Zeit 15.12.2025
17:20 Uhr

Corona-Pademie: Jens Spahn verteidigt milliardenschwere Maskenkäufe im Bundestag


Das Gesundheitsministerium hat während der Pandemie gegen den Rat von Fachabteilungen in großem Umfang Masken gekauft. Nun verteidigte Spahn sich dafür vor dem Bundestag.

Corona-Pademie: Jens Spahn verteidigt milliardenschwere Maskenkäufe im Bundestag
Fast sechs Jahre nach dem Corona-Ausbruch in Deutschland hat der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seine umstrittenen Entscheidungen zur Maskenbeschaffung im Bundestag verteidigt . "Es gab damals keine Blaupause", sagte Spahn in der Corona-Enquetekommission zur Aufarbeitung der Corona-Pandemie . Klar sei gewesen: "Es geht um Leben und Tod." Die Bilder mit vielen Toten aus dem italienischen Bergamo, New York oder London "wollten wir für Deutschland unbedingt vermeiden". Oberstes Ziel sei die Vermeidung einer Überlastung des Gesundheitswesens gewesen. Sphan sagte weiter, die ganze Welt habe in der Pandemie gleichzeitig das Gleiche gewollt, daher habe bei Materialbeschaffungen wie etwa bei Masken das Recht des Stärkeren gegolten. Auch Könige und Staatsoberhäupter hätten sich bei den Anbietern gemeldet. "Da konnte ich jetzt schlecht auf Referatsebene anrufen lassen." Laut Oliver Sievers, Mitglied des Bundesrechnungshofes, kaufte das Gesundheitsministerium im Frühjahr 2020 für 5,9 Milliarden Euro insgesamt 5,8 Milliarden Masken, von denen 3,4 Milliarden hätten vernichtet werden müssten. "Wir haben darin eine massive Überbeschaffung gesehen", sagte Sievers in der öffentlichen Anhörung des Ausschusses. Begleitkosten, etwa für Lagerung, von circa 510 Millionen Euro seien dazugekommen, weitere stünden aus. Erneut stellte der Rechnungshof dem Ministerium für seine damalige Kaufpraxis ein teils schlechtes Zeugnis aus : "Man kauft nicht ein, wenn Höchstpreise gezahlt werden." "Erhebliche Kosten und Risiken" Unter Spahn war das Gesundheitsressort laut dem Bericht der zwischenzeitlichen Sonderbeauftragten Sudhof "gegen den Rat seiner Fachabteilungen" in großem Umfang in die Maskenbeschaffung eingestiegen – und habe so "erhebliche Kosten und Risiken" erzeugt. So steht es im Prüfbericht, den Sudhof im Auftrag von Spahn-Nachfolger Karl Lauterbach (SPD) verfasst hatte. Sudhof verwies vor den Abgeordneten auf ihre Erkenntnisse – und bemängelte aus ihrer Sicht weiter bestehende Missstände. So befinde sich die Dokumentation aus der Corona-Zeit "bei einem privaten Akteur und nicht im Bundesgesundheitsministerium". Der Enquete-Kommission gehören 14 Abgeordneten sowie 14 externen Sachverständige an. Sie sollen interdisziplinär erarbeiten, wie künftige Pandemien besser erkannt und bewältigt werden können. Bis Ende Juni 2027 soll die Kommission einen detaillierten Abschlussbericht mit konkreten Handlungsanweisungen vorlegen.