Zeit 11.02.2026
10:16 Uhr

Arktis: Großbritannien will mehr Soldaten nach Norwegen verlegen


Wegen der russischen Bedrohung will Großbritannien seine Truppenzahl in Norwegen verdoppeln. Norwegens Armeechef schloss einen russischen Angriff am Polarkreis nicht aus.

Arktis: Großbritannien will mehr Soldaten nach Norwegen verlegen
Zum besseren Schutz der Arktis und des hohen Nordens will Großbritannien die Zahl seiner in Norwegen stationierten Soldaten auf 2.000 verdoppeln. Das werde Verteidigungsminister John Healey am Mittwoch bei einem Besuch eines britischen Stützpunkts in Norwegen nördlich des Polarkreises ankündigen, teilte die Regierung in London mit. Die zusätzlichen Soldaten sollen innerhalb von drei Jahren nach Norwegen verlegt werden. Großbritannien werde sich auch an der geplanten Nato-Mission Arctic Sentry (deutsch etwa: Wächter der Arktis) beteiligen. "Die Anforderungen an die Verteidigung steigen und Russland stellt die größte Bedrohung der Arktis und des hohen Nordens dar , die wir seit dem Kalten Krieg gesehen haben", sagte Healey. Der russische Staatschef Wladimir Putin baue die militärische Präsenz in der Region schnell aus, "inklusive der Wiedereröffnung alter Stützpunkte aus dem Kalten Krieg". Der Chef der norwegischen Armee, Eirik Kristoffersen, schloss in einem Interview mit dem Guardian nicht aus, dass Russland am Polarkreis militärisch eingreift. Er deutete an, Russland könnte gegen Norwegen vorgehen, um im hohen Norden stationierte russische Nuklearwaffen zu schützen. "Das ist das Einzige, was sie noch haben, das die Vereinigten Staaten tatsächlich bedroht", sagte Kristoffersen. Ein großer Teil des russischen Nukleararsenals befinde sich auf der Kola-Halbinsel, nur eine kurze Entfernung von der norwegischen Grenze entfernt – darunter Atom-U-Boote, landgestützte Raketen und nuklearwaffenfähige Flugzeuge. Diese wären entscheidend, falls Russland andernorts in einen Konflikt mit der Nato geraten sollte. Nato will Präsenz in Arktisregion stärken Die geplante neue Nato-Mission Arctic Sentry soll am Donnerstag bei einem Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel besprochen werden. Mit dem Einsatz will die Nato zur weiteren Deeskalation des bündnisinternen Konflikts um Grönland beitragen. Aus Nato-Kreisen heißt es, dass vor allem zusätzliche Patrouillen mit Schiffen und Flugzeugen sowie Militärübungen geplant sind. So soll die Präsenz sichtbarer werden. Schon im März ist ein größeres Manöver in Norwegen, Finnland und Schweden geplant, an dem auch britische Soldaten teilnehmen sollen. US-Präsident Donald Trump beansprucht die zum Königreich Dänemark gehörende autonome Arktisinsel für die Vereinigten Staaten . Um diesen Anspruch durchzusetzen, drohte er zwischenzeitlich auch europäischen Nato-Verbündeten. Trump hat das Ansinnen unter anderem damit begründet, dass ansonsten Russland oder China zugreifen könnten. Mehrere Vorfälle mit russischen Schiffen und U-Booten Erst im Dezember hatten Großbritannien und Norwegen angekündigt, mit einer gemeinsamen Flotte die U-Boot-Abwehr zu verstärken. Das sei die Konsequenz aus der deutlich erhöhten Bedrohung britischer Gewässer durch russische Schiffe , teilte das Verteidigungsministerium in London damals mit. Zuletzt war es immer wieder zu Zwischenfällen mit russischen Schiffen und U-Booten gekommen. Auch Deutschland hatte mit Großbritannien Ende vergangenen Jahres eine stärkere Kooperation vereinbart . Deutsche Spezialflugzeuge zum Einsatz gegen U-Boote sollen künftig von der schottischen Militärbasis Lossiemouth aus starten.