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24.01.2026
10:47 Uhr
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Austauschprogramme melden eine anhaltend hohe Nachfrage nach Aufenthalten in den USA. Für deutsche Schüler gehe "Privates vor Politik", beobachtet eine Organisatorin.

Trotz der politischen Lage bleiben die USA für Schülerinnen und Schüler das beliebteste Reiseziel. Der Zulauf bei den Austauschprogrammen sei weiterhin sehr hoch, teilte Anne von Fircks, Sprecherin beim Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch (AJA), mit. Derzeit gebe es zwar noch freie Plätze, aber nicht viele und auch nicht mehr als vorher. Für die Jugendlichen sei "der Aufenthalt in den USA einfach ein Traum. Da geht Privates vor Politik", fügte von Fircks hinzu. Veränderungen durch die zweite Amtszeit von US-Präsident Donald Trump sind trotzdem spürbar: Seit Frühjahr 2025 wurden Termine in den Konsulaten ausgesetzt und die Richtlinien geändert . Bei der Einreise in die USA müssen nun die Social-Media-Accounts angegeben werden. Daher sei der Beratungsbedarf gestiegen. "Letztlich haben aber alle bislang ihre Visa bekommen, und auch bei der Einreise gab es keine Probleme", teilte von Fircks mit. Ebenfalls sei eine leicht stärkere Tendenz zu Kanada zu beobachten, wie schon während Trumps erster Amtszeit. "Trump ist nicht die USA" Die Austauschprogramme bieteten zudem eine Chance für den Kontakt zwischen den Ländern. Sie seien nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen, erinnert von Fircks. "Das ist eine lange Tradition, die wir nicht einfach aufgeben dürfen." Sie fügt hinzu: "Trump ist nicht die USA." Maja van Grassdorff, Leiterin der Abteilung Highschool beim GLS Sprachenzentrum Berlin, kann seit dem Amtsantritt von Trump dagegen einen leichten Rückgang beobachten. Im Highschoolprogramm von GLS gehen die Schüler für mehrere Monate zum Schulaufenthalt in die USA – etwa 120 Schüler pro Jahr. "Seit Dezember ist das Interesse aber extrem zurückgegangen, und das ist für die Jahreszeit eher ungewöhnlich", teilte van Grassdorff mit. "Aus Elternsicht kann ich ein Zögern verstehen . Aber ich denke wirklich, gerade jetzt ist es wichtig, dass man in ein Land geht, das gerade dabei ist, sich vom Rest der Welt abzuschotten." Agentur für Sportler stellt ebenfalls keinen Rückgang fest Bei der Agentur Wagner & Woolf, die Sportlern bei der Suche nach der richtigen Universität in den USA hilft, sei die Nachfrage nicht zurückgegangen, teilte Geschäftsführer Robert Wagner mit. "Im Gegenteil, sie ist eher gestiegen." Er vermutet, dass dies auch mit den gestiegenen Kosten in Deutschland zu tun habe. "Wenn man als Leistungssportler hier in den USA ein Stipendium bekommen kann, ist das fast günstiger", fügte Wagner hinzu. Er habe zudem noch keine Bewerberinnen und Bewerber erlebt, die ihr Visum nicht bekommen haben. Auch der pädagogische Austauschdienst (PAD) der Kultusministerkonferenz konnte bislang keinen Rückgang beobachten. Gernot Stiwitz, Abteilungsleiter beim PAD, rechnet jedoch damit, "dass sich das Interesse am Aufenthalt in den USA abschwächen wird. Wir hören schon viel Skepsis". Der PAD organisiert unter anderem einen Gruppenschüleraustausch von und für Schulen, der in der Regel drei Wochen dauert. 2024 flogen laut Stiwitz mit Unterstützung des PAD 185 Gruppen mit insgesamt 3.084 Schülern aus Deutschland in die USA. Im vergangenen Jahr waren es 186 Gruppen mit 3.200 Schülern. Hier lasse sich also noch kein Trump-Effekt ablesen. Auch bei den Anfragen für 2026 konnten die PAD-Mitarbeiter bisher keinen Rückgang feststellen.