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17.01.2026
09:05 Uhr
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Wochenlang wird die Polizei die Geschädigten des Sparkassen-Einbruchs in Gelsenkirchen befragen. Sie hat dafür eigens Büroräume angemietet.

Die Polizei Gelsenkirchen hat die Vernehmung von mehr als 3.000 Geschädigten des Sparkassen-Einbruchs angekündigt. Ab Montag sollen alle Betroffenen die Möglichkeit erhalten, bei der Polizei Angaben zum Inhalt ihrer aufgebrochenen Schließfächer zu machen. Wegen der hohen Zahl an Geschädigten rechnet die Behörde mit wochenlangen Befragungen. Für die Vernehmungen hat die Polizei nach eigenen Angaben zusätzliche Büroräume angemietet. "Die sehr umfangreiche und nun beginnende Geschädigtenvernehmung bedurfte einer umfangreichen logistischen Planung, die nun in die Umsetzung geht", teilte die Behörde mit. Die Polizei hat für den Fall die Sonderkommission "Bohrer" aufgebaut, in der täglich mehr als 200 Ermittler in Zwölfstundenschichten arbeiten. Zudem wurde eine Telefonnummer eingerichtet , unter der alle Betroffenen einen Termin für ihre Vernehmung vereinbaren sollen. Sie müssen dabei ihre Schließfachnummer angeben. Die Angaben der Geschädigten sollen direkt in die Ermittlungen einfließen und neue Ansätze liefern, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Die Ermittler bitten die Betroffenen, nur mit Termin zu erscheinen und möglichst alleine zu kommen. Wer Unterlagen, Dokumente oder Nachweise zu den Gegenständen aus seinem Schließfach besitzt, solle diese mitbringen. Im Tresorraum befinden sich nach Angaben der Behörde noch mehrere Hunderttausend Gegenstände, die von Kriminaltechnikern aus ganz Nordrhein-Westfalen auf Spuren untersucht wurden. Die Täter hatten den Raum mit chemischen Flüssigkeiten kontaminiert, mutmaßlich um Spuren zu verwischen. Dreistelliger Millionenschaden möglich Bei dem Einbruch Ende Dezember hatten die Täter mehrere Sicherheitssysteme überwunden und ein etwa 40 Zentimeter großes Loch in eine Wand gebohrt, um in den Tresorraum der Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen zu gelangen. Sie räumten fast alle der insgesamt 3.256 Kundenschließfächer aus. Den Schaden schätzte die Polizei zunächst auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag, inzwischen halten Ermittler aber auch einen Schaden im dreistelligen Millionenbereich für realistisch . Nach ersten Erkenntnissen gelangten die Täter über eine manipulierte Fluchttür vom angrenzenden Parkhaus in das Gebäude. Diese Tür kann nach Angaben der Polizei normalerweise nicht von außen geöffnet werden. Wer die Fluchttür manipuliert hat, ist Gegenstand der Ermittlungen. Nach Auskunft von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) gibt es noch keinen konkreten Verdacht, dass die Täter Hilfe von einem Insider hatten.