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08.12.2025
11:59 Uhr
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Mindestens 672 Minderjährige wurden laut einer Studie seit 1945 von Geistlichen des Bistums Passau missbraucht und misshandelt. Die tatsächliche Zahl dürfte höher sein.

Im Bistum Passau sind laut einer Studie Hunderte Minderjährige von Klerikern missbraucht und misshandelt worden. Mindestens 672 Kinder und Jugendliche seien von 1945 bis 2022 schweren Übergriffen durch Priester ausgesetzt gewesen, heißt es in der Studie zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs und körperlicher Gewalt an Minderjährigen im Bistum Passau. Ermittelt wurden 154 Beschuldigte oder überführte Täter. Drei Jahre lang hatte ein Forscherteam der Universität Passau an der Studie gearbeitet. In dem Dokument wird darauf verwiesen, dass die tatsächliche Anzahl der Betroffenen noch höher sein dürfte. "Plausibel erscheint es aber in jedem Fall, dass die tatsächliche Zahl der Betroffenen im Bistum Passau über dem gesichert erscheinenden Minimalwert von 672 liegt", heißt es. Dies liege unter anderem daran, dass in den Quellen oft von Gruppen wie Schulklassen, Ministranten oder Chorkindern die Rede sei, "die Übergriffen eines Priesters ausgesetzt gewesen sein sollen". Wie groß die jeweiligen Gruppen gewesen seien, dafür gebe es nur wenige oder gar keine Anhaltspunkte. Die Studienautoren gehen daher von einer Mindestanzahl von drei Kindern oder Jugendlichen aus, die eine "Gruppe" bilden und allesamt Betroffene von Missbrauch oder Gewalt waren oder sind. Zudem werden die namentlich oder als anonyme Person zweifelsfrei belegten Betroffenen hinzugerechnet. Studienautoren kritisieren "System Kirche" Es sei geschehen, "was niemals hätte geschehen dürfen", teilte Studienleiter Marc von Knorring mit. "Die Opfer leiden ein Leben lang an den Folgen." Die 154 Beschuldigten oder überführten Täter seien nicht allein verantwortlich gewesen. Verantwortlich waren nach den Erkenntnissen der Forscher "bestimmte Denk- und Handlungsweisen innerhalb des Systems Kirche". Das habe in der Vergangenheit dazu geführt, dass "eine Reihe von Bischöfen und Generalvikaren in zahlreichen Fällen den Schutz der Institution Kirche und der Priesterschaft über das Wohl von Betroffenen stellten". Hintergrund für die Untersuchung ist die im Jahr 2018 veröffentlichte sogenannte MHG-Studie der katholischen Kirche in Deutschland. Diese listete Tausende Missbrauchsfälle, Täter und Opfer auf. In der Folge begannen die Bistümer mit einer wissenschaftlichen Aufarbeitung, darüber hinaus gab und gibt es für Betroffene Anerkennungsleistungen.