Zeit 02.02.2026
14:26 Uhr

Antrittsbesuch in Polen: Bundesfinanzminister Klingbeil will Europas Rüstungsindustrie stärken


Bei seinem ersten Besuch als Bundesfinanzminister in Polen hat Lars Klingbeil mehr europäische Eigenständigkeit gefordert. Als Beispiel nannte er das Thema Rüstung.

Antrittsbesuch in Polen: Bundesfinanzminister Klingbeil will Europas Rüstungsindustrie stärken
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) wirbt bei den europäischen Partnern dafür, bei den geplanten hohen Verteidigungsinvestitionen vor allem europäische Anbieter zu berücksichtigen . "Wir müssen dabei mehr auf den Buy-European -Ansatz achten. Wir wollen, dass die Gelder für die Finanzierung unserer Verteidigung künftig stärker in Europa investiert werden", sagte Klingbeil beim Antrittsbesuch bei seinem polnischen Amtskollegen Andrzej Domański in Warschau. Angesichts des sich verändernden transatlantischen Verhältnisses müsse Europa schneller, resilienter und flexibler werden, betonte der SPD-Chef. "Die europäische Souveränität hat für uns höchste Priorität." Gemeinsam habe man sich vorgenommen, mehr Tempo zu machen und das auch bei der EU-Kommission in Brüssel einzufordern. Domański sagte, in allen EU-Mitgliedsstaaten müsse die Basis einer europäischen Verteidigungsindustrie aufgebaut werden. "Wir sind uns einig, dass Europa seine Ausgaben für Sicherheit erhöhen muss, die Ausgaben für Verteidigung", erklärte er. Mehr Treffen im neuen E6-Format Zugleich sprach sich der polnische Finanzminister für einen gemeinsamen polnisch-deutschen Impuls in der europäischen Wirtschaftspolitik aus. Europas Vormachtstellung solle auf seiner wirtschaftlichen Stärke, nicht auf Regulierung beruhen. "Wir müssen das Korsett der Regulierung ablegen, das Recht vereinfachen, unsere Märkte reformieren und die Stärke des gemeinsamen europäischen Marktes voll ausschöpfen", sagte er. SPD-Chef Klingbeil hatte zuletzt ein neues E6-Format ‍ins Leben gerufen, mit den sechs größten Volkswirtschaften der EU, darunter auch Polen und Frankreich. Es werde zeitnah ein weiteres Treffen in Brüssel geben. Es handele sich nicht um einen exklusiven Club. Viele Themen ⁠könne die Gruppe aber vorantreiben. Als Beispiel nannte Klingbeil die Finanzierung von jungen und innovativen Unternehmen. Sie müssten in Europa wachsen können, um nicht in ⁠die USA abwandern zu müssen. Die E6-Initiative ist ​eine Reaktion auf die Spannungen im internationalen Handel, aber auch das vergleichsweise geringe Wirtschaftswachstum in Europa. ⁠Außerdem ist die EU bei Rohstoffen und in einigen Technologiebereichen stark abhängig von ‍China und den USA.