Zeit 20.02.2026
11:03 Uhr

Christine Lagarde: EZB-Chefin Lagarde tritt Mutmaßungen um vorzeitigen Rücktritt entgegen


Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank kündigt an, ihre Amtszeit bis Herbst 2027 ausschöpfen zu wollen. Bis dahin will Christine Lagarde alles Erreichte absichern.

Christine Lagarde: EZB-Chefin Lagarde tritt Mutmaßungen um vorzeitigen Rücktritt entgegen
EZB-Chefin Christine Lagarde hat nach Spekulationen über Rückzugspläne signalisiert, dass sie ihre volle Amtszeit ausschöpfen will. "Wenn ich auf all diese Jahre zurückblicke, denke ich, dass wir viel erreicht haben, dass ich viel erreicht habe", sagte die Präsidentin der Europäischen ​Zentralbank (EZB) dem Wall Street Journal. "Wir müssen das ⁠konsolidieren und sicherstellen, dass es wirklich solide und verlässlich ist. ​Meine Grundannahme ist daher, dass dies bis zum Ende meiner Amtszeit dauern wird." Lagarde hatte ihr Amt am 1. November 2019 als Nachfolgerin des Italieners Mario Draghi angetreten. Berufen wird der Präsident oder die Präsidentin der EZB für acht Jahre. Dem Wall Street Journal sagte Lagarde weiter, sie sehe ihre Aufgabe in der Preis- und Finanzstabilität sowie darin, "den ​Euro zu schützen und sicherzustellen, dass er solide und stark und für die Zukunft Europas gerüstet ist". Die Pläne für die Zukunft nach dem Ende ‌ihrer ⁠Zeit bei der EZB ließ Lagarde offen: Das ​Weltwirtschaftsforum sei "eine der vielen Optionen", die sie nach ihrem Ausscheiden aus der Zentralbank in Betracht ziehe. Die Financial Times hatte zuvor berichtet, die Französin wolle ihr Amt als EZB-Präsidentin vorzeitig ​niederlegen, um dem scheidenden französischen Präsidenten Emmanuel Macron ein Mitspracherecht bei der Wahl ihrer Nachfolge zu geben. Lagardes reguläre Amtszeit läuft bis Ende Oktober 2027, im April nächsten Jahres wird in Frankreich gewählt. Kein explizites Dementi seitens EZB In einer privaten Nachricht an ihre EZB-Kollegen soll Lagarde versichert haben, dass sie weiter auf ihren Job konzentriert sei. Sollte sie zurücktreten wollen, würden sie dies von ihr und nicht aus der Presse erfahren. Wie schon ihre Botschaft ⁠an die Kollegen dämpfte auch Lagardes Zeitungsinterview ​die Spekulationen über einen vorzeitigen Rücktritt, ohne dass sie diese Option komplett ausschloss. Sie lehnte es ‌ab, sich zu dem Bericht der FT zu ‌äußern. Die EZB schrieb in einer Stellungnahme, Lagarde habe noch keine ​Entscheidung über das Ende ihrer Amtszeit getroffen. Explizit dementiert wurde der Bericht aber nicht. Die Spekulationen um Lagardes vorzeitigen Abgang waren nach der Rückzugsankündigung des französischen Notenbankchefs François Villeroy de Galhau aufgekommen. Dieser wird im ‌Juni seinen Posten vorzeitig räumen. Er führte dafür persönliche Gründe an. Aus den Reihen der rechtsextremen ​französischen Partei Rassemblement National (RN) kam jedoch harsche Kritik an dem Schritt, der als politisches Manöver interpretiert wurde: ⁠Es diene dazu, Verbündete gegen ​den RN in Stellung zu bringen, falls es zu einem ‌Machtwechsel in Frankreich komme. Dem von Jordan Bardella geführten RN werden in Umfragen Chancen eingeräumt, die Präsidentschaftswahl zu gewinnen. Er gilt als Ersatzkandidat für 2027, falls ‌die Partei-Ikone Marine Le Pen nicht antreten darf. Sie ist wegen Veruntreuung von EU-Mitteln schuldig gesprochen worden. Teil des Urteils ​ist, dass sie fünf Jahre kein öffentliches Amt ausüben darf. Damit dürfte die Kandidatur 2027 auf Bardella hinauslaufen.