Zeit 15.01.2026
09:57 Uhr

Bürgergeldreform: Bärbel Bas wirbt für Unterstützung von geplanter Grundsicherung


Bundessozialministerin Bas hat die Bürgergeldreform im Bundestag verteidigt. Heftige Kritik kam von der Opposition – Parlamentspräsidentin Klöckner ermahnte die Linke.

Bürgergeldreform: Bärbel Bas wirbt für Unterstützung von geplanter Grundsicherung
Bundessozialministerin Bärbel Bas (SPD) will Bezieher des in Grundsicherung umbenannten Bürgergeldes stärker in die Pflicht nehmen. "Wer mitwirken kann, der muss das auch tun und darf sich ‍nicht dieser Unterstützung verweigern", sagte ​Bas im Bundestag bei ‌der ersten Beratung über den Gesetzentwurf der Regierung. ⁠Wer ohne wichtigen Grund ​Termine wiederholt versäume, einen zumutbaren Job ablehne oder eine Qualifizierung abbreche, müsse schneller ⁠und deutlicher mit Konsequenzen rechnen. Außerdem werde mit der Reform ein Signal gegen Sozialleistungsmissbrauch gesetzt. Das betreffe nur sehr wenige Menschen, sagte Bas, sei aber keine Lappalie. Zugleich betonte Bas, wer Hilfe und Schutz brauche, werde sie erhalten. Das betreffe Menschen, die erkrankt seien oder aus anderen Gründen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen. "Diese Menschen brauchen Solidarität, das ist zentral." Bas warb um Unterstützung für die Regierungspläne. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann verteidigte die Reform ebenfalls und sprach von einem "wichtigen Schritt, um das System gerechter zu machen". Es sei die Rückkehr zum "System von Fördern und Fordern". Außerdem werde gezielt gegen Missbrauch vorgegangen. "Wer betrügt, muss zahlen. Auch das ist gerecht." Grüne und Linke mit heftiger Kritik, Klöckner ermahnt Reichinnek Deutliche Kritik in der Debatte kam von den Grünen. Der Abgeordnete Timon Dzienus nannte die neue Grundsicherung "katastrophal" für die Betroffenen. Sie sei ein "sozialpolitischer Tabubruch" und mache das Land ungerechter. Linkenfraktionschefin Heidi Reichinnek beschuldigte die Regierung im Rahmen "einer faktenfreien Hetzkampagne" zu lügen, vor allem über mögliche Einsparungen. "Was sie hier vorlegen, ist der Startschuss zu einem der größten Angriffe, die der Sozialstaat je erlebt hat." Die Sanktionen würden nicht dazu führen, dass Menschen in Jobs kämen. "Es braucht Aus- und Weiterbildung, aber dafür wollen sie kein Geld in die Hand nehmen." Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) ermahnte Reichinnek im Anschluss, nicht andere Abgeordnete als Lügner abzuwerten. "Das gilt für alle und ich bitte Sie, dass Sie sich daran halten, wenn wir uns darauf geeinigt haben." Die Reform soll größtenteils zum 1. Juli 2026 in Kraft treten. Im laufenden Jahr sollen laut dem Gesetzentwurf 86 Millionen Euro eingespart werden, für 2027 werden 70 Millionen vorausgesagt. Die Bundesregierung und Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatten in der Vergangenheit deutlich mehr Einsparungen in Aussicht gestellt. Rund 5,3 Millionen Menschen beziehen derzeit Bürgergeld. Kritik von Sozialverbänden Vor der Bundestagsdebatte hatten mehrere Sozialverbände deutliche Kritik an den Regierungsplänen geübt. Wohlfahrtsverbände und Gewerkschaften forderten Änderungen. Die härteren Regeln würden kaum Geld einsparen, könnten Betroffene im schlimmsten Fall aber ihr Zuhause kosten, warnten sie. Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch befürchtet einen sozialpolitischen Rückschritt. "Verschärfte Sanktionen treiben Menschen in existenzielle Not, schlimmstenfalls in die Wohnungslosigkeit . Wer Menschen dauerhaft in Arbeit bringen will, sollte stattdessen in gute Arbeitsförderung und verlässliche Begleitung investieren", forderte er. Mit Blick auf die öffentlichen Finanzen müsse der organisierte Steuerbetrug mehr in den Fokus der Politik rücken, der die öffentliche Hand jährlich rund 100 Milliarden Euro koste. Der Kritik schlossen sich in einem gemeinsamen Appell die Arbeiterwohlfahrt (AWO), der DGB, der Deutsche Mieterbund, der Paritätische Gesamtverband, der Sozialverband Deutschland (SoVD), der Sozialverband VdK, die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Volkssolidarität an. Kinderhilfswerk warnt vor Folgen für Kinder Das Deutsche Kinderhilfswerk mahnte die Bundesregierung, bei der Reform Rücksicht auf Kinder und Jugendliche zu nehmen . "Es sollte beim neuen Grundsicherungsgeld keine Sanktionen für Familien mit Kindern geben, da diese Kinder in jedem Fall unverhältnismäßig hart treffen", sagte die Organisation. Zwar sollen offiziell nur Regelsätze der Eltern gekürzt werden, dadurch würden jedoch die Kinder im Haushalt indirekt bestraft, gab das Hilfswerk zu bedenken. "Und wenn neben der Regelsatzkürzung auch die Mietzahlungen eingestellt werden, droht den Kindern mit ihren Familien die Obdachlosigkeit." Das dürfe nicht sein: "Eine Reform des Bürgergeldes darf niemals auf dem Rücken der ohnehin schon unter Druck stehenden Kinder erfolgen." Die Bürgergeldreform sieht strengere Mitwirkungspflichten für die Bezieherinnen und Bezieher vor und härtere Strafen. So soll die Grundsicherung beispielsweise gestrichen werden, wenn Bezieher des staatlichen Gelds nicht erreichbar sind. Bei drei versäumten Einladungen zu Terminen sollen Jobcenter die Überweisungen einstellen. Sofort für drei Monate um 30 Prozent soll die Leistung gemindert werden, wenn Arbeitslose künftig zum Beispiel keine Bewerbungen schreiben oder Förderkurse ablehnen.