|
13.01.2026
11:32 Uhr
|
Ein Opferanwalt fordert, bei der Aufklärung des Schweizer Brandunglücks auch gegen die Gemeinde zu ermitteln. Es seien Entschädigungsklagen in Millionenhöhe geplant.

Der Genfer Rechtsanwalt Romain Jordan hat gefordert, die Ermittlungen zur Brandkatastrophe von Crans-Montana auf die Gemeinde auszuweiten. Jordan vertritt mehr als 20 Opferfamilien. Er bereitet nach eigenen Angaben eine Staatshaftungsklage vor und rechnet mit Entschädigungsforderungen von insgesamt mehreren Hundert Millionen Schweizer Franken. "Für mich steht außer Frage, dass die Gemeinde auf die Liste der Verantwortlichen gesetzt werden muss", sagte Jordan. Er kündigte an, bis zu mehrere Millionen Franken pro verletzter Person und bis zu 100.000 Schweizer Franken pro getöteter Person zu fordern. Seine Mandanten seien Schweizer, Franzosen und Italiener. Fast alle Verletzten lägen im künstlichen Koma oder seien nicht ansprechbar. Der Bürgermeister von Crans-Montana hatte vergangene Woche eingeräumt, dass in der Bar seit 2020 keine Brandschutzkontrollen mehr stattgefunden hatten, obwohl diese gesetzlich jährlich vorgeschrieben sind. Derzeit wird nur gegen das französische Betreiberpaar der Bar wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung ermittelt. Der Mann befindet sich in Untersuchungshaft. Er hat nach Medienberichten zugegeben, dass ein Notausgang zum Zeitpunkt des Brandes verschlossen war. Das Ehepaar kündigte an, mit den Ermittlern zu kooperieren. Gemeinde versuchte, als Zivilklägerin aufzutreten Jordan bezeichnete den Versuch der Gemeinde, sich als Zivilklägerin in das Verfahren einzuschalten, als "schlechten Scherz". Der Antrag sei abgelehnt worden. "Dieser Zynismus hat den Familien wehgetan", sagte der Anwalt. Seine Mandanten fühlten sich "wie in einem Albtraum, aus dem sie nie wieder aufwachen werden". Zudem forderte der Anwalt, einen staatlichen Fonds einzurichten, um die Opfer bis zum Abschluss der Verfahren finanziell zu unterstützen. Nach Schweizer Recht können Betroffene von Straftaten zwar Soforthilfe beantragen. Diese reiche aber nicht aus, um alle laufenden Kosten zu decken. "Im Idealfall sollte es eine direkte Entschädigung für die Opfer geben – keine doppelte Bestrafung", sagte Jordan. 40 Tote, mehr als 100 Verletzte Bei dem Brand in der Bar Le Constellation am Neujahrsmorgen starben 40 Menschen, unter ihnen viele Teenager. 116 weitere Personen wurden verletzt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft setzten an Champagnerflaschen befestigte Sprühfontänen die schalldämmenden Schaumstoffplatten an der Decke des Kellers in Brand. Der einzige Fluchtweg führte über eine schmale Treppe zu einem engen Ausgang.