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15.12.2025
19:38 Uhr
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Mit strengen Waffengesetzen wollte sich Australien vor Anschlägen schützen. Dann töten zwei Männer in Sydney mindestens 15 Menschen. Die Reaktion: noch schärfere Regeln.

Diese Frage beschäftigt nicht nur die Menschen in Australien, sondern weltweit: Hätte der furchtbare Terroranschlag am Bondi Beach verhindert werden können? Anders als etwa die USA hatte Australien zumindest versucht, sich mit strengen Waffengesetzen vor Terroranschlägen und Amokläufen zu schützen, seit Jahrzehnten schon. 1996 hatte ein einzelner Attentäter in der tasmanischen Stadt Port Arthur 35 Menschen erschossen; danach wurden Sturmgewehre und andere halbautomatische Gewehre sowie Schrotflinten in Australien verboten. Außerdem führte die Regierung neue Registrierungspflichten ein und sorgte mit Rückkaufprogrammen dafür, dass bis zu einem Drittel der Waffen im Privatbesitz aus dem Verkehr gezogen wurde. Und nun dies: ein heimtückischer Anschlag auf rund zweitausend Jüdinnen und Juden , die sich am vergangenen Sonntagabend an Australiens berühmtesten Strand in Sydney versammelt hatten, um das Lichterfest Chanukka zu feiern, wie in jedem Jahr. Innerhalb von Minuten wurden mindestens 15 Menschen im Alter von zehn bis 87 Jahren getötet, mehr als 40 weitere verletzt. Ein Obstverkäufer wird zum Held Die mutmaßlichen Täter sind ein 50-jähriger Vater und dessen 24-jähriger Sohn, Sajid und Naveed Akram. Gegen 18:40 Uhr Ortszeit parkten die beiden Männer ihr Auto in der Nähe einer leicht erhöhten Fußgängerbrücke am Strand, liefen zu der Brücke und begannen, in die Menge zu schießen. Panik brach aus, die Menschen versuchten zu fliehen, gegen 18:47 Uhr wählten die Ersten die Nummer des Notrufs. Plötzlich greift ein Mann ein, den die Medien später zum Helden vom Bondi Beach erklären werden: Ahmed al Ahmed, 43 Jahre alt, Betreiber eines Obststands und Vater zweier kleiner Kinder. Auf einem weitverbreiteten Video eines Augenzeugen ist zu sehen, wie Ahmed sich zwischen zwei Autos an einen der beiden Attentäter heranschleicht. Dieser hat sich ein paar Schritte von der Fußgängerbrücke entfernt und steht mit dem Rücken zu Ahmed auf dem Gehsteig vor den Autos, Gewehr im Anschlag. Schüsse knallen. Todesmutig stürzt sich Ahmed von hinten auf den Mann und entreißt ihm die Waffe. Der Terrorist torkelt, fällt auf den Rücken, steht wieder auf und weicht vor dem Obstverkäufer zurück, der nun das Gewehr auf ihn richtet. Langsam entfernt sich der entwaffnete Terrorist. Doch in den darauffolgenden Minuten, auch das ist auf Videos dokumentiert, stehen die beiden Attentäter wieder zusammen auf der Fußgängerbrücke und morden so lange weiter, bis sie von der Polizei gestoppt werden. Sajid Akram, der Vater, wird erschossen, Naveed Akram wird mit lebensgefährlichen Verletzungen festgenommen. Auch Ahmed al Ahmed, der Held, wird schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Der gebürtige Syrer, der seit 2006 in Australien lebt und die Staatsbürgerschaft besitzt, wurde inzwischen nicht nur vom australischen Premierminister Anthony Albanese für seine heroische Tat gelobt, sondern auch von Donald Trump und Benjamin Netanyahu . Israels Premier bezeichnete ihn als "mutigen Muslim". Der australischen Regierung hingegen warf Netanyahu vor, sie fördere Antisemitismus und Terror, indem sie den Staat Palästina anerkenne. Dass es sich um einen antisemitisch motivierten Terroranschlag handelte, war schnell klar. Premierminister Albanese bestätigte, dass Naveed Akram, in Australien geboren und Staatsbürger des Landes, dem Inlandsgeheimdienst Asio schon 2019 wegen möglicher Verbindungen zur Terrorgruppe "Islamischer Staat" aufgefallen sei. Der jüngere Akram sei damals sechs Monate lang überprüft worden – mit dem Ergebnis, dass von ihm keine akute Bedrohung ausgehe. Über den Vater hieß es, er sei 1998 mit einem Studentenvisum aus Pakistan nach Australien gekommen, habe eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis gehabt – und sechs vorschriftsgemäß registrierte Feuerwaffen. Im Auto der Akrams, wie australische Medienberichteten, seien nach dem Anschlag zwei IS-Flaggen entdeckt worden. Haben die Behörden also versagt? Hätten sie bemerken müssen, dass sich Vater und Sohn radikalisierten? Darüber wird in Australien wohl noch lange gestritten werden. Premierminister Albanese kündigte am Montag an, er wolle die Waffengesetze weiter verschärfen.