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23.11.2025
20:31 Uhr
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Eigentlich saß Brasiliens Ex-Präsident bislang im Hausarrest. Doch dort bearbeitete er seine Fußfessel mit einem Lötkolben. Schuld seien medizinische Probleme, sagt er.

Der brasilianische Ex-Präsident Jair Bolsonaro hat laut Gerichtsunterlagen die Einnahme von Medikamenten als Grund für die Beschädigung seiner Fußfessel angegeben. Die Medikamente hätten "Paranoia" und "Halluzinationen" ausgelöst, die ihn dazu veranlasst hätten, seine elektronische Fußfessel zu entfernen , meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Verweis auf Gerichtsunterlagen. Wegen eines versuchten Staatsstreichs gegen seinen Nachfolger Luiz Inácio Lula da Silva war Bolsonaro im September zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt worden . Seit Ende Juli 2025 steht Bolsonaro unter Hausarrest , weil er trotz gerichtlicher Auflagen über Dritte politischen Einfluss genommen hatte. Im Hausarrest musste er eine elektronische Fußfessel tragen. Draht in Fußfessel? Das Überwachungsgerät hatte in der Nacht Alarm geschlagen, weil eine mögliche Manipulation angezeigt wurde. Das Gericht veröffentlichte später ein Video, in dem Bolsonaro sagte, er habe aus "Neugierde" einen Lötkolben an seine Fußfessel gehalten. In dem Video war das stark beschädigte und mit Brandspuren versehrte Gerät zu sehen, das sich jedoch noch am Knöchel des Ex-Präsidenten befand. Bolsonaro wollte nach Darstellung des obersten Richters ohne die Fußfessel an einer Demonstration seiner Anhänger teilnehmen. Der Ex-Präsident wurde am Samstag schließlich wegen Fluchtrisikos präventiv festgenommen. Vor Bolsonaros Haus sollte eine Mahnwache stattfinden, zu der dessen Sohn, Senator Flávio Bolsonaro, aufgerufen hatte. Ein mögliches Chaos hätte die Kontrolle des Hausarrests erschweren und eine Flucht erleichtern können, urteilte der Richter. Bolsonaro sagte den Berichten zufolge, dass die Mahnwache 700 Meter entfernt gewesen sei, sodass keine Fluchtmöglichkeit bestanden habe. Bolsonaro bestritt nach Reuters-Angaben nach seiner Festnahme jegliche Absicht, sich dem Hausarrest zu entziehen oder zu versuchen, die Vorrichtung zu entfernen. Er habe "Halluzinationen" gehabt, dass sich ein Draht in der Fußfessel befinde und er so abgehört werde, sagte er laut dem Nachrichtenportal G1 . Er habe dann versucht, die Abdeckung zu öffnen. Danach sei er "wieder zur Vernunft gekommen" und habe aufgehört. Ein Durchtrennen der Fessel habe es nicht gegeben. Die Festnahme stehe laut dem Richter aber nicht im Zusammenhang mit der Vollstreckung der mehr als 27-jährigen Haftstrafe . Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, mit einer Vollstreckung wurde zuletzt kommende Woche gerechnet.