Zeit 04.12.2025
07:23 Uhr

Bürgergeld: Gesundheitsprobleme halten viele Bürgergeldempfänger von Jobsuche ab


Eine Studie hat Gründe für Langzeitarbeitslosigkeit erforscht. Viele Leistungsempfänger waren länger nicht auf Stellensuche. Fast die Hälfte bekam nie ein Jobangebot.

Bürgergeld: Gesundheitsprobleme halten viele Bürgergeldempfänger von Jobsuche ab
Gesundheitliche Probleme sind einer Studie zufolge der häufigste Grund dafür, dass viele Bürgergeldbeziehende nicht nach Arbeit suchen. Das geht aus einer Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) hervor. Demnach haben 55 Prozent der befragten Langzeitbezieher in den vergangenen vier Wochen keine Stelle gesucht. Von denjenigen, die nicht suchten, nannten fast drei Viertel gesundheitliche Probleme als Grund. Weitere zentrale Hürden seien keine passenden Stellen sowie familiäre Verpflichtungen. Rund ein Viertel der Nicht-Suchenden gab an, dass sich ihre finanzielle Situation durch eine Arbeit nicht verbessern würde. Die Studie weist außerdem darauf hin, dass viele Betroffene nicht von den Jobcentern erreicht würden: 43 Prozent der Befragten berichteten, sie hätten noch nie ein Stellenangebot erhalten. Bei der Weiterbildung ist es ähnlich. 38 Prozent sagen, dass sie bei der Vorbereitung auf einen möglichen neuen Job bislang leer ausgegangen sind. "Die Jobcenter müssen den Schwerpunkt neu setzen", sagte Roman Wink von der Bertelsmann Stiftung und forderte "weniger Bürokratie, mehr Vermittlung". Befragt wurden für die Studie rund 1.000 Bürgergeldempfänger im Alter zwischen 25 und 50 Jahren im Frühjahr 2025. Das Ergebnis veröffentlichte die Bertelsmann Stiftung jetzt in Gütersloh. Demnach gaben 57 Prozent aller Befragten an, in den vier Wochen vor der Befragung nicht aktiv einen Job gesucht zu haben. 45 Prozent der Interviewten sagten, sie seien dazu nicht in der Lage, weil sie eine psychische oder chronische andere Erkrankung haben. Knapp die Hälfte sagte, es gebe wenig passende Stellen. 22 Prozent nannten als Hinderungsgrund die Pflege von Angehörigen oder Betreuung von Kindern. Elf Prozent sagen, dass sie sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser halten. Wechsel in die Sozialhilfe Nach Angaben der Bertelsmann Stiftung beziehen derzeit 1,8 Millionen Menschen in Deutschland Bürgergeld, sie sind arbeitslos gemeldet und somit grundsätzlich erwerbsfähig. Die Stiftung wertete die Ergebnisse der Umfrage als Beleg für die Notwendigkeit einer anderen Herangehensweise. Würden chronische oder psychische Erkrankungen keine realistische Chance auf eine Integration in den Arbeitsmarkt bieten, sollte "ein Wechsel aus der Grundsicherung in ein besser passendes Unterstützungssystem wie die Sozialhilfe oder die Erwerbsminderungsrente geprüft werden", sagte Stiftungsmitarbeiter Tobias Ortmann. Der Paritätische Gesamtverband kritisierte die öffentliche Darstellung der Ergebnisse. Die Studie erfasse ausschließlich Langzeitbeziehende von mehr als einem Jahr im Bürgergeld und nicht "die Bürgergeldbeziehenden" insgesamt, was das Bild verzerre. Die Aussage, die Hälfte suche keinen Job, sei irreführend. Tatsächlich hätten 59 Prozent der Nicht-Suchenden legitime Gründe wie Krankheit oder die Teilnahme an einer Maßnahme. Von den übrigen 41 Prozent seien wiederum 73 Prozent aktiv auf Arbeitssuche. Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich auf eine Reform des Bürgergeldes, das in Zukunft Grundsicherung heißen soll, geeinigt. Geplant sind strengere Mitwirkungspflichten und Sanktionen . In der SPD gab es dagegen Widerstand. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hat die Reform dennoch auf den Weg gebracht und den Gesetzentwurf vor einer Kabinettsentscheidung in die Ressortabstimmung gegeben.