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07.12.2025
09:22 Uhr
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Die SED würdigte kommunistische Vertreter oder Parteifunktionäre mit Straßennamen. 35 Jahre nach der DDR fordert die Opferbeauftragte einen kritischeren Umgang damit.

Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke hat sich für die Umbenennung mehrerer Straßen ausgesprochen, die nach Wladimir Iljitsch Lenin und ehemaligen SED-Funktionären benannt sind. "35 Jahre nach der Wiedervereinigung sollte keine Straße mehr nach Lenin, Otto Grotewohl oder Wilhelm Pieck benannt sein", sagte die Bundesbeauftragte der Bild- Zeitung. Ein Straßenname sei ein Ausdruck von Würdigung der heutigen, demokratischen Gesellschaft. Dahingegen stünden Personen wie Lenin oder Vertreter der SED "für das Leid von Tausenden von Opfern". Umbenennung "richtiges Signal" Um sich von der SED-Geschichte zu distanzieren, wurden nach dem Ende der DDR viele Straßen in ostdeutschen Städten umbenannt, die bekannte Persönlichkeiten der Sowjetunion und des Kommunismus wie Josef Stalin würdigten. Bis heute gibt es jedoch Straßen, die etwa die Namen des russischen Revolutionärs Lenin oder der ehemaligen SED-Chefs Pieck und Grotewohl tragen. Zudem gibt es vereinzelt noch Straßen, die nach der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF) benannt sind. Die SED-Opferbeauftragte wünscht sich nun einen deutlich kritischeren Umgang mit diesen Straßennamen. Hierzu sehe sie vor allem die örtlichen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister verantwortlich. Es sei "im 35. Jahr der Deutschen Einheit das richtige Signal", die betreffenden Straßen etwa nach Persönlichkeiten umzubenennen, die in der DDR Widerstand geübt hätten. Revolutionäre und SED-Chefs Wladimir Iljitsch Lenin war ein russischer Revolutionär und Politiker . Er gilt neben Karl Marx und Friedrich Engels als einer der größten Theoretiker des Marxismus und begründete mit dem Leninismus eine wichtige Strömung des Kommunismus. Unter ihm wurde 1922 die Sowjetunion gegründet. In der Oktoberrevolution 1917 eroberten die von ihm geführten Bolschewiki die Macht in Russland und lösten die verfassungsgebende Versammlung gewaltsam auf, um eine russische Gesellschaft nach marxistischem Vorbild zu schaffen. Dabei kam es jedoch auch zu Einschränkungen der Meinungsfreiheit sowie der Verfolgung und Ermordung politischer Gegner. Lenin galt als Kritiker des späteren sowjetischen Diktators Stalin . Wilhelm Pieck war bis zu seinem Tod 1960 der Präsident der DDR, Otto Grotewohl war Mitglied des Politbüros der SED sowie bis 1964 Ministerpräsident der DDR. Die DSF wiederum war eine 1949 gegründete Massenorganisation mit dem Ziel, Menschen für die sowjetische Politik zu gewinnen. Sie organisierte zudem zahlreiche Sport- und Kulturveranstaltungen in Städten, Gemeinden und Schulen.