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23.01.2026
09:30 Uhr
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In der Gratisversion von ChatGPT soll es bald Werbung geben. Das nutzt Konkurrent Google prompt für einen Werbegag. Der KI-Newsletter

Sie lesen den KI-Newsletter " Natürlich intelligent " vom 22. Januar 2026. Um den Newsletter jeden Donnerstag per Mail zu erhalten, melden Sie sich hier an . Auf dem Wirtschaftsgipfel in Davos ist auch dieses Jahr wieder die gesamte Techelite versammelt. Anthropic-Chef Dario Amodei etwa sorgte für Schlagzeilen, weil er die Lieferung von Nvidia-Chips nach China kritisierte – das könne Folgen für den KI-Vorsprung der USA haben. DeepMind-Chef Demis Hassabis riet Studierenden von Praktika ab, sie sollten sich lieber mit KI vertraut machen. Und Microsoft-Chef Satya Nadella forderte, dass es staatliche Investitionen in Energie- und Telekomnetze brauche, dann könne KI für die Weltgemeinschaft einen "echten Nutzen" stiften. Donald Trump, der die Davos-Berichterstattung dominiert, hat jedenfalls seinen persönlichen Nutzen von KI gefunden. Der US-Präsident postete vor seiner Ankunft in Davos auf seiner Plattform Truth Social ein KI-Bild von sich , wie er gemeinsam mit US-Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance die amerikanische Flagge auf Grönland hisst. Das war, bevor er in Davos einen Kurswechsel in dem Konflikt herausposaunte. Den kommentierten die US-Demokraten prompt mit einem KI-Bild von Trump als Taco . Der Diskurs rund um Davos war schon mal tiefgründiger, aber selten unterhaltsamer. Das müssen Sie wissen: OpenAI wirbt jetzt doch Als OpenAI im Dezember den Code Red ausrief, hieß es, dass alle Anstrengungen in naher Zukunft in die Verbesserung seiner KI-Modelle fließen würden. Andere Pläne wie etwa Werbung sollten erst einmal auf Eis gelegt werden. So groß war die Sorge, dass Konkurrent Google seinen Vorsprung im KI-Rennen ausbaut. Nun vermeldet OpenAI doch, dass es bald Werbung in ChatGPT geben wird. Vorerst in den USA und dort in der Gratisversion sowie in der günstigen Version ChatGPT Go. Der Konzern verspricht, dass die Ergebnisse weiter objektiv sein, dass Werbetreibende keinen Zugriff auf Unterhaltungen bekommen und Nutzerinnen und Nutzer ihre für die Anzeigen verwendeten Daten jederzeit löschen können sollen. Dass das Unternehmen seine Werbepläne so defensiv angekündigt, hat vermutlich auch damit zu tun, dass es weiß, wie sensibel die Daten sind, die seine Nutzer dem Bot wahlweise als Beziehungsratgeber, Arzt oder Shoppingassistent anvertrauen. Doch wie meine Kollegin Johanna Jürgens treffend schreibt, hat sich schon bei sozialen Netzwerken gezeigt, dass eine klare Trennung zwischen Inhalten und Werbung schwer möglich ist, weil Geschäftsinteressen und Nutzerinteressen gegeneinander laufen: "In der Aufmerksamkeitsökonomie ist Wachstum nur möglich, wenn Unternehmen fortlaufend Daten über ihre Nutzer erheben, diese enger an sich binden und die Grenzen zwischen Werbung und Inhalt verwischen." DeepMind-Chef Demis Hassabis kündigte diese Woche in Davos übrigens an, dass es keine Pläne gebe, in Googles KI Gemini Werbung zu schalten. Ein cleverer Werbegag. Schließlich kann das Unternehmen seine KI vor allem deshalb von Anzeigen befreit halten, weil es Unmengen damit in seiner Google-Suche verdient. Darüber sollten Sie nachdenken: Schlecht schummeln mit ChatGPT ist nicht In Hamburg ist ein bemerkenswerter Fall vor Gericht gelandet. Ein Neuntklässler sollte für den Englischunterricht ein Buch lesen und ein Lesetagebuch erstellen. Was er abgab, war gut. Überraschend gut. Wenige Tage danach schrieb er eine Klassenarbeit zu besagtem Buch. Und die war deutlich schlechter. Der Verdacht: Der Schüler hatte bei der Hausarbeit ChatGPT als Hilfsmittel eingesetzt. Der Klassenlehrer bewertete das Lesetagebuch mit der Note ungenügend. Daraufhin klagte der Vater. Seine Argumentation: Die Nutzung von ChatGPT dürfe nicht als Täuschungsabsicht gewertet werden, weil der Junge die KI lediglich nutzte, um seine Grammatik und Formulierungen zu verbessern – was viele seiner Mitschüler ebenfalls täten, gegen die aber kein Täuschungsvorwurf erhoben worden sei. Das Gericht sah das anders. ChatGPT hätte ausdrücklich als Hilfsmittel erlaubt sein müssen, sonst gelte das Gebot der Eigenständigkeit, heißt es in der Urteilsbegründung . Der Fall wirft eine interessante Frage auf. Nämlich wie man unter den mutmaßlich vielen schummelnden Schülerinnen und Schülern eigentlich eine Gleichbehandlung sicherstellen will, wenn nur die abgestraft werden, die etwas offensichtlicher mogeln, als andere es tun. Und natürlich zeigt der Fall auch, wie wahnsinnig schnell sich einige Prüfungsformate in Zeiten von KI überholen. Zusammenfassungen gehören ganz sicher dazu. Das können Sie ausprobieren: Flux.2 klein Im November vergangenen Jahres hat das Freiburger KI-Start-up Black Forest Labs seine neue Bild-KI Flux-2 vorgestellt. Jetzt ist in der Reihe eine neue Modellfamilie erschienen. Flux.2 klein soll vorrangig eins sein: schneller als die Konkurrenz. Eine Demoversion davon ist frei verfügbar. Damit lassen sich einzelne Bilder erstellen und bearbeiten oder mehrere neu kombinieren. Ich habe es direkt mit einigen Prompts probiert und die Bildgenerierung von ChatGPT (ebenfalls in der Gratisversion) gegen die von Flux.2 klein laufen lassen und die Zeit gestoppt. Die KI sollte beispielsweise ein hyperrealistisches Bild eines Rad fahrenden Elefanten und eines Zebras erstellen, ein altes Familienbild aus den Zwanzigerjahren oder ein randvolles Glas Rotwein. Was besonders viel Spaß macht: Im Ausprobiermodus lassen sich bei Flux die einzelnen Bausteine der Prompts beeindruckend schnell abändern. Dafür macht einem das System direkt Vorschläge, die man nur noch per Mausklick auswählen muss. Es bietet etwa an, aus einem Zebra, das in seinem Fahrradkorb zwei Baguettes transportiert, eines mit vier und mehr Baguettes zu machen. Und das Familienbild lässt sich per Schieberegler rasch in ein anderes Jahrzehnt versetzen. Im Test bildeten grundsätzlich beide, Flux.2 klein und ChatGPT, ab, was laut Prompt grob gewünscht war. Sie scheiterten aber an dem vollen Rotweinglas, das war nur halb voll. Teilweise sahen sich die Ergebnisse sogar verblüffend ähnlich. Allerdings war ChatGPT doch noch etwas präziser bei der Umsetzung der Prompts. Bei genauerem Hinsehen waren die Bilder zudem vielleicht ein kleines bisschen verspielter. Dafür lautete im Rennen gegen die Uhr der Gewinner klar: Flux.2 klein. Bemerkenswert nach dem Grok-Skandal : Das Familienbild ließ sich in der Demoversion von Flux nicht mit der Eingabe, auf dem Foto neben den Eltern auch eine Tochter und einen Sohn zu zeigen, generieren. Das wies die KI aus Sicherheitsgründen zurück. Kinder bildet sie offensichtlich nicht ab.