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19.12.2025
17:04 Uhr
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Noch landen Menschen häufig bei Chatbots, wenn sie Infos bei Unternehmen suchen. Nun setzen manche Firmen auf realistisch wirkende Avatare. Die sind erstaunlich gut.

Selbst wenn man sich ständig mit künstlicher Intelligenz (KI) beschäftigt, ist es immer noch beeindruckend, mit einer digitalen Person zu sprechen . Dass etwas, das wie ein Mensch aussieht, reagiert, antwortet, gestikuliert, doch nur auf Berechnungen basiert. Solche Avatare sind eines der großen Versprechen der KI-Branche. Sie können in Erklärfilmen oder Videocalls auftreten und so ihren realen Vorbildern Arbeit abnehmen. Sie sind rund um die Uhr verfügbar, sprechen Dutzende Sprachen, beantworten geduldig tausendmal die gleiche Frage. Ausprobieren kann man das zum Beispiel auf der Website der Techniker Krankenkasse (TK). Die Avatare Vanessa und René richten sich an Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, um hier zu arbeiten, und Fragen haben. Darf ich zu Hause bleiben, wenn ich krank bin? Wie finde ich einen Arzt? In sechs Sprachen können die virtuellen Abbilder von echten TK-Mitarbeitern antworten. Erstellt hat sie das Start-up von Lara Dörner. Mit Jan Schellenberger hat sie 2023 in Essen go AVA gegründet – mit dem Ziel, mehr zu bieten als schriftliche Kommunikation über Chatbots. "Um das Vertrauensvolle und Authentische, das man mit einer Person im echten Leben verbindet, im Digitalen weiterführen zu können, müssen wir es schaffen, den Menschen so echt wie möglich abzubilden", sagt Dörner. Der dunkelhaarige Avatar Vanessa, der für die TK antwortet, sieht durchaus realistisch aus. Sechs Wochen bekomme man sein Gehalt bei Krankheit weiter, erklärt die virtuelle Vanessa freundlich auf Englisch, mit leichtem deutschem Akzent. Dass es sich hier nicht um einen Videocall handelt, erkennt man dennoch sofort, zu steif steht die Frau im Browserfenster, zu gleichförmig sind die Gesten und ihr Tonfall. Aber sie versteht viele der gestellten Fragen richtig und reagiert erstaunlich schnell. Allerdings nur dann, wenn auch eine zur Frage passende Antwort im dahinterliegenden KI-Modell gefunden wird. "Wir haben unser eigenes Modell entwickelt, das nur mit verifizierten Inhalten trainiert wird", sagt Dörner, also nur mit den Daten, die ein Kunde selbst bereitstellt. So klingen die Antworten der TK-Avatare zu einem Thema jedes Mal genau gleich. Das wirkt zwar weniger menschlich, gibt Kunden aber Sicherheit – auch darüber, dass ihre Avatare nicht plötzlich über, sagen wir, Hitler fabulieren. Im Test war Vanessa erstaunlicherweise dennoch eine (korrekte) Erklärung zum Stauffenberg-Attentat auf Hitler zu entlocken, aber nichts wirklich Heikles. Natürlich sind die Avatare nicht perfekt. Vanessa versteht etwa eine Frage zum Thema Rezept falsch und erklärt stattdessen, was es mit Pfand in Deutschland auf sich hat. Auf die Frage, ob man auch zu Hause bleiben kann, wenn das Kind krank ist, wiederholt sie immer wieder, dass man regelmäßig mit seinem Kind zum Zahnarzt soll. Verglichen mit internationalen Wettbewerbern wie Synthesia oder HeyGen ist go AVA mit 30 Mitarbeitern und ohne großen Investor bisher eher klein. Dass es dennoch Erfolg hat, liegt wohl an der Technik, die komplett selbst entwickelt ist, wie Dörner sagt. Und daran, dass das Unternehmen eng mit seinen Kunden zusammenarbeitet und Menschen in einem Studio filmt, um die Avatare zu bauen. Sein KI-Modell trainiert go AVA mit den Daten, die der Kunde zur Verfügung stellt. "Unsere Avatare sind tief in den Unternehmensprozessen verankert und bieten dadurch einen Mehrwert", sagt Dörner. Diese Erkenntnis setzt sich auch bei großen KI-Firmen durch, die Niederlassungen in Deutschland eröffnen: Beeindruckende Technik reicht oft nicht, um Firmenkunden zu überzeugen. Man muss ihnen auch helfen, sie anzuwenden. Nicht alles, wo KI draufsteht oder drinsteckt, bringt Sie weiter. Manches aber sehr. Und das schaut sich unser Kolumnist in jeder Ausgabe von ZEIT für Unternehmer an. Wenn Sie ihm erzählen wollen, was Ihre KI so kann, schreiben Sie ihm .