Zeit 05.01.2026
10:21 Uhr

Anschlag auf Berliner Stromnetz: Berlin will kritische Infrastruktur besser schützen


99 Prozent der Leitungen verliefen unterirdisch, sagt Kai Wegner nach dem mutmaßlichen Anschlag auf Berlins Stromnetz. Das eine Prozent müsse besser geschützt werden.

Anschlag auf Berliner Stromnetz: Berlin will kritische Infrastruktur besser schützen
Nach dem großflächigen Stromausfall in Teilen Berlins hat der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) angekündigt, die Sicherheit des Stromnetzes verbessern zu wollen. Bereits jetzt verliefen 99 Prozent der Leitungen unter der Erde, sagte Wegner im ZDF- Morgenmagazin . Das restliche eine Prozent müsse noch besser vor "terroristischen Angriffen" geschützt werden. Seit Samstagfrüh waren insgesamt 45.000 Haushalte und 2.200 Gewerbeeinheiten im Südwesten der Hauptstadt von der Stromversorgung abgeschnitten. Betroffen sind die Stadtteile Nikolassee, Zehlendorf und Wannsee. Laut Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) sind mittlerweile etwa 14.500 der ursprünglich rund 40.000 betroffenen Haushalte wieder am Netz. Die Stromversorgung soll bis Donnerstag komplett wiederhergestellt sein. In dem betroffenen Gebiet liegen auch Pflegeeinrichtungen, Schulen und Krankenhäuser. Die Behörden richteten mehrere Notunterkünfte und Anlaufstellen zum Aufwärmen und Aufladen von Handys ein. Mehr als ein Dutzend betroffene Schulen sollen laut Senat zunächst bis Mittwoch geschlossen bleiben. Giffey fordert Bundeshilfe bei den Ermittlungen Die Polizei geht davon aus, dass Linksextremisten für den Anschlag verantwortlich sind. Ein Bekennerschreiben einer Organisation namens "Vulkangruppe" wurde auf einer einschlägigen Website veröffentlicht. Die Gruppe begründete die Tat mit dem Kampf gegen fossile Energien und rief zu weiteren Anschlägen auf Infrastruktur auf. Laut dem Bekennerschreiben setzten die Täter eine Kabelbrücke am Teltowkanal in Brand und verbanden anschließend die beschädigten Starkstromkabel mit Metallstangen, um einen Kurzschluss zu verursachen. Bei dem Anschlag seien professionelle Täter am Werk gewesen, sagte Wegner. Die Tat sei "kein Zufallsprodukt". Er gehe davon aus, dass der Zeitpunkt bewusst gewählt war, als die Temperaturen besonders frostig wurden. Die Angreifer hätten damit bewusst mit dem Leben von Menschen gespielt. Bereits am Sonntag sagte Wegner , dass Polizei, Landeskriminalamt und Verfassungsschutz eingeschaltet seien. Mit dem Bundeskriminalamt sei man im Austausch. Giffey forderte Bundeshilfe bei den Ermittlungen. "Die Frage ist: Sind das einfach nur linke Gruppen von Aktivisten, die ideologisch unterwegs sind, oder steckt da mehr dahinter?", sagte sie im RBB-Inforadio. Die Sicht auf die Gesellschaft, die aus dem als authentisch eingestuften Bekennerschreiben hervorgehe, sei "hochgradig gefährlich". Es handele sich nicht nur um einen Angriff auf die Infrastruktur, sondern auf die "ganze freie Gesellschaft".