Zeit 15.12.2025
12:43 Uhr

Antisemitischer Terroranschlag: Australiens Premierminister weist Netanjahus Kritik zurück


Netanjahu zieht eine Verbindung zwischen der Anerkennung des Staates Palästina und dem antisemitischen Terroranschlag am Bondi Beach. Premier Albanese widerspricht.

Antisemitischer Terroranschlag: Australiens Premierminister weist Netanjahus Kritik zurück
Australiens Premierminister Anthony Albanese sieht keinen Zusammenhang zwischen dem Terroranschlag auf das Chanukkafest in Sydney und der Anerkennung eines palästinensischen Staates durch seine Regierung. Nach dem Anschlag am Sonntag hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu der australischen Regierung eine Mitschuld an der Tat gegeben . Die Politik Australiens zur Anerkennung eines palästinensischen Staates schüre den Antisemitismus, sagte Netanjahu. Australien habe nicht entschlossen gegen Antisemitismus gekämpft, sagte er. Die Mehrheit der Welt erkenne eine Zweistaatenlösung als den richtigen Weg an, verteidigte Albanese die Entscheidung seiner Regierung. Er sagte zudem dem Sender ABC Australia: "Dies waren außerordentlich traumatische 24 Stunden. Meine Aufgabe ist es, die jüdische Gemeinde zu unterstützen und deutlich zu machen, dass die Australier in dieser schwierigen Zeit überwältigend hinter der jüdischen Gemeinde stehen." Nach dem Anschlag verurteilte Albanese die Tat als "gezielten Angriff auf jüdische Australier". Ein Angriff auf jüdische Australier sei "ein Angriff auf alle Australier". Er rief die Menschen in Australien auf, als Zeichen der Solidarität mit der jüdischen Gemeinde zu Hause eine Kerze zu entzünden. Zudem berief er eine Sitzung des nationalen Sicherheitsrates ein. Die australische Regierung will außerdem über eine Verschärfung der Waffengesetze diskutieren. Kritik an Sicherheitskonzept für jüdische Gemeinde Der Leiter des Verbands der australischen Juden, Robert Gregory, machte seiner Regierung ebenfalls schwere Vorwürfe. Der Angriff von Bondi Beach sei eine "absolut vorhersehbare" Tragödie gewesen. "Die Albanese-Regierung wurde so oft gewarnt, hat aber nie angemessene Schritte unternommen, um die jüdische Gemeinschaft zu schützen ", sagte Gregory der Nachrichtenagentur AFP. Seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober und dem anschließenden Krieg im Gazastreifen gab es eine Reihe antisemitischer Angriffe in Australien. Die australische Regierung beschuldigte in zwei Fällen den Iran, dafür verantwortlich zu sein. Dabei handelte es sich um einen Brandanschlag auf ein koscheres Café in Sydneys Vorort Bondi im Oktober 2024 und einen Brandanschlag auf eine Synagoge in Melbourne vor einem Jahr. Der Iran wies die Anschuldigungen zurück. Mindestens 12 Tote nach Anschlag Bei dem Angriff auf eine Chanukka-Feier am Bondi Beach waren am Sonntag mindestens zwölf Menschen getötet und fast 30 weitere verletzt worden. Für die tödlichen Schüsse am beliebten Bondi Beach macht die Polizei einen 50 Jahre alten Mann sowie dessen 24-jährigen Sohn verantwortlich. Das mutige Eingreifen eines Passanten, der einen der Angreifer entwaffnete, hat nach Einschätzung von Politikern und Sicherheitskräften womöglich Schlimmeres verhindert. Der Angriff wurde als antisemitischer Terroranschlag eingestuft. Er ist der bisher schwerste in einer Reihe antisemitischer Vorfälle in Australien seit Beginn des Gazakrieges im Oktober 2023 und der schlimmste Anschlag im Land seit 1996.