personen steuerfrei dazukommen. Nicht betroffen: ein selbst genutztes Eigenheim. Für die Vererbung von Unternehmen sieht das Konzept einen neuen Freibetrag in Höhe von fünf Millionen Euro vor. Darüber sollen demnach Steuern anfallen. Für Unternehmen mit Arbeitsplätze-Garantie sollen die Steuerzahlung auf bis zu 20 Jahre gestreckt werden können. Darunter liegende kleine und viele mittlere Unternehmen sollen steuerfrei übertragen werden können. Sogenannte Verschonungsregeln und die Zehn-Jahres-Grenze sollen wegfallen . Bislang gelten Freibeträge für Erbschaften und Schenkungen nämlich nur für einen Zeitraum von zehn Jahren – danach werden sie "auf null gesetzt" und erneuert. "Ziel ist mehr Chancengleichheit" Politikerinnen der SPD verteidigten ihr Konzept gegen Kritik. "In Deutschland werden jährlich zwischen 300 und 400 Milliarden Euro vererbt – steuerlich erfasst und besteuert werden momentan 9,2 Milliarden Euro ", sagte SPD-Fraktionsvizechefin Wiebke Esdar. Ziel sei, "dass wir für mehr Leistungsgerechtigkeit und mehr Chancengleichheit sorgen wollen." Anders als von Kritikerinnen und Kritikern behauptet, ziele die SPD für den Großteil der Betroffenen nicht auf Steuererhöhungen ab, hob die SPD-Finanzpolitikerin Frauke Heiligenstadt hervor. "Das ist mitnichten der Fall." Für viele Unternehmen und Menschen würde es auch bei Umsetzung des SPD-Konzepts keine Steuererhöhungen geben. Heute müssten die viel zahlen, die wenig erbten. "Wer viel erbt, zahlt gar nichts." Das sei nicht gerecht.