Zeit 18.02.2026
11:34 Uhr

Arbeitsmarkt: Deutlich weniger Unternehmen klagen über Fachkräftemangel


In Deutschland ist der Fachkräftemangel in Unternehmen laut ifo Institut so gering wie seit fünf Jahren nicht mehr. Betroffen ist dennoch jeder fünfte Betrieb.

Arbeitsmarkt: Deutlich weniger Unternehmen klagen über Fachkräftemangel
In Deutschland ist der Fachkräftemangel in Unternehmen so gering wie seit fünf Jahren nicht mehr. Das geht aus einer vierteljährlichen Auswertung des Münchner ifo Instituts hervor. Im Januar fehlten demnach 22,7 Prozent der Unternehmen qualifizierte Arbeitskräfte , im Oktober des vergangenen Jahres waren es noch ​25,8 Prozent gewesen. "Eine Rolle spielt weiterhin die schwache konjunkturelle Entwicklung", sagte ifo-Umfragechef ‌Klaus ⁠Wohlrabe. "Gleichzeitig verändert der technologische ​Wandel, vor allem die künstliche Intelligenz, zunehmend den Arbeitsmarkt ." Der Rückgang dürfe ​dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass strukturelle Herausforderungen bestehen bleiben. "Die Alterung der Bevölkerung trifft auf einen tiefgreifenden technologischen Wandel – das wird die Nachfrage nach bestimmten Qualifikationen weiter verschieben", sagte Wohlrabe. Rechtsberatung und Bauhauptgewerbe Besonders deutlich sank der Fachkräftemangel demnach im Bereich Transport und Logistik. Hier fiel der Anteil der ​von Fachkräftemangel betroffenen Unternehmen von 42,7 auf 30,6 Prozent. Insgesamt ‌fehlten rund jedem vierten ‌Dienstleister Personal. In anderen Bereichen hält der hohe Fachkräftemangel dagegen an. So klagen 58,4 Prozent der Rechts- und Steuerberater sowie 56,6 Prozent der Leiharbeitsfirmen weiterhin besonders häufig über fehlende Fachkräfte. In der Industrie berichten nur 16,6 Prozent der Unternehmen von einem Mangel an Fachkräften , ein halber Prozentpunkt weniger als noch im Oktober. Im Automobilsektor sowie bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen liegt ‌der Anteil knapp unter zehn Prozent. Im Maschinenbau ​beträgt er rund 19 Prozent. Auch im Handel hat ⁠sich ​die Lage laut ifo Institut etwas entspannt. Rund 18 Prozent der Unternehmen berichten aktuell im Schnitt von Schwierigkeiten, offene Stellen mit qualifizierten Arbeitskräften ‌zu besetzen : Im Einzelhandel sind es 21,6 Prozent, im Großhandel liegt der Fachkräftemangel bei 16,2 Prozent. Im Bauhauptgewerbe liegt der Anteil der betroffenen Unternehmen weiterhin vergleichsweise hoch bei rund 30 Prozent. Zahl der Erwerbsmigranten zugleich deutlich gestiegen Parallel dazu hat sich die Zahl der Erwerbsmigranten in Deutschland laut Daten der Bundesagentur für Arbeit in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Im Juni 2025 hatten demnach 420.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte eine Aufenthalts- oder Niederlassungserlaubnis in Deutschland wegen ihres Jobs. Fünf Jahre zuvor, im Jahr 2020, waren es noch knapp über 200.000 gewesen. Dieser starke Anstieg dürfte vor allem auf das im März 2020 in Kraft getretene Fachkräfteeinwanderungsgesetz zurückzuführen sein: Seither können Menschen mit Berufsausbildung oder auch mit berufspraktischen Kenntnissen leichter nach Deutschland einwandern. 2023 wurde das Gesetz novelliert . So wurden etwa die Mindesteinkommen für die Blaue Karte abgesenkt, mit der hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Nicht-EU-Ausland in Deutschland arbeiten können. Derzeit haben laut Bundesagentur für Arbeit rund 164.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte hierzulande eine solche Blaue Karte. Im Vergleich zu 2020 hat sich den Angaben zufolge auch diese Zahl verdoppelt.