Zeit 04.01.2026
06:28 Uhr

Berlin: Stromausfall im Berliner Südwesten könnte bis Donnerstag dauern


Zehntausende Haushalte haben die erste Nacht in Kälte und Dunkelheit verbracht. Der Berliner Senat geht von einer mutwilligen Tat aus. Die Stadt bietet Notunterkünfte an.

Berlin: Stromausfall im Berliner Südwesten könnte bis Donnerstag dauern
Der Stromausfall im Südwesten von Berlin könnte laut Stromnetz Berlin für Zehntausende Betroffene bis Donnerstag dauern. Grund ist der sehr aufwendige Bau von Ersatzleitungen nach dem Brand einer Kabelbrücke über den Teltowkanal, teilte ein Sprecher des Verteilnetzbetreibers mit. Nach eigenen Angaben hofft Stromnetz Berlin, ab Samstagabend rund 10.000 Haushalte aus anderen Netzteilen versorgen zu können. In der Nacht suchten viele Menschen Zuflucht bei Freunden oder Familie oder in einer Notunterkunft, um nicht bei Schnee und Kälte in ihren oft nicht mehr beheizbaren Häusern ausharren zu müssen. Laut Stromnetz Berlin waren 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbebetriebe in den Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde betroffen. Seit dem frühen Samstagmorgen ist in den Stadtteilen der Strom ausgefallen. Grund ist nach Angaben von Stromnetz Berlin ein Brand an der Kabelbrücke zum nahe gelegenen Kraftwerk Lichterfelde. Mehrere Hochspannungskabel seien beschädigt. Der Brand sei mittlerweile gelöscht. Senatssprecherin spricht von mutwilliger Tat Die Polizei ermittelt wegen Verdachts auf Brandstiftung. Zudem ist ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz der Polizei prüfe derzeit die Authentizität des Schreibens, teilte die Polizei am Samstag auf X mit . Von welcher politischen Richtung oder Gruppe der Text stammt, war zunächst unklar. Die Polizei äußerte sich dazu nicht weiter. Man gehe von einer mutwilligen Tat aus, sagte eine Sprecherin von Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey. Die sehr dicken Hochspannungskabel wären sonst kaum derart zu beschädigen. Nach eigenen Angaben arbeitet Stromnetz Berlin am Aufbau eines Provisoriums. Das Winterwetter erschwere die Arbeiten. Zudem sei die Spurensicherung am Brandort noch nicht beendet. Notunterkünfte haben noch Platz Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf hat indes Notunterkünfte eingerichtet, auch das Gemeindehaus der Emmaus-Kirchengemeinde und das Rathaus Zehlendorf öffneten zeitweise für Menschen, die sich aufwärmen und ihre Handys aufladen wollten. Im Jugendkeller der Paulus-Gemeinde und im Matthäus-Gemeindehaus am Steglitzer Kreisel können sich die Menschen ab den Morgenstunden aufwärmen. Nach Angaben des Roten Kreuzes ist die Auslastung der Notunterkünfte in Steglitz-Zehlendorf bislang gering – 250 Betten stünden zur Verfügung. In der Notunterkunft bekommen die Menschen auch eine warme Mahlzeit und können duschen. Der Bezirksstadtrat Tim Richter (CDU) geht davon aus, dass der Bedarf nach Unterkunftsplätzen in den kommenden Tagen steigen werde. Jetzt seien die Wohnungen noch relativ warm, sagte Richter, aber in den kommenden Tagen würden Minusgrade in der Nacht erwartet. Dann kühlten die Wohnungen und Häuser aus, weil Heizungen nicht mehr funktionieren. Der Bezirk habe bereits am Samstag zwei Notunterkünfte aufgebaut. Weitere sollen am Sonntag folgen. Ampeln sind erloschen, S-Bahnen fahren weiter Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa funktionieren viele Heizungen nicht. Auch der Mobilfunk sei gestört. Im betroffenen Gebiet hätten Läden geschlossen, Ampeln seien ausgefallen. Auch die Bahnhöfe in den betroffenen Stadtteilen sind laut der S-Bahn Berlin ohne Strom. "Hier gibt es keine Fahrgastinformationen, Automaten und Entwerter funktionieren nicht", teilte das Unternehmen mit. Allerdings wirke sich der Stromausfall nicht auf den Bahnverkehr aus. "Die S-Bahnen fahren", schrieb S-Bahn Berlin. Stromnetz Berlin vergleicht die Dimension des aktuellen Stromausfalls mit einem ähnlichen Fall im September 2025. Ursache damals war ein politisch motivierter Brandanschlag auf zwei Strommasten .