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24.11.2025
06:24 Uhr
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Brasiliens Ex-Präsident ist in Haft, weil er seine Fußfessel beschädigt hatte. Nun will er zurück in den Hausarrest – angeblich wegen seiner schlechten Gesundheit.

Die Anwälte des in Präventivhaft verlegten brasilianischen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro haben beim Obersten Gerichtshof erneut Hausarrest aus gesundheitlichen Gründen beantragt. "Der Gesundheitszustand des Antragstellers ist aus verschiedenen Gründen beeinträchtigt", zitierte die Nachrichtenagentur Agência Brasil aus der Eingabe der Verteidiger. Bolsonaro war am Samstagmorgen Ortszeit wegen mutmaßlicher Fluchtgefahr festgenommen worden, nachdem ein Alarm seiner elektronischen Fußfessel eine mögliche Manipulation angezeigt hatte. In einem später vom Gericht veröffentlichten Video gab Bolsonaro zu, mit einem Lötkolben an dem Gerät gearbeitet zu haben – "aus Neugier", wie er sagte. Aufnahmen zeigen ein angeschmortes Kunststoffgehäuse der Fußfessel . Das Gerät ist einer Beamtin zufolge jedoch offenbar intakt geblieben. Bolsonaro habe zwar einen Lötkolben an das Gerät gehalten, es aber nicht abnehmen wollen, schreiben die Anwälte: "Das Video und die Bewertung der Polizistin zeigen, dass es keinen Versuch gab, das Band zu reißen." Bei seiner Anhörung sagte Bolsonaro, er habe "eine Halluzination gehabt, dass die Fußfessel abgehört werde, und er daher versucht habe, die Abdeckung zu öffnen". Medikamentencocktail habe Bolsonaro verwirrt Laut seinen Anwälten, die sich auf einen ärztlichen Bericht der ihn betreuenden Fachkräfte stützen, sei Bolsonaro durch die Wechselwirkung mehrerer von ihm eingenommener Medikamente verwirrt gewesen. Deren Kombination könne unter anderem zu Desorientierung und Halluzinationen führen, hieß es. Der 70-Jährige leidet seinen Verteidigern zufolge unter anderem an Lungeninfektionen, Gastritis, Hautkrebs, anhaltenden Schluckaufkrisen sowie Komplikationen nach einem Attentat im Wahlkampf 2018. Die Präventivhaft war vom obersten Richter Alexandre de Moraes angeordnet worden. Als Gründe nannte er unter anderem die Beschädigung des Überwachungsgeräts und eine Mahnwache vor Bolsonaros Haus, zu der dessen Sohn, Senator Flávio Bolsonaro, aufgerufen hatte. Ein mögliches Chaos hätte die Kontrolle des Hausarrests erschweren und eine Flucht erleichtern können, urteilte der Richter. Bolsonaro war zuletzt wegen Verstößen gegen gerichtliche Auflagen im Hausarrest. Bereits am Freitag hatte seine Verteidigung beantragt, ihn im Fall des versuchten Staatsstreichs aus gesundheitlichen Gründen weiter im Hausarrest zu belassen. Der Oberste Gerichtshof lehnte den Antrag ab. Die aktuelle Präventivhaft zählt noch nicht zu der verhängten Haftstrafe von 27 Jahren , zu der Bolsonaro im September verurteilt worden war, weil er nach seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl 2022 versucht hatte, einen Staatsstreich in Brasilien durchzuführen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.