Zeit 22.02.2026
20:29 Uhr

Atomprogramm: USA und Iran verhandeln erneut in Genf


Gespräche über das iranische Atomprogramm sollen in die nächste Runde gehen. Der Iran droht im Fall eines US-Angriffs mit Vergeltung, sieht aber Chancen für Diplomatie.

Atomprogramm: USA und Iran verhandeln erneut in Genf
Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran über das Atomprogramm der Regierung in Teheran werden am Donnerstag in Genf fortgesetzt. Der Außenminister des Oman, Badr al-Busaidi, teilte in sozialen Medien mit, er freue sich, das Datum bestätigen zu können. Er werde sich mit Nachdruck für den erfolgreichen Abschluss eines Abkommens einsetzen. Der Oman hatte bereits in der vergangenen Woche die Verhandlungen in Genf moderiert. Zuvor hatte Irans Außenminister Abbas Araghtschi mitgeteilt, er gehe von einer weiteren Gesprächsrunde mit der US-Delegation über das iranische Atomprogramm aus, die "wahrscheinlich" am Donnerstag in Genf stattfinden werde. In einem Interview mit dem US-Sender CBS News sagte Araghtschi, derzeit werde an Elementen für ein Abkommen gearbeitet. Aus den USA gab es zunächst keine Bestätigung. US-Präsident Donald Trump hat wiederholt gedroht, den Iran mit Gewalt zu zwingen, sein Atomprogramm einzuschränken. Die Regierung in Teheran entgegnete, dass sie in einem solchen Fall mit einem Gegenangriff reagieren werde. Die USA haben indessen ihre Streitkräfte in der Region verstärkt . "Wenn die USA uns angreifen, dann haben wir jedes Recht, uns zu verteidigen", sagte Araghtschi. Er sehe aber "gute Chancen", den Konflikt über das iranische Atomprogramm auf diplomatischem Wege zu lösen. Iran angeblich zu Zugeständnissen bereit Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf einen anonymen, hochrangigen iranischen Beamten, dass der Iran zu Zugeständnissen bereit sein soll. Demnach soll der Iran in Erwägung ziehen, die Hälfte seines hoch angereicherten Urans ins Ausland zu schicken, den Rest zu verdünnen und sich an der Gründung eines regionalen Konsortiums für die Anreicherung zu beteiligen – eine Idee, die in den Jahren der Irandiplomatie immer wieder zur Sprache kam. Im Gegenzug soll der Iran demnach erwarten, dass die USA das Recht des Landes auf "friedliche nukleare Anreicherung" anerkennen und ein Abkommen die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen beinhalte. Auch Möglichkeiten für US-Unternehmen, an der Öl- und Gasindustrie des Iran teilzunehmen, seien denkbar. Der Iran versichert, sein Atomprogramm diene ausschließlich zivilen Zwecken. Nach dem von Trump 2018 beschlossenen Ausstieg der USA aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran hat das Regime in Teheran allerdings so viel Uran hoch angereichert, dass es nach Einschätzung des Westens und der Internationalen Atomenergiebehörde technisch nur noch einen Schritt davon entfernt ist, atomwaffenfähiges Material herstellen zu können. Iraner protestieren weiter gegen Lebenshaltungskosten und Regime Die USA und der Iran hatten Anfang Februar unter Vermittlung des Oman Verhandlungen über das iranische Atomprogramm wieder aufgenommen. Es waren die ersten Gespräche seit dem zwölftägigen Krieg zwischen Israel und dem Iran im Juni 2025, bei dem die USA an der Seite Israels eingriffen und mehrere iranische Atomanlagen bombardierten . Dem Iran geht es bei den Verhandlungen vor allem um die Aussetzung von Sanktionen, die die iranische Wirtschaft massiv geschwächt haben. Die Wirtschaftskrise hatte Ende Dezember auch zu Protesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten im Iran geführt, die sich aber rasch zu einer landesweiten Protestwelle gegen die Regierung ausweiteten. Teheran ließ die Proteste blutig niederschlagen, Tausende Menschen wurden getötet. Am Sonntag gab es im Iran erneut Versammlungen zum Gedenken der Getöteten der Proteste. Viele Iraner nahmen in den vergangenen Tagen an Gedenkveranstaltungen zum Ende der Trauerzeit nach 40 Tagen teil. Wie iranische und Exilmedien berichteten, gab es an mehreren Teheraner Universitäten Kundgebungen für und gegen die Regierung. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna berichtete, Studierende von fünf Universitäten in der Hauptstadt Teheran und einer weiteren in Maschhad hätten sich am Sonntag zu Demonstrationen versammelt.