Zeit 07.01.2026
11:41 Uhr

Anschlag auf Kabel: Stromversorgung im Südwesten Berlins läuft wieder an


Der Stromausfall in Berlin sollte eigentlich bis Donnerstag anhalten. Doch schon im Laufe des Nachmittags sollen alle betroffenen Haushalte wieder versorgt werden können.

Anschlag auf Kabel: Stromversorgung im Südwesten Berlins läuft wieder an
Der Stromausfall im Südwesten Berlins soll bereits im Laufe des heutigen Mittwochs und somit früher als erwartet wieder vollständig behoben werden. Im Verlauf des Nachmittags sollten sämtliche betroffenen Haushalte wieder versorgt werden können, sagte ein Sprecher der landeseigenen Stromnetzgesellschaft. Demnach war die Wiederherstellung der Stromversorgung bereits ab dem späten Vormittag im Gange. Der Betreiber warnte vor betriebsbedingten kurzen Unterbrechungen: "Bevor der Strom jedoch für alle wieder da ist, wird es für einige der bereits wieder versorgten Kunden (…) zu einer circa 15 Minuten langen Stromunterbrechung kommen", teilte Stromnetz Berlin weiter mit. Berlinweit waren Verbraucher per Warnsystem dazu aufgefordert worden , Notstromaggregate vom Netz zu nehmen, um Schäden zu vermeiden. "Wir fahren heute ab 11.00 Uhr das Stromnetz in den betroffenen Gebieten schrittweise wieder hoch", hatte zuvor der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) auf X angekündigt. Die Reparaturen am Ort des Kabelbrands, der den Ausfall verursacht hatte, konnten demnach "erfolgreich abgeschlossen werden", schrieb Wegner. "Möglich wurde das auch, weil wir die Großschadenslage ausgerufen und damit die notwendigen Kräfte und Abläufe gebündelt haben." Kurz vor der Ankündigung Wegners hatte die Bild -Zeitung berichtet, dass der Stromzugang bereits um 11.00 Uhr für alle Verbraucher wiederhergestellt werde. Fast 20.000 Haushalte am Mittwochmorgen noch ohne Strom Ursprünglich war der Senat davon ausgegangen, dass die Stromversorgung erst am Donnerstag wiederhergestellt wird. Der Ausfall, der am Samstag begonnen hatte, war aber auch trotz des früheren Starts der Versorgung der längste in der Nachkriegsgeschichte der Hauptstadt . Am Mittwochmorgen waren nach Angaben des Betreibers noch knapp 20.000 Haushalte und 850 Betriebe ohne Strom. Notstromaggregate hatten am Vortag dem Senat zufolge ermöglicht, dass im betroffenen Gebiet alle Supermärkte und Pflegeheime wieder arbeiten konnten. Nach Angaben des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) waren insgesamt rund 100.000 Menschen von dem Blackout betroffen. 45.000 Haushalte und mehr als 2.200 Betriebe hatten zeitweise keinen Strom. Einwohnerinnen und Einwohner der betroffenen Gebiete wurden unter anderem mit der Verteilung warmer Mahlzeiten und vom Land Berlin bezahlten Hotelübernachtungen unterstützt. Dabei waren unter anderem Kräfte der Bundespolizei und der Bundeswehr im Einsatz . "Es ist mir persönlich wichtig, dass wir jetzt die Menschen beim Wiederhochfahren unterstützen, damit insbesondere Heizungsanlagen keinen Schaden nehmen", schrieb Wegner. Bundesanwaltschaft hat Ermittlungen übernommen Ursache des Ausfalls war ein Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte. Laut einem Bekennerschreiben soll es sich um eine der sogenannten Vulkangruppen handeln, die bereits seit 2011 vor allem in Berlin und Brandenburg immer wieder Brandanschläge auf die öffentliche Infrastruktur verübt haben sollen. Wegner sprach dabei von "Linksterrorismus", auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann warf den mutmaßlichen Saboteuren linksextremen "Terror" vor. Ursprünglich hatte die Berliner Generalstaatsanwaltschaft in dem Fall ermittelt, am Montag übernahm die Bundesanwaltschaft den Fall . Sie ermittelt wegen des Verdachts auf verfassungsfeindliche Sabotage, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe. Mutmaßliche Täter veröffentlichen zweites Bekennerschreiben Die mutmaßlichen Saboteure haben derweil laut mehreren Medienberichten ein zweites Bekennerschreiben veröffentlicht. Die Tat richte sich "nicht gegen Menschen", sondern gegen eine Infrastruktur, die täglich die Umwelt zerstöre, heißt es darin laut Berichten unter anderem des Tagesspiegels, der Bild -Zeitung und des RBB. Bereits im ersten Schreiben war Umweltschutz als ein Motiv genannt worden. In dem zweiten Schreiben widersprechen die mutmaßlichen Täter zudem Spekulationen, der Anschlag sei angeblich aus dem Ausland gesteuert. "Diese Spekulationen sind nichts weiter als der Versuch, die eigene Ohnmacht zu kaschieren", heißt es darin. "Wer nun behauptet, hinter jeder Form von Sabotage müsse zwangsläufig ein fremder Geheimdienst stehen, verweigert sich der Realität gesellschaftlicher Konflikte im Inneren." Auf sozialen Medien war es in den vergangenen Tagen zu Gerüchten gekommen, russische Geheimdienste könnten hinter dem Anschlag stehen. Darauf würden angeblich bestimmte Formulierungen im ersten Bekennerschreiben schließen lassen. Berliner Sicherheitsbehörden sowie Behörden des Bundes widersprachen dem jedoch. "Wir sehen dieses Bekennerschreiben als authentisch an und können damit sagen, es kommt aus dem linksextremistischen Bereich", sagte Berlins Polizeivizepräsident Marco Langer.