Zeit 27.05.2026
06:38 Uhr

Bundeswirtschaftsministerin: Katherina Reiche fordert in China fairen Wettbewerb


Die Bundeswirtschaftsministerin ist zu einem Besuch in China eingetroffen. Sie will dort an die Gespräche zwischen Friedrich Merz und Xi Jinping im Februar anknüpfen.

Bundeswirtschaftsministerin: Katherina Reiche fordert in China fairen Wettbewerb
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat am ersten Tag ihres Chinabesuchs faire Wettbewerbsbedingungen für deutsche Unternehmen angemahnt. »Wettbewerb bringt uns nach vorn«, sagte Reiche in Peking im Gespräch mit dem chinesischen Handelsminister Wang Wentao. Wettbewerb müsse aber so ausgestaltet sein, dass er zu beiderseitigem Nutzen und transparent sei. Reiche verwies auf das Prinzip der »Reziprozität« – gemeint ist damit, dass Unternehmen in beiden Ländern möglichst vergleichbare Marktzugangs- und Wettbewerbsbedingungen haben sollten. Reiche kündigte an, mit Wang unter anderem über Lieferketten, den Zugang zu Seltenen Erden und Marktzugangsbedingungen sprechen zu wollen. Dabei gehe es auch darum, wie China und Deutschland Unternehmen unterstützten und wie sich dies »in einen ausbalancierten Zustand« bringen lasse. Zuvor hatte Reiche für einen »vertrauensvollen und offenen Austausch« beider Länder geworben. Dieser sei ihr »sehr, sehr wichtig«, sagte sie bei einem Treffen mit Zhou Haibing, einem Vizeminister der staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform. Die Behörde gilt als eine der wichtigsten wirtschaftspolitischen Planungsstellen Chinas. Wirtschaftsdelegation begleitet die Ministerin Reiche verwies auf die »sehr guten bilateralen Gespräche«, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) jüngst mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping geführt habe. Nun sei es ihre Aufgabe, »diesen Faden aufzunehmen«. Reiche sprach die Themen Energiesicherheit und Versorgungssicherheit an. Der Krieg im Nahen Osten bereite Sorge, weil er die Versorgungssicherheit in Europa und Deutschland betreffe. Zugleich steige durch die Nutzung künstlicher Intelligenz der Bedarf an Strom und leistungsfähigen Netzen. In der Delegation der Ministerin reisen eine Reihe von deutschen Unternehmensvertretern mit, darunter BASF-Chef Markus Kamieth und der Vorstandsvorsitzende von Thyssenkrupp, Miguel Ángel López Borrego. Am Donnerstag will Reiche in der südchinesischen Industriemetropole Guangzhou Firmen besuchen und Vertreter der Lokalregierung treffen. China ist wichtigster Handelspartner für Deutschland Die europäische Handelskammer in China rief Reiche auf, sich bei ihrem Besuch auch für europäische Belange einzusetzen. »Ich glaube, es gibt gerade ein Vertrauensdefizit zwischen Europa und China«, sagte Kammerpräsident Jens Eskelund. »Ich hoffe, sie vermittelt, dass Europa vereint ist.« Reiche müsse klarmachen, dass Europa unter den richtigen Bedingungen zu Geschäften mit China bereit sei. Die Reise findet in einer Phase statt, in der Deutschland und China den wirtschaftspolitischen Dialog wieder vertiefen wollen. Merz hatte die Gespräche Ende Februar mit seiner Reise nach China wieder in Gang gebracht. Zugleich belasten Handelsungleichgewichte , Klagen über unfairen Wettbewerb und Debatten über strengere EU-Schutzmaßnahmen das Verhältnis. China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner , allerdings werden weit mehr Waren aus der Volksrepublik eingeführt als dorthin exportiert. Das Handelsvolumen lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr bei etwas mehr als 250 Milliarden Euro. Deutschland importierte Waren im Wert von 170,6 Milliarden Euro aus China, 8,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die deutschen Exporte nach China gingen dagegen um 9,7 Prozent auf 81,3 Milliarden Euro zurück.