Zeit 20.11.2025
20:00 Uhr

"Call of Duty: Black Ops 7": Und dann laufen mir auf einmal Zombiespinnen hinterher


Das neue "Call of Duty: Black Ops" reist zurück in die Zukunft, die Entwickler wollen damit zum Kern der Spieleserie zurückkehren. Ach ja?


Es gab eine Zeit, in der es bei Call of Duty um reale Konflikte ging, um Charaktere, ihre Entscheidungen und nicht zuletzt die Auswirkungen des Krieges. Das war nie sonderlich tiefgründig, aber es hatte Charakter und einen Wiedererkennungswert. Doch bei Call of Duty: Black Ops 7 weiß ich nicht mehr, was ich spiele. Ich kämpfe mich in der Hauptgeschichte durch eine offene Welt mit Robotern, bis mir auf einmal Zombiespinnen hinterherlaufen, ein überdimensionaler Riese mich angreift und ich auf einer schwebenden Autobahn Fahrzeugen ausweiche. Selbst als ich in den Multiplayer-Modus wechsle und mit und gegen mehrere Menschen spiele, fühlen sich das Hüpfen, Laufen und Schießen so monoton und bekannt an, dass ich kurz denke, ich hätte aus Versehen den sechsten Black Ops gestartet. Im August sprachen die Entwickler davon, dass sich die Marke von ihrer ursprünglichen Identität entfernt habe und sie wieder zu dieser "immersiven, intensiven, viszeralen" Basis zurückkehren wollen. Ich muss leider sagen: Das Ergebnis könnte nicht weiter von diesem Ziel entfernt sein. Nein, Sie lesen keine alte Rezension, die Ideen sind wirklich uninspiriert Zugegeben, die Geschichte geht rasant los, indem ein Video des bereits tot geglaubten Black Ops II -Antagonisten Raul Menendez auftaucht. Er droht, die Welt zu vernichten, woraufhin sich das Techunternehmen Die Gilde einschaltet und den Ländern dieser Welt ihren Schutz anbietet. Doch der aus vorherigen Teilen bekannte CIA-Agent Mason traut dem nicht, also brechen er und seine Truppe in ein Labor des Konzerns ein. Und tatsächlich werden sie von der tätowierten CEO Emma Kagan überrascht, die sie mittels eines roten Gases in eine Welt voller Halluzinationen versetzt (ja, Sie lesen hier keine alte Rezension, das ist ganz ähnlich wie im Vorgänger). Das Gas erfasst nicht nur die Figuren, sondern bricht durch eine Explosion auch in die Spielwelt aus. Während die Truppe immer wieder zwischen Traum und Wirklichkeit hin- und herspringt, findet sie heraus, dass Menendez in Wahrheit ein Deepfake ist und sie Die Gilde aufhalten müssen. Liest sich uninspiriert? Ist es auch. War die Kampagne von Call of Duty: Black Ops 6 noch ein kleiner qualitativer Lichtblick, ist die Geschichte des siebten Ablegers einfach wirr. Die Umgebungen sind nicht für den Einzelspielermodus, sondern ich laufe nur durch die mediterranen Wälder und Städte der Welt Avalon, die es im Battle Royale-Spiel Call of Duty: Warzone als Karte gibt. Ich bestreite Bosskämpfe gegen riesige Pflanzen in einem Dschungel und gegen einen meiner Teamkollegen, der zu einem Godzilla-Verschnitt heranwächst. Mal habe ich einen Greifhaken, der ebenso schnell wieder verschwindet, wie er auftaucht. Dann kann ich besonders hoch springen, mit einem Wingsuit fliegen, große Kampfmaschinen kontrollieren oder riesige Macheten vom Himmel stürzen lassen. Was spektakulär klingen mag, ist spielerisch von jedem Anspruch befreit und vollkommen öde. In den meisten Abschnitten brauche ich nicht einmal zu kämpfen, sondern kann schlicht an den Gegnern vorbeilaufen, um die Mission zu beenden. Da hilft es auch nicht, dass man die Geschichte auch im Koop-Modus mit bis zu vier Spielerinnen und Spielern erleben kann. Ob ich nun allein oder mit Unbekannten spiele, ist vollkommen gleich. Einen Unterschied macht es natürlich, wenn man mit Freunden zusammenspielt, aber dann kommt es mehr auf die Qualität der Freundschaft an und weniger auf die des Spiels. Spielt man allein, fühlt man sich merkwürdig verlassen, denn die Teamkameraden, die in den Zwischensequenzen plötzlich aus dem Nichts auftauchen, fehlen in den Leveln. Und egal, wie man spielt, man kann wegen einer zwingend erforderlichen Onlineanbindung nicht auf Pause drücken. Mit einer Spielzeit von gerade einmal vier Stunden braucht man die ohnehin kaum. Aber es war ja der Multiplayer, der die Serie so legendär machte. Ich schnappe mir also wie in den meisten Ego-Shootern mein Scharfschützengewehr und laufe über die kleinen, oft aber verwinkelten Karten. Die Bewegungen selbst sind bekannt und bestehen aus dem üblichen Springen, Rutschen, schnellen Anvisieren und Granatenwerfen. Neu, aber auch vollkommen überflüssig, ist der Doppelsprung an den Wänden. Zumindest in meinen Matches nutzt kaum jemand den umständlichen Sprung, ich mit eingeschlossen.