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24.02.2026
15:27 Uhr
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Manche Privatunternehmer blockieren die kritische Aufarbeitung ihrer Geschichte. Das muss sich ändern.

Claus Hagenbeck sieht sich in einer ehrwürdigen Tradition stehend. Lange Jahre leitete der 84-Jährige den Tierpark Hagenbeck; er ist ein Patriarch, der ein Erbe verwaltet, das weit über die materiellen Umfänge der Firma hinausgeht. Der Tierpark gehört schließlich zu Hamburg, wie der Hafen, die Speicherstadt und die Reeperbahn. Zugänge im Tierbestand, etwa durch Geburten kleiner Eisbären oder Löwinnen, schaffen es regelmäßig in die Hamburger Presse und ins Fernsehen. Hagenbeck ist zweifellos eine Hamburger Instanz. Aus der herausgehobenen Position ergibt sich aber auch Verantwortung. Und hier fangen die Probleme an. Wer ein – auch immaterielles – Erbe verwaltet, ist zur Offenheit und Transparenz verpflichtet. Er oder sie muss auch über die kolonialen Aspekte der eigenen Geschichte aufklären, zumal wenn diese Bedeutung für die allgemeine Geschichte besitzen. Denn Hamburgs Tierpark war nicht nur eine Heimstatt wilder Tierbabys. Die weltweite Bekanntheit von Hagenbeck gründet sich historisch nicht unerheblich auf der rassistischen Ausstellung von Menschen. Diese "Völkerschau" genannten Menschenzoos machten Hagenbeck bereits im Deutschen Kaiserreich zur globalen Marke und spülten wohl auch viel Geld in die Firmen- und Familienkasse. Zwischen 1875 und 1931 zeigte Hagenbeck etwa 100 Völkerschauen und schickte sie auf Tour durch ganz Deutschland und auch ins Ausland, wo "Hagenbeck" fast zum Synonym für "Völkerschau" wurde. Hagenbecks Völkerschauen dienten auch der Rechtfertigung kolonialer Ausbeutung Millionen Menschen pilgerten zu diesen Völkerschauen, um Menschen zu begaffen. Diese wurden reduziert auf Nacktheit, Rückständigkeit und Primitivität. Komplexe Gesellschaften mit ihren Traditionen und Geschichten wurden so zu "Wilden". Neben dem Grusel des vermeintlich Unzivilisierten holten sich die Besucherinnen und Besucher zugleich die Bestätigung der eigenen zivilisatorischen Überlegenheit. Hagenbeck fügte sich damit aufs Beste in die deutsche Kolonialmetropole Hamburg ein: Im Zeitalter des Kolonialismus rechtfertigte die vermeintlich eigene Überlegenheit die Invasion fremder Weltregionen, den Raub der Rohstoffe und die Unterjochung und Ausbeutung der dortigen Bevölkerung. Völkerschauen wie etwa auch die Völkerkundemuseen befanden sich deshalb in einem symbiotischen Verhältnis zum Kolonialismus. Es geht also nicht allein um Hagenbeck, es geht nicht bloß um ein untergeordnetes Kapitel in der Geschichte eines Tierparks. Während Museen und Universitäten inzwischen Schritte zur Aufarbeitung ihrer Geschichte leisten, scheint bei Hagenbeck das Prinzip vorzuherrschen, dass eine dunkle Geschichte schon vorbeigeht, wenn man die Augen nur fest genug zudrückt. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass Museen und Universitäten öffentliche Einrichtungen sind, während sich der Tierpark und damit auch sein Archiv in Privatbesitz befinden. Der Zugang zu diesem Archiv und damit die Möglichkeit der Forschung über ein zentrales Kapitel des deutschen Rassismus und Kolonialismus werden von dem Patriarchen Claus Hagenbeck nach Gutdünken gewährt – oder eben verwehrt. Als Leiter der Forschungsstelle Hamburgs (post-)koloniales Erbe versuchte ich, für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Zugang zum Archiv der Hagenbecks zu bekommen. Wir wollten die Geschichte der Menschenzoos europäisch vergleichend in einer Ausstellung aufarbeiten. Leider ohne Erfolg. Da auch die Stadt nicht bereit war, einen Zuschuss zum Ausstellungsmaterial zu leisten, mussten wir die Idee begraben. Mittlerweile wurde der Forschungsstelle insgesamt die Finanzierung gestrichen . Ein Interview mit Claus Hagenbeck in der ZEIT vom 29. Januar 2026 bringt nun etwas Licht ins Dunkel über die Art und Weise, wie in Hamburg historische Aufarbeitung betrieben wird. Mir gegenüber wurde die Absage eines Zugangs zum Archiv jahrelang mit dessen Umbau oder Renovierung begründet. Diese Gründe waren jedoch offenbar nur vorgeschoben, denn auf die Frage der ZEIT, "Sie haben keine Probleme damit, Ihre Archive zu öffnen, nur Herrn Zimmerer wollen Sie nicht reinlassen?", erklärte Claus Hagenbeck nun ganz unverblümt: "Ja, ich bin offen für wissenschaftliche Wahrheit, und jeder, der in mein Archiv will, kann das gerne tun. Nur nicht Herr Zimmerer."