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08.01.2026
14:11 Uhr
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Die Ermittlungen bei den Fallschirmjägern sind wohl umfassender als bisher bekannt. Ein internes Dokument offenbart laut einem Medienbericht schweres Fehlverhalten.

Ermittlungen der Bundeswehr im Fallschirmjägerregiment 26 im rheinland-pfälzischen Zweibrücken sind offenbar umfangreicher als bisher angenommen. Wie das Magazin Spiegel berichtete, führt die Bundeswehr aktuell 55 Beschuldigte, mehr als 260 Vernehmungen haben bereits stattgefunden. Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken hatte zuletzt mitgeteilt, Ermittlungsverfahren gegen 19 Bundeswehrsoldaten mit Mannschafts- und Unteroffiziersdienstgrad zu führen. Dabei gehe es um Vorwürfe der Volksverhetzung, des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und mögliche Verstöße gegen das Konsumcannabisgesetz. Wie die Staatsanwaltschaft der ZEIT mitteilte, sind keine weiteren Anzeigen in Zweibrücken eingegangen. Ob es vonseiten der Bundeswehr zu weiteren Vorgängen kommen werde, bleibe offen. Einem internen Dokument der Bundeswehr zufolge, das dem Spiegel vorliegt, ermittelt die Bundeswehr unter anderem gegen den Chef einer Kompanie, weil dieser eine teilgeladene Pistole aus drei Metern Entfernung auf die Gesichter zweier Soldaten gerichtet haben soll. Außerdem sollen zwei Ausbilder "entgegen der einschlägigen Vorschrift wiederholte Schläge in den Genitalbereich und auf den Kopf angewiesen haben". Ein weiterer Soldat soll zudem nach der Nahkampfausbildung im Sommer 2025 im Krankenhaus notoperiert worden sein. Rechtsextremismus und sexualisiertes Fehlverhalten Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hatte berichtet, dass im Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken seit Monaten ermittelt werde . Neben Rechtsextremismus und sexualisiertem Fehlverhalten geht es demnach auch um Gewaltrituale und Drogen. Es habe in Zweibrücken eine "rechtsextreme, offen antisemitische Clique" gegeben, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Regimentsinsider. Frauen in der Truppe hätten Exhibitionismus erlebt und sich Vergewaltigungsfantasien anhören müssen. Es sei zu "Hitlergrüßen und einer angeblichen Naziparty" gekommen. Zahlreichen Beschuldigten werden dem Bericht der FAZ zufolge sexuelle Übergriffe und Mobbing gegen Frauen vorgeworfen. Mindestens 30 Soldaten sollen an rechtsextremen und antisemitischen Vorfällen beteiligt gewesen sein. Es geht demnach um mehr als 200 einzelne Delikte. Der Kommandeur des Feldheeres, Harald Gante, zeigte sich darüber schockiert: "Als wir dahintergekommen sind, was in Zweibrücken vorgeht, waren wir schier sprachlos. Über die Ereignisse, aber auch über die Art und Weise, wie man damit umgegangen ist. Im Heer gilt: Schlechte Führung ist kein Dienstvergehen, wird aber nicht geduldet." Die Vorfälle, sofern bestätigt, seien inakzeptabel, sagte ein Bundeswehrsprecher. Wehrbeauftragter fordert Dunkelfeldstudie Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Henning Otte (CDU), forderte gegenüber dem Spiegel eine Dunkelfeldstudie fertigzustellen, die Ausmaß und Folgen sexualisierten Fehlverhaltens in der Bundeswehr untersuchen soll. Dies sei "unerlässlich, um gezielte und wirksame Präventions- sowie Aufklärungsmaßnahmen zu entwickeln." Ottes Vorgängerin Eva Högl (SPD) hatte eine entsprechende Untersuchung bereits vor mehr als einem Jahr angeregt, welche Verteidigungsminister Boris Pistorius auch zugesagt hatte – bislang gebe es allerdings lediglich eine Projektskizze. Arbeiten Sie bei der Bundeswehr? Uns interessiert , ob Sie Übergriffe erlebt haben. Schreiben Sie uns per Mail an community-redaktion@zeit.de oder über das Formular.