Zeit 27.01.2026
11:06 Uhr

Arbeitsmarkt: Junge Frauen und Eingewanderte in Jobs häufiger überqualifiziert


15 Prozent der jungen Erwerbstätigen sind überqualifiziert. Dabei gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Menschen mit oder ohne Migrationsgeschichte.

Arbeitsmarkt: Junge Frauen und Eingewanderte in Jobs häufiger überqualifiziert
Unter jungen Erwerbstätigen sind Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund und insbesondere selbst Eingewanderte in ihrer Anstellung überdurchschnittlich häufig überqualifiziert. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Von den Frauen unter 35 Jahren gaben demnach 16 Prozent an, über einen höheren Bildungsabschluss zu verfügen als für ihre aktuelle Tätigkeit erforderlich. Bei Männern liegt dieser Anteil im Vergleich bei nur 13 Prozent. Besonders ausgeprägt ist Überqualifikation den Daten zufolge unter jungen Menschen mit Einwanderungsgeschichte. In dieser Gruppe sind 18 Prozent der Erwerbstätigen formal höher qualifiziert, als es ihr Job erfordert, bei Gleichaltrigen ohne Einwanderungsgeschichte liegt der Anteil bei 14 Prozent. Unter selbst Eingewanderten ist der Wert mit 19 Prozent am höchsten. Insgesamt sind im Alter von 15 bis 34 Jahren rund 15 Prozent der Erwerbstätigen überqualifiziert. Zudem sind Männer häufiger unterqualifiziert als Frauen. Das heißt, sie arbeiten in Berufen, für die eigentlich ein höherer Berufsabschluss vorausgesetzt wird. Dies trifft laut Statistik auf neun Prozent der Männer zu, gegenüber fünf Prozent der Frauen. Arbeitgeber sollten laut Expertin Potenzial besser nutzen Ein umgekehrtes Bild zeigt sich bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte. In dieser Gruppe sind mit elf Prozent mehr Erwerbstätige unterqualifiziert als im Durchschnitt. Bei selbst Zugewanderten steigt der Anteil der Unterqualifizierten sogar auf 14 Prozent. "Offensichtlich nutzen Arbeitgeber*innen vor allem das Potenzial von jungen Frauen und von Menschen mit Einwanderungsgeschichte auf dem Arbeitsmarkt nicht so, wie sie es könnten", sagte Bettina Kohlrausch, die wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung. "Dieses Thema anzugehen, wäre mit Sicherheit Erfolg versprechender im Kampf gegen den Fachkräftemangel als die aktuell diskutierte Einschränkung des Rechts auf Teilzeit ." Die Zahlen des Statistischen Bundesamts stammen aus dem Mikrozensus 2024 und basieren auf Selbstauskünften der Befragten. Als Personen mit Einwanderungsgeschichte gelten dabei Menschen, die selbst oder deren beide Elternteile seit 1950 in das heutige Bundesgebiet zugewandert sind.